20. November 2017

Wenn dein Leben nur noch aus Chaos besteht....

(Quelle: Martin Krist)







Titel: Böses Kind
Autor: Martin Krist
Reihe: Alanna
Band: 1
Seiten: 324
Verlag: R & K
ISBN: 978-3745035292









Hauptkommissar Henry Frei und seine Kollegen Luisa Albers untersuchen einen 5 Tage alten Tatort, als sie zu einer grausam zugerichteten Leiche gerufen werden. Zeitgleich wird die allein erziehende Mutter Suse schier verrückt vor Sorge, da ihre jugendliche Tochter Jacqueline seit 2 Tagen unauffindbar ist. Wo steckt das Mädchen? Wer hat den Toten so zugerichtet?

"Böses Kind" ist der Auftakt der Alanna-Reihe von Martin Krist und hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn ich David Gross und Paul Kalkbrenner sehr vermisse, führt der Autor mit Henry Frei einen neuen, sympathischen und leicht verschrobenen Ermittler ein, der mir vor allem im Zusammenspiel mit seiner Kollegin sehr gefallen hat.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur den Ermittlungen der Polizei, sondern begleitet auch Suse in ihrem recht chaotischen Alltag. Die Mischung aus klar definiertem Vorgehen der Beamten und dem puren Durcheinander bei der allein erziehenden Mutter hat mich sofort in ihren Bann gezogen. In diesem Thriller prallen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Martin Krist gewährt Einblick in ein soziales Umfeld jenseits des Kudamms, der Eigentumswohnungen in Prenzlauer Berg oder dem hippen Friedrichshain.

Die beiden Ermittler Henry Frei und Luisa Albers habe ich sofort ins Herz geschlossen. Beide sind erfrischend normal und bodenständig, haben Familie und zeigen nicht nur in ihrem Job Herz und Verstand. Während Albers eher emotional reagiert und mich vor allem durch ihr Selbstbewusstsein beeindruckt hat, agiert Frei ruhig, besonnen und absolut korrekt. Das birgt natürlich Potenzial für Reibereien. Doch statt hier auf den Klischeezug aufzuspringen, setzt Martin Krist auf Teamwork und lässt seine Figuren sich ergänzen, wo es sinnvoll und nötig ist. Das fand ich toll und es war für mich eine gelungene Abwechslung im Einheits-Thriller-Ermittler-Brei.

Die Story ist von Beginn an spannend und beeindruckt durch sehr gut gesetzte Überraschungsmomente. Der Roman lebt vor allem durch die Ermittlungen und das Schicksal des verschwundenen Mädchens. Martin Krist greift nicht auf billige Splatter-Effekte zurück, sondern zeigt einmal mehr, dass es keinen wild gewordenen Schlächter benötigt, um einen spannenden Thriller erzählen zu können. Ich habe mit Frei und Albers ermittelt, mit Suse versucht, den Haushalt, die Kinder und die Suche nach Jacqueline unter einen Hut zu bringen und konnte mich kaum losreißen.

Das Ende hat mich positiv überrascht und passt sehr gut zur gesamten Geschichte. Zudem lässt der Autor die Tür sperrangelweit offen für seine Fortsetzung, auf die ich mich schon jetzt sehr freue.

Der Stil von Martin Krist ist einfach und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant, detailreich und verlangt vom Leser immer wieder die volle Aufmerksamkeit. Klasse!

Fazit: In diesem Thriller verschwinden nicht nur Mädchen, sondern auch Lesestunden. Eine klare Empfehlung!

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