6. November 2017

WARUM? - Das Ende kommt überraschend





Jeden ersten Montag im Monat befasse ich mich mit einer Frage, die mich im Bücherversum umtreibt. Sei es zu Figuren, Handlungen, Gestaltungen oder Trends in der Literaturwelt, sobald mir eine Frage durch den Kopf geht, befasse ich mich damit.

Vorsicht: Diese Rubrik gibt einzig meine persönliche Meinung wieder. Aber es darf gern darüber diskutiert werden.

Dieser Artikel kann SPOILER enthalten. Wer die erwähnten Bücher nicht kennt, sollte also mit Vorsicht lesen.

Ich bin ein großer Fan von vertrackten, verschachtelten, aber vor allem von gut durchdachten Geschichten. Geschichten, bei denen man merkt, dass der Autor an alles gedacht hat und es versteht, den Leser aufs Glatteis zu führen. Und bisher dachte ich, dass ich mich bei bestimmten Autoren auch genau auf diese tollen Stories verlassen kann. Doch leider muss ich mir immer öfter die Frage stellen:

Warum können Autoren ihre Geschichten nicht bis zu Ende denken? Warum behelfen sie sich mit Wendungen, die wenig glaubhaft sind?

Für mich muss ein guter Thriller Spannung, Blut und Logik vereinen. Der Täter wird geschnappt, weil er eine Kleinigkeit übersehen hat oder einfach zu arrogant geworden ist. Die Ermittler kommen dem Mörder auf die Spur, weil sie konsequent den Spuren nachgehen, um die Ecke denken und ihre Erfahrungen einfließen lassen. Auch ein gutes Motiv des Täters ist nicht zu verachten, sei es nun Hass, sexuelles Verlangen oder Eifersucht. Solche Thriller versüßen mir den Alltag und ich freue mich auf jedes neue Werk des Autors.

Doch dann gibt es Romane, bei denen ich Seiten genau sagen kann, wo der Autor den Faden verloren hat. Meist ist der Beginn der Story großartig. Der Täter wird mysteriös eingeführt, die Ermittler stehen unter Druck und es folgt eine Leiche nach der anderen. Und gerade als man mittendrin in der Verfolgungsjagd ist...PUFF...gibt es eine Wendung, bei der ich nur den Kopf schütteln kann. Sie hat sich weder abgezeichnet, noch gab es Hinweise darauf und sie passt auch nicht wirklich zur Geschichte. Aber nur durch diese Wendung kann die Auflösung funktionieren. Und das ärgert mich. Es wirkt, als ob der Autor Beginn und Ende seines Werkes präzise geplant hat. Der Rest wird dann dem Zufall überlassen. Und der ist zumeist ein schlechter Ratgeber.

Ein leider sehr gutes Beispiel dafür ist "Achtnacht" von Sebastian Fitzek. (Vorsicht Spoiler!)

Den gesamten Roman über wird die Hauptfigur durch Berlin gehetzt, bekommt mysteriöse Anrufe und die Meute kommt immer wieder auf seine Spur. Doch wer steckt dahinter? Ich konnte es mir bis zum Schluss nicht erklären und war so gespannt auf die Auflösung. Umso enttäuschter war ich, dass Fitzek auf einen Täter mit multiplen Persönlichkeiten zurückgegriffen hat. Nicht nur, dass er das Krankheitsbild falsch und sehr vereinfacht dargestellt hat, nein, es wirkte auf mich auch komplett unglaubwürdig. Doch ohne diesen Täter hätte die gesamte Geschichte nicht funktioniert. Es gab keinen anderen, logischen Schluss. Ich war vom Ende wirklich enttäuscht. Denn bisher konnte mich Fitzek mit seinen Wendungen zum Ende hin überzeugen. Hier hatte er den Bogen definitiv überspannt.

Doch er ist nicht der einzige. Auch Neu-Autoren begehen gern den Fehler, dass sie einen haarsträubenden Twist einbauen, ohne den zwar die Auflösung nicht klappen würde, der bei mir aber das Gefühl hervorruft, dass mich der Verfasser für sehr naiv oder begriffsstutzig hält. 

Es muss nicht immer der große Knalleffekt sein, der zur Ergreifung führt. Mitterweile ist es eine erfrischende Abwechslung, wenn der Täter aufgrund konsequenter Ermittlungen gestellt wird und nicht, weil er in einem Anflug von Leichtsinn und geistiger Umnachtung, seinen gesamten Plan offenlegt.

Liebe Autoren, denkt eure Geschichten zu Ende. Macht sich so hervorragend, dass dem Leser die Luft vor lauter Spannung und nicht vor lauter "WTF?" wegbleibt.

Kommentare:

  1. Hallo Tapsi,
    dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen; eine gute Frage, die du dir da gestellt hast und gut beantwortet (bzw. wir rätseln ja noch immer über den Grund ;)
    Grüße
    Daniela v. Buchvogel

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    1. Hi Daniela,

      den wirklichen Grund wüsste ich auch gern ;)
      Lg
      Denise

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  2. Hallo Tapsi,

    lustigerweise ging es mir mit dem neuen Fitzek auch nicht anders - bei AchtNacht sind wir auch einer Meinung! Manchmal konstruiert er mir einfach generell zu viel in der Geschichte herum, es kommen gefühlt zehn verschiedene Wendungen, gerade zum Schluss hin, und das nervt mich nur noch. Die Grundgeschichten sind ja auch stets spannnend und gut geschrieben, aber dann ....

    Kann dir komplett mit deinem Beitrag zustimmen, es darf gerne Wendungen geben aber dann doch bitte nachvollziehbar und logisch. Ich habe es besonders gerne wenn Autoren beim Lesen mir kleine Hinweise geben und ich auch theoretisch selbst auf die Lösung kommen könnte.

    Toller Beitrag, hab einen schönen Montag!

    Liebe Grüße,
    Toni

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    1. Hi Toni,

      Du hast es perfekt zusammengefasst. Ich möchte auch selbst drauf kommen können :)

      Lg
      Denise

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  3. Oh ich weiß absolut was du meinst, müsste aber kurz um mich gehen um ein paar Titel zu benennen. Auch wenn ich "AchtNacht" nicht gelesen habe, so habe ich deine Worte dazu gelesen - hatte ich eh nicht vor zu kaufen und bin nun mehr als froh! Denn gerade wenn es um multiple Persönlichkeiten (oder Schizophrenie) in Thrillern geht bin ich sehr kritisch!

    Ob Thriller oder andere Genres, wenn Autoren/Autorinnen den Faden in der Geschichte verlieren vermiest dies echt den Lesegenuss, egal wie gut die Story an sich ist - bei mir besonders wenn es sich um das Ende handelt, das hat immer nochmal großen Einfluss auf den Gesamteindruck der Geschichte

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    1. Hi Janna,

      genau das ist es. Das Buch ist klasse und dann kommt ein Schluss, bei dem ich denke "Hä?" und schon ist der Gesamteindruck dahin.

      LG
      Denise

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