29. November 2017

Lass uns spielen!







Titel:
 Fang den Tod
Reihe: Goldmann und Brandner
Band: 5
Seiten: 274
ISBN: 978-3981707670









Eine männliche Leiche wird gefunden, ausgeweidet und teilweise verspeist. Das Team um Walter Brandner, Cahide Pfeiffer und Georg Schranzer findet den Kannibalen ungewöhnlich schnell. Und genau so schnell müssen sie feststellen, dass sie den falschen haben. Denn der Mörder verfolgt einen perfiden Plan, meinen spielerisch perfiden Plan...

"Fang den Tod" ist der 5. Fall für Walter Brandner und Leonore Goldmann und hat mich wieder mal überzeugt. Timo Leibig geht in seinem neusten Thriller einen blutigen, sehr spannenden Weg und konnte mich dadurch von Beginn an fesseln. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man vor allem den Ermittlern rund um Brandner, die sich mit einer Mordserie konfrontiert sehen. Ich muss zugeben, dass ich mir schwer vorstellen konnte, wie der Autor nach dem Ausscheiden Goldmanns aus dem aktiven Dienst das Duo Goldmann/Brandner weiter aufrecht erhalten könnte. Jedoch hat Timo Leibig eine sehr überzeugende und schlüssige Lösung gefunden, die ich ausgesprochen gut finde. 

Neben den Ermittlungen beschäftigt man sich auch mit der Gedankenwelt Brandners und lernt geradlinigen, aber ruhigen Kommissar von einer ganz anderen Seite kennen. Diese Aufteilung hat mir sehr gut gefallen.

Der aktuelle Fall ist blutiger als sein Vorgänger, ohne dabei auf Splattereffekte oder überzogene Tatortdarstellungen zu setzen. Das fand ich erfrischend und eine wohltuende Abwechslung zu den "Schaut her, wie brutal ich meine Figuren töte" - Romanen. Timo Leibig eröffnet seinen Lesern zudem einen genaueren Einblick in die Polizeiarbeit und zeigt damit, dass Mordermittlungen nicht immer nur aus Verfolgungsjagd, Häuserkampf und heldenhafte Befreiungen bestehen. Und obwohl er dem akribischen Vorgehen der Polizei einen größeren Spielraum eingeräumt hat, habe ich mich keine Sekunde gelangweilt. Denn Leibig versteht es, Szenen im Kopfkino seiner Leser zum Leben zu erwecken. Klasse!

Die Figuren sind realitätsnah und plastisch beschrieben. Jeder Charakter hat seine Ecken und Kanten. Und genau das lässt sie so menschlich und echt wirken. Mit Cahide und Georg hat der Autor zwei weitere, sympathische Ermittler eingeführt, die ich direkt ins Herz geschlossen habe. Klasse!

Der Stil von Timo Leibig ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, detailgetreu und spannungsgeladen. Ich habe den Thriller innerhalb weniger Stunden gelesen.

Fazit: Ein mörderisch gutes Spiel. Ich kann den neusten Fall von Goldmann und Brandner nur empfehlen.



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27. November 2017

Blogtour "Böses Kind" - Crime City Berlin



Herzlich Willkommen zur Blogtour zu Martin Krists neustem Thriller "Böses Kind". An 5 Tagen lernt Ihr den Thriller, den Autor und die Hintergründe kennen. Und etwas gewinnen könnt Ihr auch!

Wer als Nicht-Berliner an Berlin denkt, dem kommen vor allem dass Brandenburger Tor, der Reichstag und der Alexanderplatz in den Sinn. Eben an alle Plätze, die zur Marke "Berlin" gehören.



 Doch Berlin hat auch eine dunkle Seite. 2016 hat die Bundeshauptstadt den eher uncharmanten Titel "Verbrechenshauptstadt" verliehen bekommen und damit Frankfurt am Main vom Thron gestoßen. Egal ob Mord, Raub, Drogendelikte oder Diebstahl, die Polizei hat alle Hände voll zu tun.

Kein Wunder also, dass immer mehr Thrillerautoren ihre Geschichten in die Hauptstadt verlagern. Martin Krist ist jedoch einer der wenigen Schriftsteller, der die Stadt in seinen Büchern so einfängt, wie sie ist: laut, bunt und ein Potpourri aus Dekadenz und Armut.

(Quelle: wikimedia)

"Böses Kind" beginnt in einem heruntergekommenen Hotel in der Gotenstraße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Die Gegend ist nicht gerade bekannt für ihren Glanz, dennoch lässt es sich dort günstig und gut leben. Während Henry Frei und seine Kollegin Albers dort einen Tatort untersuchen, versucht rund 17 km westlich die allein erziehende Mutter Suse ihr Leben unter Kontrolle zu bekommen.

Suse lebt mit ihren Kindern im Bezirk Spandau. Berliner belächeln diesen Stadtteil, liegt er doch soweit am Rand, dass er schon fast gar nicht mehr zu Berlin gehört. In Spandau finden sich neben wunderschönen, kinderfreundlichen Gegenden auch trostlose Plattenbauten mit heruntergekommenen Grünflächen und hoher Kriminalität.

Martin Krist hat sich diese Gegend für einen besonderen Tatort ausgesucht: Die heruntergekommene und sanierungsbedürftige Stadtbibliothek, die im Zuge des Stadtumbau West saniert werden soll. Und wer jetzt glaubt, dass der Autor hier seiner Fantasie freien Lauf gelassen hat, möge einen Blick auf die folgenden, wenige Tage alten Bilder werfen:




Während andere Autoren gern auf die Dekadenz des Kudamms oder die Reichenviertel in Charlottenburg setzen, befasst sich Martin Krist mit dem realen Leben in Berlin. Sozial schwache Gegenden knallen auf gut bürgerliche Straßenzüge. In der Hauptstadt sind tolle Fassaden und hohe Kriminalität meist nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Während du in einem Straßenzug deine Kinder sorgenfrei auf der Straße spielen lassen kannst, traust du dich ein paar Ecken weiter im Dunkeln nicht mehr allein hinaus. Und genau diese Mischung erlebt man als Leser hautnah in "Böses Kind".



Gewinnspiel
Natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen – signierte Bücher, ein ebook oder das Hörbuch! Die Teilnahme an diesem Blogtour-Gewinnspiel ist denkbar einfach – alles, was ihr tun müsst, ist, mir zu verraten, was Ihr Euch mal in Berlin, neben den ganzen großen Touristenmagneten, anschauen wollt.



Das Kleingedruckte
Du bist mindestens 18 Jahre alt oder hast das Einverständnis deiner Erziehungsberechtigten.
Hinterlasse uns eine Möglichkeit (E-Mail etc.), um Dich nach dem Gewinnspiel zu kontaktieren.
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.
Eine Teilnahme am Gewinnspiel ist nur innerhalb von Deutschland, Österreich und Schweiz möglich.
Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
Wir übernehmen keine Haftung für den Verlust des Gewinns auf dem Postweg.
Das Gewinnspiel endet am 03.12.2017 um 23:59 Uhr.

26. November 2017

Blutige Filme und ein neues Ermittlertrio

(Quelle: Blanvalet)







Titel: Der Todesmeister
Autor: Thomas Elbel
Reihe: Viktor Puppe
Band: 1
Verlag: Blanvalet
Seiten: 512
ISBN: 978-3734104145








Viktor Puppe wird vom Innenministerium zum Berliner LKA versetzt. Mit seinen neuen Kollegen Begüm Duran und Kenji Tokugawa wird er direkt zu einem heiklen Fall gerufen: Die grausam zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens wird an der Oberbaumbrücke angespült. Als wenn dies nicht schon schlimm genug ist, stellt sich schnell heraus, dass es sich bei der Toten um die Nichte des Justizsenators handelt. Viktor, Begüm und Ken werden in einen Strudel aus Gewalt, Sex und Intrigen gezogen. Können sie den Täter schnappen?

"Der Todesmeister" ist der Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe um Viktor Puppe und hat mir gut gefallen. Thomas Elbel setzt in seinem ersten Thriller auf ungewöhnliche Charaktere und ein spannendes Setting. Lediglich der Schluss gerät schwächer.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum großen Teil dem Ermittler-Trio, welches sich nicht nur mit dem Fall, sondern auch mit sich selbst auseinandersetzen muss. Denn Viktor als Musterknabe prallt auf Begüm und Ken,die beide die typische Berliner Freundlichkeit an den Tag legen und ihrem Neuling keine Schonfrist gönnen. In einigen Kapiteln kommt auch der Täter zu Wort. Und man lernt Jenny mit ihrem Bruder Lukas kennen, die sich beide auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Elternhaus befinden. Diese Mischung fand ich klasse.

Die Figuren sind sehr anders geraten, als man es gemeinhin in Thrillern vermutet. Thomas Elbel stellt dem intelligenten und glatten Viktor zwei Berliner Schnauzen an die Seite. Deren Ruppigkeit und vor allem auch Kens Proletentum machen nicht nur dem Neuling, sondern auch dem Leser teilweise zu schaffen. Tief ins Herz geschlossen habe ich keinen der drei. Aber das muss ich auch nicht. Denn Begüm, Ken und Viktor bieten sehr viel Potenzial für Spannung, Konflikte, aber auch Loyalität, so dass ich mich mit allen dreien recht wohlgefühlt habe. Wer allerdings auf glattgezogene und bodenständige Charaktere steht, wird mit dem Trio seine liebe Not haben.

Die Story ist von Beginn an spannend und unterhaltsam. Nach einer kurzen Eingewöhnung konnte ich nicht mehr die Finger von dem Thriller lassen. Thomas Elbel legt die Spuren in seiner Geschichte gut, aber für deinen geübten Leser des Genres doch sehr augenfällig. Das mindert aber nicht den Lesespaß.

Lediglich das Finale hat den Gesamteindruck eingetrübt. Denn hier greift der Autor auf die typischen Klischees wie leerer Handyakku, geheimnisvolle Hinweise an die Kollegen und einen hollywoodwürdigen Showdown zurück. Das fand ich echt schade. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen.

Der Stil von Thomas Elbel ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, sehr detailgenau und sorgt dafür, dass man immer mehr will. Toll!

Fazit: Kein Meisterwerk, aber ein solider Auftakt. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.


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24. November 2017

Fremdgebloggt - Das Reich der sieben Höfe




Titel: Das Reich der sieben Höfe - Dornen und Rosen
Originaltitel: A Court of Thorns an Roses 
Autor/in: Sarah J. Maas
Verlag: dtv 
ISBN: 978-3-423-76163-5
Format: Hardcover
Seiten: 490 Seiten 
Preis: 18,95 € (Hardcover) / 14,99 € (E-Book)
ET: 2017-02
Genre: Jugendroman (ab 14 Jahren)


Buchinfo/Klappentext:
Sie hat ein Leben genommen. Jetzt muss sie mit ihrem Herz dafür bezahlen. 
Die junge Jägerin Feyre wird in das sagenumwobene Reich der Fae entführt. Nichts ist dort, wie es scheint. Sicher ist nur eins: Sie muss einen Weg finden, um ihre Liebe zu retten. Oder ihre ganze Welt ist verloren. (Quelle: dtv)

Cover:
Die Cover- und Umschlaggestaltung finde ich wirklich gelungen. Der transparente Umschlag enthält die wichtigen Angaben wie Titel und Autorin sowie eine dornige Pflanze - passend zum Titel. Auf dem Hardcover selbst ist ein Mädchen mit Pfeil und Bogen zu sehen. Zusammen wirklich eine gelungene Kombi.

Meinung: 
Meine Kollegin empfahl mir dieses Buch mit den Worten "musst du unbedingt lesen". Also lieh sie mir ihr Exemplar und ich legte los.
Der Einstieg gelang mir ohne Probleme, denn ich war sofort in der von der Autorin geschaffenen Welt gefangen. Als Leser begleitet man Protagonistin Feyre bei der Jagd, da sie für ihre Familie sorgen muss. Und dann geht etwas schief und sie muss ihre Familie verlassen.
Feyre ist ein starker Charakter, ich mochte sie auf Anhieb. Aber auch die anderen Figuren sind wunderbar gestaltet. Tamlin ist ein wenig undurchsichtig, aber trotzdem umgibt ihn eine gewisse Aura, eine Anziehungskraft, der sich auch Feyre nicht entziehen kann. Lucien ist einer meiner liebsten Charaktere in diesem Buch. Und dann ist da auch noch Rhysand. Eigentlich der Fiesling, aber ich glaube, da wird im Folgeband noch einiges passieren.
Die Handlung erinnerte mich zeitweise an "Die Schöne und das Biest". Auf jeden Fall aber ist dieses Buch eine Mischung aus Fantasy und Märchen. Sehr bildgewaltig geschrieben, lässt es den Leser nicht mehr los. Ich fieberte mit Feyre mit, die auf den 490 Seiten immer stärker wird, obwohl sie so viel durchmachen muss.

Fazit: 
Mich hat dieser Roman definitiv abgeholt und vollkommen überzeugt. Wie gut, dass ich Band 2 bereits bei mir zu liegen habe.
Ein wundervolles Buch, welches den Leser in eine fantasievolle Welt entführt. Ein MUSS für Fans dieses Genres.




23. November 2017

Buchpremiere "Böses Kind" von Martin Krist



Es ist eine liebgewordene Tradition: Wenn Martin Krist einen neuen Thriller herausbringt, findet die Buchpremiere im Berliner Kriminaltheater statt. Auch "Böses Kind" wurde am 22.November hier offiziell dem Publikum vorgestellt. Doch Martin Krist wäre nicht Martin Krist, wenn er seine Lesung nicht zu einem Erlebnis besonderer Art machen würde.

Schon der Einstieg war außergewöhnlich, denn weder der Autor noch die Moderatorin erschienen als erstes auf der Bühne, sondern ein musikalisches Trio, welches den Abend singend und rappend einläutete.

Kurz darauf stellte sich die Moderatorin Carolin Reif, die bei epubli für das Partner Management zuständig ist, vor und begrüßte die beiden charmanten sowie stimmgewaltigen Nina Hohlfeld und Anne Forman. Beide Frauen unterstützen Martin Krist seit einigen Lesungen und erwecken durch ihre Stimmen die Figuren zum Leben.

Nina Hohlfeld 

Anne Forman

Doch nicht nur die Ausschnitte waren spannend. Auch die Fragen, die Caroline bereit hielt, versprachen neue Erkenntnisse. So diskutierte sie angeregt mit Martin Krist über die Unterschiede von Verlagsautoren und Selfpublishern, woher seine Figurenideen stammen und ob er sehr mit seinen Protagonisten fühle. Der Autor bezog klar Stellung zum Selfpublishing und bekräftigte seine Ansicht, dass Selfpublisher mittlerweile eine angesehene Größe im Buchgeschäft seien. 



Mit seinen Figuren geht Krist eher pragmatisch um. Wenn der Tod eines Protagonisten notwendig sei, wird dieser emotionslos um die Ecke gebracht. Die Geschichte muss funktionieren, so der Autor. 

Positiv überrascht hat mich die musikalische Begleitung des Abends. Denn die Zwillinge Mike (10 Minuten älter) und Mark überzeugten nicht nur mit ihren Songs, sondern auch mit ihrem Moderationstalent. Als die Technik plötzlich nicht so wollte, wie die beiden, erzählten die Brüder kurzerhand aus ihrem Leben und wie es ist, wenn man als Zwillinge unterwegs ist.

Mike (r.) und Mark (l.)

Insgesamt empfand ich die Lesung als kurzweilig, spannend und bekam Lust, das Buch nochmals zu lesen. Wer bisher keinen Krist gelesen hat, sollte es unbedingt nachholen. Und auf eine Lesung des Autoren gehen. Man kommt lebend raus, aber eine schlaflose Nacht danach ist schon fast garantiert.


20. November 2017

Wenn dein Leben nur noch aus Chaos besteht....

(Quelle: Martin Krist)







Titel: Böses Kind
Autor: Martin Krist
Reihe: Alanna
Band: 1
Seiten: 324
Verlag: R & K
ISBN: 978-3745035292









Hauptkommissar Henry Frei und seine Kollegen Luisa Albers untersuchen einen 5 Tage alten Tatort, als sie zu einer grausam zugerichteten Leiche gerufen werden. Zeitgleich wird die allein erziehende Mutter Suse schier verrückt vor Sorge, da ihre jugendliche Tochter Jacqueline seit 2 Tagen unauffindbar ist. Wo steckt das Mädchen? Wer hat den Toten so zugerichtet?

"Böses Kind" ist der Auftakt der Alanna-Reihe von Martin Krist und hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn ich David Gross und Paul Kalkbrenner sehr vermisse, führt der Autor mit Henry Frei einen neuen, sympathischen und leicht verschrobenen Ermittler ein, der mir vor allem im Zusammenspiel mit seiner Kollegin sehr gefallen hat.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur den Ermittlungen der Polizei, sondern begleitet auch Suse in ihrem recht chaotischen Alltag. Die Mischung aus klar definiertem Vorgehen der Beamten und dem puren Durcheinander bei der allein erziehenden Mutter hat mich sofort in ihren Bann gezogen. In diesem Thriller prallen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Martin Krist gewährt Einblick in ein soziales Umfeld jenseits des Kudamms, der Eigentumswohnungen in Prenzlauer Berg oder dem hippen Friedrichshain.

Die beiden Ermittler Henry Frei und Luisa Albers habe ich sofort ins Herz geschlossen. Beide sind erfrischend normal und bodenständig, haben Familie und zeigen nicht nur in ihrem Job Herz und Verstand. Während Albers eher emotional reagiert und mich vor allem durch ihr Selbstbewusstsein beeindruckt hat, agiert Frei ruhig, besonnen und absolut korrekt. Das birgt natürlich Potenzial für Reibereien. Doch statt hier auf den Klischeezug aufzuspringen, setzt Martin Krist auf Teamwork und lässt seine Figuren sich ergänzen, wo es sinnvoll und nötig ist. Das fand ich toll und es war für mich eine gelungene Abwechslung im Einheits-Thriller-Ermittler-Brei.

Die Story ist von Beginn an spannend und beeindruckt durch sehr gut gesetzte Überraschungsmomente. Der Roman lebt vor allem durch die Ermittlungen und das Schicksal des verschwundenen Mädchens. Martin Krist greift nicht auf billige Splatter-Effekte zurück, sondern zeigt einmal mehr, dass es keinen wild gewordenen Schlächter benötigt, um einen spannenden Thriller erzählen zu können. Ich habe mit Frei und Albers ermittelt, mit Suse versucht, den Haushalt, die Kinder und die Suche nach Jacqueline unter einen Hut zu bringen und konnte mich kaum losreißen.

Das Ende hat mich positiv überrascht und passt sehr gut zur gesamten Geschichte. Zudem lässt der Autor die Tür sperrangelweit offen für seine Fortsetzung, auf die ich mich schon jetzt sehr freue.

Der Stil von Martin Krist ist einfach und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant, detailreich und verlangt vom Leser immer wieder die volle Aufmerksamkeit. Klasse!

Fazit: In diesem Thriller verschwinden nicht nur Mädchen, sondern auch Lesestunden. Eine klare Empfehlung!

16. November 2017

Die Vergangenheit kannst du nicht vergessen!








Titel: Marlenes Geheimnis
Autor: Brigitte Riebe
Verlag: Diana
Seiten: 432
ISBN: 978-3453292055










Für Nane ist es ein trauriger Tag, in das Dorf ihrer Kindheit zurückzukehren. Ihre Großmutter Eva ist verstorben. Gemeinsam mit ihrer Mutter Vicky erscheint sie in Rickenbach, einem kleinen Dorf nahe des Bodensees. Die beiden Frauen werden kühl von Marlene, der Schwester Vickys, empfangen. Die Spannungen legen sich auch an so einem bedeutsamen Tag nicht. Nane versteht die Welt nicht mehr. Und als ihr dann auch noch die Memoiren ihrer Großmutter in die Hände fallen, wird so manches Geheimnis gelüftet...

"Marlenes Geheimnis" war mein erster Roman von Brigitte Riebe und der Klappentext hatte mich neugierig gemacht. Ich mag Familiengeschichten, deren Wurzeln bis zurück in den 2. Weltkrieg reichen. Und die Autorin hat in ihrem Buch sehr gute Grundlagen gelegt. Leider werden diese von zu viel Zickereien und Divenhaftigkeit überlagert.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Zum Einen lernt man Nane, ihre Mutter und ihre Tante kennen. Nach dem Tod der Großmutter brechen alte Fehden wieder auf und Nane steht zwischen den Stühlen. Zum Anderen darf man die Memoiren Evas lesen, die aus ihrer Kindheit, Hitlerdeutschland und dem 2. Weltkrieg berichtet. Diese Mischung fand ich klasse und ich verlor mich vor allem in den Erzählungen der Großmutter.

Die Figuren sind lebhaft, aber leider auch klischeehaft angelegt. Nane kämpft mit psychischen Problemen, Vicky und Marlene giften sich nur an, da die eine den Lebensentwurf der anderen nicht verstehen mag und auch in Evas Erzählungen wird auf lieb gewonnene Bilder zurückgegriffen. Zu Beginn konnte ich dies noch gut verschmerzen, da mich die Vergangenheit der Familie sehr interessiert hat.

Je länger ich jedoch las, desto mehr fielen mir die Spitzen Marlenes, die Streitereien und uralten Fehden auf die Nerven. Gefühlt bestand der Part, der in der Gegenwart spielte, nur aus Gezicke, Streit, Selbstzweifel und ganz vielen Andeutungen. Dies war mir persönlich zu viel, so dass ich das Buch nach der Hälfte zur Seite gelegt habe.

Der Stil von Brigitte Riebe ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise lebt von Gefühlen und einfühlsamen Beschreibungen, die nicht aufgesetzt wirken. Das fand ich sehr charmant.

Fazit: Ein Buch, das Liebhaber des Genres begeistern wird. Mich hat es leider enttäuscht.



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9. November 2017

Bist du weniger wert, weil du schwarz bist?








Titel: Kleine große Schritte
Autor: Jodi Picoult
Übersetzer: Elfriede Peschel
Verlag: C. Bertelsmann
Seiten: 592
ISBN: 978-3570102374









Ruth Jefferson ist Hebamme und Säuglingskrankenschwester in New York. Seit über 20 Jahren betreut sie Mütter und deren Babys. Als sie eines Tages den Sohn von Turk und Brittany untersucht, eskaliert die Situation. Der Vater des Kleinen ist bekennender Rassist und will nicht, dass eine schwarze Krankenschwester seinen Sohn betreut. Ruth ist wütend und entsetzt, hält sich jedoch an die Anweisung. Bis das Baby einen Atemstillstand erleidet...

"Kleine große Schritte" ist das neuste Werk von Jodi Picoult und hat mich berührt, wütend gemacht und nachdenklich gestimmt. Die Autorin greift in ihren vielen Büchern immer wieder bewegende Themen wie Amokläufe, Teenagerschwangerschaften oder Organspende auf. In ihrem neuen Roman befasst sie sich mit einem Thema, das so alltäglich wie erschreckend ist: Rassismus. Und dabei zeigt sich deutlich, aber ohne Holzhammer, wie alltäglich diese Form der Diskriminierung ist.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt. Ruth, die schwarze Krankenschwester, nimmt uns mit in ihren Alltag aus Geburt, Muttersein und den täglichen Kampf gegen Vorurteile. Turk, der bekennende Rassist und White-Power-Anhänger, gewährt einen Einblick in seine Welt, in der Weiße die Herrenrasse sind. Und Kennedy, die spätere Anwältin von Ruth, die als Pflichtverteidigerin viel Elend gesehen hat und dabei immer wieder den Kampf für ihre Klienten aufnimmt. Diese Mischung ist so gegensätzlich wie explosiv.

Zum Einen ist da ein Vater, der seinen neu geborenen Sohn verliert und dafür die Person verantwortlich macht, die seiner Weltansicht nach wertlos ist und nie in die Nähe seines Kindes hätte kommen dürfen. Zum Anderen ist da eine Krankenschwester, die ihr Leben lang für jeden Schritt nach vorn kämpfen musste. Und genau dieses Leben bricht mit der Mordanklage komplett auseinander.

Ich war erschrocken, wie gut Jodi Picoult die Gedankenwelt des White-Power-Anhängers darstellen konnte. Beim Lesen ekelte ich mich vor so viel Hass und Arroganz. Als vollkommenen Kontrast habe ich die Kapitel empfunden, in denen Ruth aus ihrem Leben erzählt. Sie wirkte auf mich stolz, aber bescheiden und zeigte mit kleinen Anekdoten, dass der Rassismus in den USA allgegenwärtig und alltäglich ist. Sei es beim Einkaufen, im Job oder vor Gericht. Ruth hat ihre Hautfarbe nie als Ausrede oder Begründung gesehen. Und muss nun mit Erschrecken feststellen, dass diese Einstellung nichts mehr wert ist, wenn man vor dem Richter steht. Ihre Wut und Traurigkeit konnte ich nachvollziehen.

Jedoch werde ich es nie nachfühlen können, da ich als Weiße nie diese Nachteile spüren werde. Und genau diese Erkenntnis macht das Buch von Jodi Picoult so wichtig. Sie zeigt, dass wir uns gern für nicht rassistisch halten und dennoch eine Form der Diskriminierung ausüben, der wir uns wenig bewusst sind. Das ist traurig, beschämend und zeigte mir, wie viel sich noch ändern muss.

Dabei verwendet die Autorin weder den moralischen Zeigefinger, noch maßt sie sich an, den heiligen Gral für die Gerechtigkeit gefunden zu haben. Sie hat bei mir einen Denkprozess ausgelöst. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch bei diesem Roman: Das Ende. Jodi Picoult trägt meiner Meinung nach zu viel aus, bringt eine Wendung ins Spiel, bei der ich ungläubig aufgelacht habe. Diese Wendung ist dramatisch, hätte aber meines Erachtens nicht sein müssen, um die Botschaft des Romans deutlich zu machen.

Fazit: Selten hat mich ein Buch so bewegt. Ich kann es sehr empfehlen.


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6. November 2017

WARUM? - Das Ende kommt überraschend





Jeden ersten Montag im Monat befasse ich mich mit einer Frage, die mich im Bücherversum umtreibt. Sei es zu Figuren, Handlungen, Gestaltungen oder Trends in der Literaturwelt, sobald mir eine Frage durch den Kopf geht, befasse ich mich damit.

Vorsicht: Diese Rubrik gibt einzig meine persönliche Meinung wieder. Aber es darf gern darüber diskutiert werden.

Dieser Artikel kann SPOILER enthalten. Wer die erwähnten Bücher nicht kennt, sollte also mit Vorsicht lesen.

Ich bin ein großer Fan von vertrackten, verschachtelten, aber vor allem von gut durchdachten Geschichten. Geschichten, bei denen man merkt, dass der Autor an alles gedacht hat und es versteht, den Leser aufs Glatteis zu führen. Und bisher dachte ich, dass ich mich bei bestimmten Autoren auch genau auf diese tollen Stories verlassen kann. Doch leider muss ich mir immer öfter die Frage stellen:

Warum können Autoren ihre Geschichten nicht bis zu Ende denken? Warum behelfen sie sich mit Wendungen, die wenig glaubhaft sind?

Für mich muss ein guter Thriller Spannung, Blut und Logik vereinen. Der Täter wird geschnappt, weil er eine Kleinigkeit übersehen hat oder einfach zu arrogant geworden ist. Die Ermittler kommen dem Mörder auf die Spur, weil sie konsequent den Spuren nachgehen, um die Ecke denken und ihre Erfahrungen einfließen lassen. Auch ein gutes Motiv des Täters ist nicht zu verachten, sei es nun Hass, sexuelles Verlangen oder Eifersucht. Solche Thriller versüßen mir den Alltag und ich freue mich auf jedes neue Werk des Autors.

Doch dann gibt es Romane, bei denen ich Seiten genau sagen kann, wo der Autor den Faden verloren hat. Meist ist der Beginn der Story großartig. Der Täter wird mysteriös eingeführt, die Ermittler stehen unter Druck und es folgt eine Leiche nach der anderen. Und gerade als man mittendrin in der Verfolgungsjagd ist...PUFF...gibt es eine Wendung, bei der ich nur den Kopf schütteln kann. Sie hat sich weder abgezeichnet, noch gab es Hinweise darauf und sie passt auch nicht wirklich zur Geschichte. Aber nur durch diese Wendung kann die Auflösung funktionieren. Und das ärgert mich. Es wirkt, als ob der Autor Beginn und Ende seines Werkes präzise geplant hat. Der Rest wird dann dem Zufall überlassen. Und der ist zumeist ein schlechter Ratgeber.

Ein leider sehr gutes Beispiel dafür ist "Achtnacht" von Sebastian Fitzek. (Vorsicht Spoiler!)

Den gesamten Roman über wird die Hauptfigur durch Berlin gehetzt, bekommt mysteriöse Anrufe und die Meute kommt immer wieder auf seine Spur. Doch wer steckt dahinter? Ich konnte es mir bis zum Schluss nicht erklären und war so gespannt auf die Auflösung. Umso enttäuschter war ich, dass Fitzek auf einen Täter mit multiplen Persönlichkeiten zurückgegriffen hat. Nicht nur, dass er das Krankheitsbild falsch und sehr vereinfacht dargestellt hat, nein, es wirkte auf mich auch komplett unglaubwürdig. Doch ohne diesen Täter hätte die gesamte Geschichte nicht funktioniert. Es gab keinen anderen, logischen Schluss. Ich war vom Ende wirklich enttäuscht. Denn bisher konnte mich Fitzek mit seinen Wendungen zum Ende hin überzeugen. Hier hatte er den Bogen definitiv überspannt.

Doch er ist nicht der einzige. Auch Neu-Autoren begehen gern den Fehler, dass sie einen haarsträubenden Twist einbauen, ohne den zwar die Auflösung nicht klappen würde, der bei mir aber das Gefühl hervorruft, dass mich der Verfasser für sehr naiv oder begriffsstutzig hält. 

Es muss nicht immer der große Knalleffekt sein, der zur Ergreifung führt. Mitterweile ist es eine erfrischende Abwechslung, wenn der Täter aufgrund konsequenter Ermittlungen gestellt wird und nicht, weil er in einem Anflug von Leichtsinn und geistiger Umnachtung, seinen gesamten Plan offenlegt.

Liebe Autoren, denkt eure Geschichten zu Ende. Macht sich so hervorragend, dass dem Leser die Luft vor lauter Spannung und nicht vor lauter "WTF?" wegbleibt.

1. November 2017

Über den Wolken









Titel: Flugangst 7A
Autor: Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 400
ISBN: 978-3426199213









Dr. Mats Krüger leidet an Flugangst und würde lieber durch den Atlantik schwimmen, als diesen per Flugzeug zu überqueren. Doch seine einzige Tochter Nele erwartet ihr erstes Kind. Dafür überwindet der Psychiater seine Angst und reist von Buenos Aires nach Berlin, ungeahnt, dass der Flug nicht das Schlimmste wird. Denn als Mats' Handy an Bord klingelt, ahnt der Psychiater nicht, dass er zu einem Massenmörder werden soll...

"Flugangst 7A" ist der 15. Thriller aus der Feder von Sebastian Fitzek und hat mich endlich wieder vollends überzeugt. Hatte ich bei den letzten beiden Werken vor allem am Schluss viel zu kritisieren, legt der Autor nun eine überzeugende, erschreckende und runde Story vor. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt zum Einen Mats, der über den Wolken nicht nur mit seiner Flugangst, sondern auch mit einem Wahnsinnigen am Telefon zu kämpfen hat. Zum Anderen erlebt man mit seiner Tochter Nele grausame Stunden. Denn die Hochschwangere wird entführt und als Teil eines Plans missbraucht, an dessen Ende ihr Vater Dr. Mats Krüger die Maschine, in der er sitzt, zum Absturz bringen soll. Eine klasse Idee für einen Psychothriller.

Die Figuren sind sehr gut gelungen und haben alle ihre Ecken und Kanten. Zwar jagt der Autor seine Leser in einem hohen Tempo durch die Story, jedoch verliert er dabei nicht den Blick für wichtige Details und überzeugende, menschliche Handlungen. So konnte ich mich von Beginn an sehr gut in die Charaktere hineinversetzen.

Die Story ist rund und es konnte mich auch endlich wieder der Schluss begeistern. Ich habe mir dieses Mal bewusst Zeit gelassen mit der Lektüre und so konnte das Grauen, welches Fitzek erschafft, erst richtig in mir reifen. Das Finale hat mich überrascht, passt aber zum gesamten Roman und enthält zum Glück keinerlei überraschende Wendung, die man nicht hätte ahnen können.

Sebastian Fitzek schafft es mit "Flugangst 7A" bei mir ein Gefühl der Beklemmung auszulösen. Ich fliege leidenschaftlich gern, habe bisher keinerlei Panik vor Langstreckenflügen gehabt und mich vor allem am Fensterplatz pudelwohl gefühlt. Nach der Lektüre steige ich zwar noch immer in ein Flugzeug, aber nun werde ich immer wieder an die Statistiken denken, an die ganzen Vorkommnisse und vor allem an eines: Dass der Mensch immer noch die gefährlichste Waffe ist! Vielen Dank dafür, Herr Fitzek!


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