Mittwoch, 8. Februar 2017

Die Rettung liegt in den Händen eines Kindes

Die Berufene
von M.R. Carey
(512 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Großbritannien in der nahen Zukunft: die Menschheit wurde von einem ominösen Pilz infiziert. Die Infizierten nennt man "Hungernde", denn sie kennen nur ein Ziel: alles was noch lebt zu fressen. Auf einer kleinen Militärbasis verschanzen sich Wissenschaftler, Zivilisten und Soldaten um herauszufinden, was es mit dem Parasiten auf sich hat. Zur Untersuchung dienen infizierte Kinder, die immun gegen den Pilz zu sein scheinen. Doch wie weit darf die Forschung gehen? Und was denken die Kinder selbst darüber?

"Die Berufene" von M.R. Carey hat mich schon länger neugierig gemacht, doch mit dem Start des Kinofilms hatte ich nun einen sehr guten Grund die Romanvorlage zu lesen. Und ich habe es nicht bereut. Der Autor schafft es, ein beklemmendes Szenario so lebensnah und für mich beängstigend darzustellen, dass ich das Buch in 2 Tagen durchgelesen habe.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man kapitelweise dem Kommandanten Perks, der die Militärbasis leitet, der Wissenschaftlerin Dr. Caldwell, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Pilz zu besiegen, der Lehrerin Miss Justineau, die die infizierten Kinder auf der Basis unterrichtet und Melanie, auch Testobjekt Nummer 1 genannt. Melanie ist eines der infizierten Kinder und muss als Versuchskaninchen herhalten. Jedes Kapitel passt sich sprachlich an seinen Protagonisten an. 

So war ich zu Beginn verwundert, in welch einfacher Sprache M.R. Carey seinen Roman gehalten hat. Schnell wurde mir klar, dass er seinen Stil Melanie angepasst hat. Die Infektion nimmt normalerweise jedem Menschen das Menschliche. Das immune Mädchen hingegen ist lernfähig, kann sprechen, denken und zeigt dies deutlich, wenn auch sprachlich in einfachen Sätzen. Das hat mich sehr fasziniert. Denn die Grausamkeiten, die man den Kindern antut, schildert sich mit solch kindlicher Präzision, dass es mir kalt den Rücken hinunterlief.

M.R. Carey wirft einen sehr bunten Mix an Charakteren zusammen, der im Laufe der Geschichte ums Überleben kämpfen muss. Grandios zeigt er die Gruppendynamik auf, regte mich zum Nachdenken über das eigene Verhalten an und zeigte deutlich, wie weit Entmenschlichung im Namen der Wissenschaft gehen kann. Ich war stellenweise stark gerührt, wütend, aggressiv und schüttelte den Kopf über die Gedankengänge der Personen, obwohl ich sie irgendwo auch wieder verstehen konnte. Es war immer wieder ein innerer Kampf mit der eigenen Überzeugung.

Die Story an sich hat mich von Beginn an in ihren Bann gezogen. Der Autor schafft es, den Horror der Situation gezielt und hintergründig zu setzen. Er wartet nicht mit Splatter und geifernden Zombies auf, sondern zeigt fast schon nüchtern, zu was Menschen werden können, wenn das eigene Überleben auf dem Spiel steht. Dabei setzt er geschickt jede Haltung gegeneinander ein, so dass ich beim Lesen selbst immer wieder in meiner eigenen Überzeugung erschüttert wurde. Grandios!

Das Ende hat mich stark berührt. Es passt sehr gut zum gesamten Werk, ist schlüssig und logisch. Und dennoch hätte ich mir gewünscht, es hätte ein anderes gegeben. Einfach, damit ich weiter an das Gute glauben könnte.

Der Stil von M.R. Carey ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise passt sich situativ an, reißt mit und beschreibt schonungslos, aber ohne Sensationsgier, die einzelnen Szenen.

Fazit: leiser Horror, große Gedanken und viel Spannung. Ich kann es sehr empfehlen.

Kommentare:

  1. Hallo Tapsi,
    Ich fand das Buch auch unheimlich spannend und sehr sehr düster...
    Viele Grüße
    Nicole

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    1. Hi Nicole,

      düster trifft es. Es war für mich stellenweise sehr leise, aber genau deshalb so gut.
      LG
      Denise

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  2. Hey,
    Ich freue mich schon sehr auf das Buch, da der Film ja auch bald erscheint.
    LG Lena

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    1. Hi Lena,

      deswegen habe ich es noch schnell vorher gelesen :) Ich will auch ins Kino.
      LG
      Denise

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