Donnerstag, 19. Januar 2017

Wenn du eigentlich keine Rosen haben willst...

(Quelle: L.C. Frey)
Ich breche dich
(Walter - Sauer - Reihe Band 2)
von L.C. Frey 
( 283 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jan Chernik durchlebt eine harte Trennung von seiner Freundin. So ganz hat er es noch nicht realisiert, da passiert das Ungeheuerliche: Katrina bringt sich selbst um. Jan stürzt in ein tiefes Loch und kann es kaum verarbeiten. Da entdeckt er ein kleines Paket. Der Inhalt: eine rote Rose aus Papier. Er ist erschrocken und wendet sich an die Polizei. Dort wird er belächelt. Bis auf Hauptkommissar Walter Sauer. Denn er erkennt die Rose aus einem Fall, der 12 Jahre zurückliegt. Ein Fall, der eigentlich abgeschlossen ist...

"Ich breche dich" ist der zweite Fall für Walter Sauer und hat mich wieder überzeugt. Zeitlich spielt dieser Band allerdings vor dem ersten Band, also obacht. L.C. Frey lässt dieses Mal seinen Ermittler an sich selbst zweifeln, führt uns in Abgründe des menschlichen Handelns und bleibt dennoch erfrischend realistisch.

Die Geschichte wird aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers berichtet. Dabei folgt man sowohl Walter Sauer bei seinen Ermittlungen als auch Jan Chernik, der als eher mittelmäßiger Autor versucht sich über Wasser zu halten und dessen Leben mit dem Selbstmord seiner Freundin total aus den Fugen gerät. Zudem wirft L.C. Frey seine Leser in wenigen Kapiteln auch in die Vergangenheit. Der Grund erschließt sich erst zum Schluss. Diese Mischung hat mich gefesselt, auch wenn der Beginn Frey-untypisch sehr ruhig verläuft. Denn zunächst muss man mit Chernik den Tod verkraften und darum kämpfen, angehört zu werden. Auch Walter Sauer stürzt sich nicht direkt in die Ermittlungen, sondern fühlt vor. Doch das ist die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm.

Die Figuren sind nicht rund, sondern haben ihre Ecken und Kanten. Dabei spürt man vor allem bei Sauer, dass er aus den damaligen Fall noch immer nicht ganz verkraftet hat. Er ist vorsichtiger, selbstkritischer und wirkt in sich geschlossener. Als tollen Kontrastpunkt setzt der Autor da Jan Chernik, der sich nach anfänglicher Lethargie mit Feuereifer in eigene Ermittlungen zum Tod seiner Freundin stürzt. Als diese beiden starken Männer aufeinander treffen, passen sie wie Arsch auf Eimer. Obwohl ich Kombinationen aus Ermittler/Zivilist kritisch gegenüber stehe, schafft L.C. Frey es, das Gespann realitätsnah zu belassen und Chernik nicht zu einem geheimen Superermittler zu stilisieren. Klasse!

Die Story beginnt, wie schon geschrieben, recht ruhig, entwickelt aber einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Denn mit jeder Seite, mit jedem Kapitel merkte ich, dass hinter all dem viel mehr steckt, als ich zunächst dachte. Und es wurde grausamer, als ich es mir zunächst vorstellen konnte. Hier führte der Autor mich geschickt an der Nase herum.

Das Finale ist dramatisch, aber passend. Auch wenn die Lösung nicht überraschend war, passte sie sehr gut zum gesamten Thriller. Ingesamt bin ich sehr zufrieden mit der Lektüre.

Der Stil von L.C. Frey ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ich kenne einige Werke von ihm und bin immer wieder erstaunt, wie leicht er zwischen Ausdrucksweise, Detailreichtum und Direktheit wechseln kann. Wer Herb gelesen hat, weiß, was ich meine.

Fazit: Sauer zum zweiten. Strike! Ich kann es einfach nur empfehlen.

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