Freitag, 16. Dezember 2016

Was soll schon schief gehen, wenn man hilft?

Pretty Baby
von Mary Kubica
(377 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Heidi lebt mit ihrem Mann Chris und ihrer pubertierenden Tochter Zoe in Chicago. Während ihr Mann als Investmentbanker die Staaten bereist, kümmert sich Heidi um Obdachlose, Analphabeten und Flüchtlinge. Auf dem Weg zur Arbeit fällt ihr ein junges Mädchen mit einem Baby auf dem Arm auf. Beide sind heruntergekommen, müde und einfach fertig. Heidi kann nicht anders, als den beiden zu helfen. Doch wie sehr kann man Mädchen trauen, die man auf der Straße aufgabelt?

„Pretty Baby“ war mein erster Thriller von Mary Kubica und hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Ich hatte verschiedene Meinungen zu dem Roman gehört und war skeptisch, jedoch formt die Autorin aus einem vermeintlich selbstlosen Thema wie Hilfe für Obdachlose ein mehr als spannendes Werk um Wunsch, Verantwortung und Vergangenheit.

Die Geschichte wird kapitelweise von Heidi, Chris und Willow, dem obdachlosen Mädchen erzählt. Alle drei berichten aus der Ich-Perspektive von ihrem Leben, ihrem Alltag und ihren Hoffnungen. Während man bei Heidi sofort ihre Herzenswärme spürt, ist Chris der typisch abgeklärte Banker. Willow hingegen birgt so manches Geheimnis und hat mich mehr als einmal überrascht. Die Veränderungen der Blickwinkel und die verschiedenen Empfindungen zu der selben Situation haben mich sofort gefangen genommen. Klasse!

Mary Kubica versteht es genau, ihre Figuren durch ihre Handlungen zu charakterisieren. Chris ist abgeklärt, denkt rational und zeigt dabei auch noch das typische Verhalten eines Bankers, der stetig auf Reisen ist. Heidi hingegen läuft vor Güte, Helfersyndrom und Liebe fast über, zeigt aber im Verlauf auch ihre hässliche Seite. Dies hat mir als Entwicklung sehr gut gefallen und war in meinen Augen auch glaubwürdig.
Willow? Nun Willow ist eine ganz spezielle Person. Bei ihrer Vergangenheit musste ich ein paar Mal schlucken, auch wenn die Autorin hier das nächste Klischee verbaut hat. Dennoch hat es mich berührt und ich konnte sehr gut verstehen, warum die Jugendliche ein Leben auf der Straße vorzieht.

Die Story an sich ist spannend und gut erzählt. Mary Kubica pflegt einen sehr einfachen Erzählsitl, der mir gerade zu Beginn leicht auf die Nerven ging. Ich hatte beim Lesen ab und an das Gefühl, eher einer 15-jährigen in ihrem Alltag zu folgen als einer gestandenen Mutter Anfang 40. Doch je mehr ich las, desto mehr konnte ich mich in der Geschichte verlieren und der Stil wurde nebensächlich.

Leider verwendet die Autorin so manches Klischee um ihren Figuren Leben einzuhauchen. Es passte zwar alles sehr gut in die Story und auch mein Lesespaß litt nicht darunter, jedoch hätte ich mir hier mehr Kreativität gewünscht.

Der Stil von Mary Kubica ist sehr gut und einfach zu lesen. Ihre Erzählweise ist recht einfach, aber dennoch fesselnd und sie passt ihren Stil den einzelnen Figuren an. Klasse!

Fazit: wer anderen hilft, kann verloren gehen. Ich kann diesen Thriller trotz der Makel empfehlen.


Ein großes Dankeschön geht an
und

für das Buch!

Kommentare:

  1. Hallo Denise,

    ich finde das Buch klingt wirklich richtig gut. Bisher habe ich noch nichts darüber gelesen, Danke also für deine Rezension. Ich kann damit gut leben wenn Klischees eingesetzt werden, außer es wird zu extrem und nervig. Werde mir das Buch gleich mal merken.

    Wünsche dir einen schönen 2. Weihnachstag!

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. Hi Vanessa,

      danke für deinen Kommentar. Ich bin bei Klischees auch tolerant, wenn sie gut eingesetzt sind. Hier war es an der Grenze, aber insgesamt dennoch toll :)
      LG
      Denise

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