22. Dezember 2015

Was ist das Leben deines Kindes wert?

Rattenkinder
(Tony-Braun-Reihe Band 5)
von B.C. Schiller

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Victor Maly sitzt in der geschlossenen Abteilung einer Psychatrie. Wie er dahin kommt, weiß er nicht, denn er leidet an einer Amnesie. Eines Tages will er den Chefinspektor der Polizei, Tony Braun sprechen und überreicht ihm einen Zettel. Darauf befinden sich Ziffern und eine Zeichnung. Diese führen Thomas zum Ort eines grausamen Mordes. Woher wusste Maly davon?

"Rattenkinder" ist der 5. Fall von Tony Braun und mein erster Thriller des Autorenduos B.C. Schiller. Das Ehepaar ist sehr erfolgreich mit ihrer Reihe um den Linzer Ermittler, mich konnten sie mit diesem Fall aber leider nicht überzeugen.

Die Geschichte wird großteilig von einem auktorialen Erzähler berichtet. Lediglich Victor Maly darf selbst darstellen, wie er sich fühlt und was er denkt. Auch wenn das teilweise verwirrend ist, denn er hat kaum Erinnerungen an seine Vergangenheit. Dennoch konnte ich ihm gut folgen und habe mit ihm gerätselt, woher er kommt. Bei den Erzählungen aus der auktorialen Sichtweise begleitet man nicht nur das Team von Tony Braun, sondern lernt auch die dunklen Viertel des Slums Dogcity kennen. Dort herrschen Gewalt, Drogen und Aberglaube. Diese Mischung der Gegensätze hat mich zu Beginn in den Bann gezogen und auch bei der Stange gehalten.

Auch die Figuren konnten mich anfangs begeistern. Tony Braun ist ein gestandener Ermittler, der seine eigenen Methoden hat. Franka Morgen, seine Partnerin, ist talentiert und fungiert teilweise als schlechtes Gewissen Brauns, wenn dieser mal über die Stränge schlägt. Und da komme ich auch schon zu einem der Punkte, die für mich den Thriller zu austauschbar machen: die Personen wurden mit Fortschreiten der Geschichte immer mehr zu Stereotypen. Braun säuft, was das Zeug hält, ignoriert jegliche Vorschriften um an sein Ziel zu kommen und ist dann auch noch der Alleinkämpfer, als er mit den Konsequenzen seines Handelns leben muss. Franka offenbart eine dunkle Vergangenheit, die sie zu lang geheimhält, um sie dann im passendsten Moment rauszuposaunen. Das alles kommt mir zu bekannt und beliebig vor.

Die Story selbst ist ebenso ein Punkt, der für mich im Verlauf des Buches immer schlimmer wurde. War ich am Anfang noch geflasht von dem Mann ohne Vergangenheit und dem ersten Mord, so offenbarte sich ab der Mitte des Werks eine Geschichte, die ich schon zu oft gelesen habe. Der zu Beginn bereits eingeführte Kinderhandel endet genau dort, wo man ihn erwartet. Involviert sind genau die Personen, die es immer sind und das Ganze wird dann auch noch so offensichtlich dargestellt, dass ich nur noch mit dem Kopf geschüttelt habe.

Zudem gibt es an ein paar Stellen der Geschichte einfach zu offensichtliche, offene Fragen, die nicht geklärt werden, obwohl es die einfachste Polizeiarbeit wäre. Auch kritische Nachfragen bei Offenbarungen werden nicht gestellt. Da passte auch leider das Ende nur zu gut rein: zu schnell, zu berechenbar und mit zu wenig Logik, als dass ich es akzeptieren konnte. Schade! Da hatte ich echt mehr erwartet!

Der Stil von B.C. Schiller ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist rasant, fesselnd und lässt einen nicht los. Das ist auch mit der Grund, warum ich das Buch bis zum Schluss gelesen habe.

Fazit: Rattenkinder sind bekannt wie bunte Hunde. Schade!

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