9. November 2015

Und jetzt?

Zwei Schwestern
von Dorothy Baker

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Cassandra und Judith sind Zwillingsschwestern. Äußerlich gleich unterscheiden sie sich im Inneren zutiefst. Während Judith kurz vor ihrer Hochzeit steht, kommt Cassandra mit dieser Nachricht nur schlecht klar. Und so kommt ihr eine Idee: sie muss die Hochzeit verhindern. Um jeden Preis...

"Zwei Schwestern" ist ein Roman aus den 60ern von Dorothy Baker. Und das hat mich schon vor Beginn der Lektüre überrascht. Ich dachte, ich halte ein neues Werk in den Händen und musste beim Überfliegen der Verlagsangaben erkennen, dass es dieses Buch schon mal unter dem Titel "Cassandra bei der Hochzeit" gab. Das war schon zu Beginn verwirrend, aber auch gut zu wissen. Denn spätestens beim Lesen selbst wäre ich stutzig geworden, wie wenig Moderne in dem Roman enthalten ist.

Die Geschichte wird großteilig von Cassandra erzählt. Auch Judith kommt mal zu Wort, jedoch ist Cassy die Hauptfigur in diesem Werk. Und sie zeigt auf subtile Art und Weise, wie sehr sie der Gedanke zerstört, dass ihre Zwillingsschwester, ihre zweite Hälfte ein eigenes Leben aufbaut. Obwohl sich beide Schwestern immer gegen das "Wir sind eins" gewehrt haben, wird Cassandra erst kurz vor der Trauung bewusst, was die Hochzeit für ihre Zukunft bedeutet. Darauf reagiert sie....nun ja für unsere heutige Zeit fast vorhersehbar, für damalige Verhältnisse vielleicht noch außergewöhnlich. Für mich selbst war die Reaktion vorhersehbar und wenig überraschend.

Mir persönlich hat der Abschnitt, in dem Judith aus ihrer Perspektive über die Erlebnisse erzählt, am besten gefallen. Denn die junge Frau wirkt bodenständig, geordnet und fest im Leben verankert. Sie zeigt zwar auch Emotionen, aber lang nicht so geladen und ab und an übertrieben wie ihre Schwester. Das war wie eine Erholung für mich beim Lesen.

Die Story selbst ist sehr ruhig, fast schon langatmig. Denn die Geschehnisse sind erahnbar, die Schilderungen manchmal verworren, wenn auch geistreich und das Ende fügt sich einfach ein, ohne dass eine der Figuren eine wirkliche Wandlung durchgemacht hätte. Das fand ich schade.

Der Stil von Dorothy Baker ist gut, wenn auch nicht immer flüssig zu lesen. Ihre Ausführungen sind ab und an wie eine Extrawindung im Gehirn, für die heutige Zeit leicht angestaubt und nicht immer konnte ich ihr folgen. Alles in allem kam ich aber dennoch gut klar.

Fazit: kann man lesen, muss man aber nicht. Für mich hat die Lektüre nichts gebracht.

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