Sonntag, 8. November 2015

Befreit das Cannabis!

Kiffen und Kriminalität
Der Jugendrichter zieht Bilanz
von Andreas Müller

Eine Leseprobe findet Ihr hier

"Gebt das Hanf frei!" Mit dieser Parole machte Stefan Raab einst auf die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis aufmerksam. Andreas Müller, bekannt als Deutschlands härtester Jugendrichter, nähert sich diesem Thema mit Sachverstand und Argumenten. Kann er überzeugen?

Zumindest macht der Autor direkt zu Beginn klar, dass sein Werk "Kiffen und Kriminalität" auf einer Seite steht, nämlich auf der der Legalisierungsbefürworter. Somit ist dem Leser von Beginn an klar, dass er hier kein ausgewogenes Sachbuch zu erwarten hat. Ich fand diese "Warnung" sehr sinnvoll, denn bei der Lektüre merkt man sehr schnell, dass Andreas Müller alles für die Legalisierung gibt.

Besonders durch seine persönlichen Erfahrung und seine Familiengeschichte ist der Richter geprägt. Sein Bruder hat eine unrühmliche Drogenkarriere hinter sich, sein Vater hat sich totgesoffen, wieder Autor selbst sagt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Andreas Müller vor allem Cannabis und Alkohol gegeneinander vergleicht und sein Urteil immer zugunsten des Grases ausfällt. Ja, das Buch ist parteiisch, aber gerade hier hätte ich mir etwas weniger Pathos gewünscht. Alkohol ist gefährlich, das streitet niemand ab, doch die Verteufelung, die der Autor teilweise vornimmt, ist genau so falsch wie das Verteufeln der Droge, welches er in seinem Werk selbst anprangert.

Andreas Müller führt sehr genau und für mich auch nachvollziehbar aus, wo genau es im Umgang mit Cannabis gerade im Strafrecht hapert. Und so komme ich nicht drumherum, ihm in vielen Punkten zu zustimmen. Es gibt in Deutschland nicht mal eine einheitliche Regelung zum Thema "geringe Menge". Dies führt dazu, dass man in einem Bundesland schon bestraft wird, während man in einem anderen straffrei ausgehen würde. Kurios und für mich nicht haltbar.

Allerdings gab es einige Dinge, die mir das Lesen vermiest haben: zum Einen betont der Jugendrichter immer wieder das Schicksal seines Bruders. Ja, das hatte ich schon nach dem 3. Mal begriffen, das benötigte ich nicht noch gefühlte 100 Mal mehr. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Zum Anderen verteufelt mir Andreas Müller zu sehr die legalen Drogen Alkohol und Nikotin, wobei er einen besonderen Narren an Alkohol gefressen hat. Verständlich, wenn man bedenkt, wie sein Vater ums Leben kam. Dennoch für mich einfach nervig ab einem gewissen Punkt. Hier hätte ich mehr Blick für Ausgewogenheit besser gefunden.

Der Stil des Autors ist gut und für ein Sachbuch flüssig zu lesen. Andreas Müller erklärt anschaulich, verständlich und ergeht sich nicht in Paragrafenreiterei. Sehr gut!

Fazit: ein gutes, wenn auch unausgewogenes Sachbuch zum Thema Cannabis. Als Einblick in diese Welt aber durchaus geeignet.

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