4. Oktober 2015

Wer hetzte den Autor?

Im Auge des Mörders
(Der Leibwächter Band 1)
von Marcus Hünnebeck

Eine Leseprobe findet Ihr hier

In Köln geht ein Mann um, den die Polizei nur noch den Wiederkehrer nennt. Er vergewaltigt Frauen und kündigt an, später zu ihnen zurückzukehren. Egal, wie stark die Opfer bewacht werden, der Täter findet immer eine Möglichkeit und tötet die Frauen. Die Journalistin und Bloggerin Eva Haller kritisiert die Polizeiarbeit scharf. Und gerät damit ins Fadenkreuz des Wiederkehrers...

"Im Auge des Mörders" war mein erster Thriller von Marcus Hünnebeck und ich bin nach dem Lesen nicht gänzlich zufrieden. Die Grundidee bietet viel Potenzial, doch wirkte der Autor auf mich gehetzt und unter Zeitdruck, so dass vieles auf der Strecke blieb.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben. Dabei darf man die Polizeiarbeit beobachten, sowie Eva Haller bei ihren Recherchen und Nachforschungen über die Schulter schauen. Marcus Hünnebeck legt sein Hauptaugenmerk auf die Bloggerin und ihr Schicksal, denn sie muss sehr schnell feststellen, dass der Täter nicht mit sich spaßen lässt. Die beiden Sichtweisen haben mir gut gefallen, wobei ich mir mehr Details zu den Ermittlungen gewünscht hätte.

Die Figur der Eva Haller finde ich toll gezeichnet und gelungen. Sie wirkt bodenständig, neugierig und nicht überzeichnet. Ab und an zickig, bringt sie genau die richtige Mischung für eine gute Hauptfigur mit. Toll!

Die Polizei hingegen kommt beim Autor nicht so gut weg. Da werden persönliche Animositäten höher bewertet als die Ermittlungen und interne Machtkämpfe blockieren den Erfolg. Klar, bei der Polizei ist nicht eitel Sonnenschein, doch diese Häufung von negativen Erlebnissen war mir persönlich zu viel.

Der Verlauf der Story ist rasant, an manchen Stellen zu rasant für meinen Geschmack. Da werden mehrere Tage oder gar Wochen übersprungen und die Erlebnisse der Figuren, allen voran die von Eva Haller und später von ihrem Bodyguard Stefan Trapp, hätten locker für 500 Seiten gereicht. Marcus Hünnebeck gönnt dem Leser aber nur knapp 300. Oft habe ich innerlich dem Autor zugerufen "Mensch, lass dir doch Zeit!" Denn durch die Eile kamen viele Erklärungen zu kurz, die Spannung flachte schnell ab und so war ich zwar zügig durch mit dem Roman, aber nicht wirklich befriedigt.

Auch die Beweggründe des Täters waren mir zu oberflächlich und zu eindimensional. Mag sein, dass ich als passionierte Thriller-Leserin hier verwöhnt bin, aber mehr hätte es schon sein dürfen.

Der Stil von Marcus Hünnebeck ist sehr gut und flüssig zu lesen. Er erzählt ohne Schnörkel und direkt auf den Punkt, was ich sehr mag.

Fazit: ein für mich durchschnittlicher Thriller, aus dem was großes hätte werden können. Für gelegentliche Leser dieses Genres aber dennoch geeignet.

1 Kommentar:

  1. Wow !! Ich finde deinen Blog wirklich cool :)
    Du bist ja Herzlich Wilkommen bei meinem Blog : loveskijumping.blogspot.com

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