Donnerstag, 10. September 2015

Das Leben der Reichen langwierig geschildert

Schöne Seelen
von Philipp Tingler

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Oskar und Lauren bewegen sich in der High Society der Schweiz. Dort zählt der Schein mehr als das Sein, da werden Schönheitsoperationen geteilt wie bei anderen Menschen die Fotoalben. Oskar fühlt sich in dieser Welt nicht zwingend wohl, hat sich aber arrangiert. Bis sein bester Freund Viktor mit einer ungewöhnlichen Bitte an ihn herantritt. Oskar solle doch Viktors Therapiestunden übernehmen, die ihm wiederum von seiner Ehefrau Mildred auferlegt worden sind. Nach kurzem Zögern willigt Oskar ein. Kann das gut gehen?

"Schöne Seelen" war mein erster Roman von Philipp Tingler und konnte mich leider nicht überzeugen. Obwohl der Klappentext vielversprechend und humorig klang, ergeht sich der Autor doch so sehr in Gesellschaftskritik und -ironie, dass das eigentliche Thema viel zu kurz gerät.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben, der allwissend von oben auf das Geschehen schaut. Dabei wirft er einen genauen und zumeist sarkastischen Blick auf die Treffen der oberen 10.000 der Schweizer Society. Zu einem späteren Zeitpunkt begleitet man dann Oskar zu seinen Therapiestunden und zu den Treffen mit Viktor, damit dieser genau weiß, was er seiner Frau daheim erzählen muss.

Obwohl das durchaus witzig und spannend klingt, konnte mich Philipp Tingler mit seiner Kritik an den Schönen und Reichen nicht fesseln. Zu Beginn war das Ganze noch witzig und auch zum Lachen, aber nach der 10. Wiederholung ist keine Ironie mehr zum Lächeln, egal wie gut sie gesetzt ist. Denn in meinen Augen dreht sich der Autor nur im Kreis. Er setzt zwar sehr spitzfindig das Skalpell seiner Kritik an, schneidet dann aber immer wieder in die selbe Stelle, anstatt die Wunde weiter zu öffnen. So habe ich ab einem bestimmten Zeitpunkt gesamte Passagen nur noch überflogen, weil sie mir zu langwierig und auch langweilig waren.

Neuer Schwung kam auf, als Oskar sich in Therapie begeben hat. Doch auch dieser Schwung verliert sich, denn wieder schaut der Autor nach links und rechts, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So irrt er ein wenig wie Rotkäppchen durch die Welt der Therapie und Psychologie, zerrt seinen Leser in ungeahnte und auch eher unpassende Tiefen, anstatt seinen Sarkasmus vollends wirken zu lassen. Schade!

Und so lässt mich das Werk unbefriedigt, unberührt und leicht genervt zurück. Kritik und gerade, wenn sie scharfzüngig vorgetragen ist, mag ich sehr gern. Doch wenn jemand immer und immer wieder ein totes Pferd reitet, dann vergeht auch mir die Lust am Lesen.

Der Stil von Philipp Tingler ist sehr eigen. Er webt viele englische Begriffe und Sätze mit ein, verliert sich gern mal in Schachtelsätzen und zeigt auf der anderen Seite ein Gespräch so, wie es tatsächlich stattfinden würde ohne sie schriftstellerisch zu beschönigen. Ich hatte es mit dieser Mischung schwer.

Fazit: es hätte ein toller Roman werden können, doch dafür war einfach zu wenig da, was mich halten konnte. Daher kann ich es nicht empfehlen.

Kommentare:

  1. Zufälligerweise kenne ich das Buch !! Geniales teil

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    1. Hi Sandra,
      freut mich, dass es dir gefallen hat :) So unterschiedlich sind Geschmäcker!
      LG
      Denise

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