Montag, 17. August 2015

Die Realität verschwand im Nebel

Nebelkind
von Emelie Schepp

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Ein Mann wird erschossen in seinem Haus aufgefunden. Die Spurensicherung findet Fingerabdrücke an einem Fensterglas. Und zwar von einem Kind. Doch das kann nicht sein, denn Kinder morden nicht. Also steht die Ehefrau unter dringendem Tatverdacht. Bis die Leiche eines 9-jährigen auftaucht, dessen Abdrücke haargenau zu denen in dem Haus des Toten passen. Was ist passiert? Staatsanwältin Jana Berzelius übernimmt den Fall und merkt schnell, dass sie mehr damit zu tun hat, als sie je zu träumen gewagt hätte.

"Nebelkind" ist das Debüt der Schwedin Emelie Schepp und konnte mich leider nur bis zu einem gewissen Punkt überzeugen. Ihre Idee, Kinder morden zu lassen und dabei auch noch eine dunkle Vergangenheit der Staatsanwältin einzubauen, ist richtig gut, jedoch gerät die Umsetzung im Laufe des Romans zu weit weg von der Realität.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man neben der Staatsanwältin, einer eher unterkühlten Frau, auch dem Team aus Polizisten, die bei den Ermittlungen nicht nur mit beruflichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Zudem gibt es in den einzelnen Kapiteln immer wieder Flashbacks in die Vergangenheit zu einem kleinen Mädchen, das zum Killer ausgebildet wurde. Diese Mischung fand ich hochspannend und auch gelungen. Sie machte den Thriller reizvoll.

Gereizt haben mich aber auch die Figuren, die Emelie Schepp erschaffen hat. Als Beispiel greife ich mir mal Mia, eine der Polizistinnen raus. Die Beamtin hat einen für mich unerklärlichen Hass auf die Staatsanwältin, verteufelt gern alles, was von ihren männlichen Kollegen gesagt wird und scheint zudem ein Alkohol- und Geldproblem zu haben. Warum? Tja, das bleibt im Dunkeln. Es gibt immer wieder nur kurze Szenen, in denen es deutlich wird. Aber über die Hintergründe schweigt sich die Autorin aus. Dadurch wirkte Mia auf mich einfach nur zickig, gewollt rebellisch und hat mich schon nach 2 Auftritten genervt. Ich mag ab und an auch verquere Charaktere, aber Mia war für mich einfach nur gewollt und nicht glaubwürdig. Das hat meinen Lesespaß schon getrübt.

Ungefähr bis zur Hälfte hat mich der Thriller gefesselt und ich wollte unbedingt wissen, was wie hinter den Morden steckt. Bis die Jana Berzelius anfing, auf eigene Faust zu ermitteln. Denn die junge Staatsanwältin zeigt sich da nicht so besonnen und kühl, wie sie es in den sonstigen Ermittlungen tat. Sie wirkte auf mich eher wie ein Huhn ohne Kopf. Dadurch brachte sie die eigentlichen Erfolge der Polizei in Gefahr, scherte sich aber kein bisschen darum, weil für sie nur ihr eigenes Geheimnis zählte. Hinzu kommt, dass das Team, welches mit den Ermittlungen betraut ist, so blind war, dass sie mit keinem Funken daran dachten, mal zu fragen, was die Anwältin so treibt, wenn sie nicht vor Ort ist. Dass Jana Berzelius auch noch eine Expertin im Spuren vernichten ist, muss ich nicht mehr erwähnen.

Meine Hoffnung lag dann in einem zumindest schlüssigen Ende und die Dramatik war von der Autorin auch gut gesetzt. Allerdings war für mich das Finale zu weit weg von der Realität, die Polizei zu schnell zufrieden und gewisse Details wurden einfach unter den Tisch fallen gelassen. Ein Beispiel? Aus anderen Thrillern ist mir bekannt, dass durch einfaches Abwischen der Waffen zwar die Fingerabdrücke verschmiert, aber nicht vollständig beseitigt werden. Komisch, dass dies DER Spurenexpertin im Team, die vorher noch in den Himmel gelobt wurde, nicht aufgefallen ist. Genau so ist es mit der Positionierung von Leichen. Hier kann im Nachgang festgestellt werden, wie und in welcher Art sie bewegt wurden. Echt enttäuschend!

Der Stil von Emelie Schepp ist gut zu lesen. Ihre Erzählweise ist nordisch unterkühlt, direkt und ohne Schnörkel. Das hat mir gut gefallen.

Fazit: es hätte so toll werden können, aber dann verschwand die Spannung im Nebel. Schade!

Kommentare:

  1. Oh weh, oh weh....die zweite nicht sehr positive Rezi, die ich heute zu diesem Thriller sehe und dabei stand er auf meiner Wunschliste....satnd....denn nun habe ich ihn entfernt. Schade!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hi Martina,

      ich hatte mir auch mehr versprochen, denn der Klappentext klang super.
      LG
      Denise

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