13. Juli 2015

Was bleibt am Ende?

alles so leicht
von Meg Haston


Stephanie, Stevie genannt, hat nur ein Ziel: am 1. Jahrestag des Todes ihres Bruders zu verschwinden. Und zwar für immer. Dafür hungert sich, quält sich bis zum Äußersten, damit ihr Körper in genau 28 Tagen schlapp macht. Doch ihr Vater macht ihr einen Strich durch die Rechnung und verfrachtet sie in ein Therapiezentrum. Stevie ist dies gar nicht recht und sie will ihren Plan durchziehen, komme, was wolle.

"alles so leicht" ist das Debüt von Meg Haston und hat mich berührt. Die Autorin verarbeitet in diesem Jugendroman ihre eigenen Erfahrungen mit Essstörungen und widmet sich mit Gefühl, aber auch dem nötigen Fatalismus einer Kranken dem Thema.

Die Geschiche wird von Stevie selbst erzählt. Und die 17-jährige hat zu Beginn die Arroganz einer Magersüchtigen am viel zu dünnen Leib, die mir nur zu bekannt ist. Ich selbst habe im engsten Freundeskreis mit der Krankheit zu tun und konnte somit Stevies Gedankengänge sehr gut verstehen, auch wenn ich sie als normal gewichtiger Mensch nicht gut heißen kann. Dennoch hat mich das Mädchen sofort für sich eingenommen, denn sie zeigt schonungslos offen, was die Krankheit für sie bedeutet. Und dabei kommt auch ans Licht, wie zerbrechlich sie eigentlich ist, wenn man ihr dies wegnimmt. Das war für mich beim Lesen erstaunlich. So nah konnte mir bisher kein Roman das Thema Anorexie bringen.

Meg Haston gibt ihrer Hauptfigur viele sehr kluge Gedanken mit auf den Weg, aber zeigt auch deutlich, wie teuflisch diese Krankheit ist. Ich hatte am Anfang Bedenken, ob die Autorin das Thema nicht ungewollt positiv darstellt. Doch diese Angst hat sie mir mit Fortschreiten der Geschichte genommen. An Anorexie ist nichts positives und das erkennt auch Stevie. Das wusste das Mädchen schon, als sie begann zu hungern. Und das hinterlässt bei mir ein Gefühl des Verständnisses. Zudem bin ich beeindruckt, wie stark die 17-jährige wirkt und wie viel Kraft sie für ihre Rolle aufbringt. Das hat die Autorin grandios eingefangen.

Die Story selbst ist eher ruhig und dreht sich vor allem um die Therapie selbst. Meg Haston beschreibt den Alltag im Zentrum sehr realitätsnah und für mich nachvollziehbar. Die einzelnen Stunden sowie auch die Gruppentherapie haben bei mir Eindruck hinterlassen. Denn genau so sieht der Alltag dort aus!

Das Ende ist weder hochdramatisch noch übertrieben zuckersüß. Es passt zum kompletten Roman und lässt Hoffnung schöpfen für Stevie und ihre Mitpatientinnen. Toll!

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Meg Haston trifft die Arroganz und Kaltschnäuzigkeit der Jugendlichen mit einer Genauigkeit, die mich beeindruckt hat.

Fazit: wer sich mit dem Thema Anorexie auseinandersetzen möchte, sollte zugreifen. Das Buch kann ich nur empfehlen.


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