23. Juli 2015

Von Hormonen und Sprungeinheiten


(Quelle: www.amazon.de)

Liebessprung
von Christiane Bößel


Eine Leseprobe findet ihr hier

Liz, eigentlich Elisabeth, arbeitet auf der Urologie eines kleinen Krankenhauses als Pflegeschwester. Täglich muss sie sich um die besten Teile von älteren Herren kümmern, sie waschen und notgedrungen betrachten. Lichtblick ist für sie der OP-Pfleger Helmut, der nur einen bescheuerten Namen trägt, aber sonst aussieht wie Mr. Playboy persönlich. Kann sie bei ihm landen?
Vincent ist Kommandant einer Wacheinheit. Während einem seiner Rundgänge fallen ihm Unregelmäßigkeiten auf. Was geht da vor? Diese Frage kann er sich nicht mehr beantworten, denn er wird brutal niedergestreckt und kann sich beim Aufwachen nicht verständlich machen. Was ist passiert?

"Liebessprung" ist das Debüt von Christiane Bößel und konnte mich leider nicht überzeugen. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, denn es wurde eine Mischung aus Sci-Fi und Romantik angedeutet. Dies ist jedoch erst ab der Hälfte der Fall. Und hat mir so den Spaß stark genommen.

Die Geschichte wird kapitelweise von Vincent und Liz aus der Ich-Perspektive geschildert. Dabei kommt in der ersten Hälfte häufiger die nur 1,50 m große Krankenschwester zu Wort. Und genau da lag für mich das Problem. Liz war mir von Beginn an unsympathisch. Sie hat keinen Elan, verspürt keinen Wunsch nach Veränderung, himmelt einen Macho an und merkt nicht mal, dass dieser sie nach Strich und Faden veräppelt. Selbst als es offensichtlich und für den Leser schon mit Leuchtreklame markiert wird, himmelt sie immer noch Helmut an und träumt von einer gemeinsamen Zukunft.
Ja, die Liebe kann einem das Hirn vernebeln, aber hier hat die Autorin in meinen Augen zu dick aufgetragen. Dadurch wirkt Liz auf mich zu devot, zu "Hechel – Weibchen" mäßig, einfach zu sehr kleines, dummes Frauchen. Das muss nicht sein.

Vincent lernt man in der ersten Hälfte leider kaum kennen, was ich schade finde, da diese Figur gute Ansätze hat. Zwar konnte ich mir auch bei ihm ein Augenrollen nicht verkneifen, immerhin benötigt er als Alpha-Mann nur Frauen für das Eine und jeglicher anderer Kontakt zum weiblichen Geschlecht ist ihm schlichtweg zu doof, aber wenigstens ist er offen und ehrlich. Das hat mir gefallen.

Die Story an sich ist schon interessant und Christiane Bößel konnte mich durch ihre tolle Art zu erzählen auch lange bei der Stange halten. Leider ist für mich die Einführung von Liz sehr missglückt und Spannung kam erst ab der Hälfte auf. Ein paar Kürzungen zu Beginn und der Roman hätte mich mehr begeistern können.

Natürlich dürfen auch hier die Klischees nicht fehlen. Und diese werden gerade von der Krankenschwester mehr als genügend bedient. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie sich mehrmals vom größten Macho flachlegen lässt, natürlich an die große Liebe glaubt, an freien Nachmittagen Twilight schaut und sich, als sie ihren Job wechselt, sofort in den komatösen geheimnisvollen Patienten auf der Intensiv verguckt? Ich habe nichts gegen Frauen, die ab und an mal das althergebrachte Rollenbild präsentieren, aber doch nicht bitte so unterwürfig und so extrem.

Der Stil der Autorin ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise hat etwas einnehmendes und durch ihre Lockerheit konnte ich mich gut in die Geschichte einfinden, auch wenn sie mich nicht überzeugt hat.

Fazit: Christiane Bößel kann erzählen, nur die Geschichte an sich war nicht meins. Schade!


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