2. Juli 2015

Verworren, ohne Substanz und so gar nicht sommerlich

Die Rosenfrauen
von Cristina Caboni

Eine Leseprobe findet ihr hier

Elena Rossini stammt aus einer Parfumeur – Familie. Sie ist mit einer sehr empfindlichen Nase gesegnet, sträubt sich aber gegen ihr Talent. Als sie dann noch ihren Verlobten Matteo mit einer anderen erwischt, zerbricht ihr Leben in Florenz und sie flieht zu ihrer besten Freundin Monique nach Paris. Dort gibt sie sich und ihrem Talent nochmal eine Chance und entdeckt dabei Dinge, die ihr bisher verborgen geblieben sind.

"Die Rosenfrauen" ist das Debüt von Cristina Caboni und konnte mich leider gar nicht überzeugen. Bis zur Hälfte des Romans habe ich durchgehalten, doch von der versprochenen Familiengeschichte war nicht zu spüren. Stattdessen viel Unsicherheit, Leben auf den Kopf stellen und eine Hauptfigur, die ich so manches Mal einfach nur gern geschüttelt hätte.

Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler präsentiert. Zum Einen verfolgt man die Geschichte von Elena, einer jungen Frau, die sich gegen ihr Talent und ihre Begabung wehrt und zwanghaft versucht, sich anderem zu widmen. Zum Anderen begleitet man Elenas beste Freundin Monique, die sehr in ihren Chef Jaques verknallt ist und sich dies nur schwerlich eingestehen kann. Beide Frauen konnten mich nicht berühren.

Elena wirkt auf mich sehr unsicher und überhaupt nicht im Hier und Jetzt. Sie ist sehr verträumt, fast schon abwesend und stolpert dadurch von einer Situation in die nächste. Menschen kategorisiert sie nach ihren Düften und wirft so eine Nase auf ihren Nachbarn. Man sagt zwar, dass der Geruch beim Verlieben eine große Rolle spielt, hier ging es mir aber eindeutig zu weit. Zudem wirkt die Parfümeurin sehr naiv, traumwandlerisch und so gar nicht in der Realität verankert. Auweia, sage ich da nur. Denn Elena hat große Ideen, wandelt sich, ohne dass sie selbst weiß,wie und geht ihr Leben mehr zufällig als alles andere an. Einzelne Aspekte ihrer Persönlichkeit wären durchaus glaubwürdig, in ihrer Geballtheit wollte ich die junge Frau einfach nur schütteln und sie bitten, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.

Monique ist zwar selbstbewusster und mir dadurch etwas sympathischer, jedoch hockt sie auf Elena wie eine Glucke auf ihren Küken. Kaum in Paris angekommen, hat die Parfümeurin kaum Zeit zum Atmen, denn Moni nimmt ihr alles ab. Und dabei verkennt die Pariserin, dass sie selbst genug Probleme hat. Immerhin ist sie schwer in ihren Chef verschossen, kann das nicht zugeben, entwickelt aber im Laufe des Romans eine Bessenheit, die schon fast weh tut.

Auch die Story an sich kann nicht halten, was sie versprochen hat. Auf den ersten 100 Seiten war ich verwirrt, wusste nicht, was die Autorin vor lauter Duftbeschreibungen eigentlich von mir wollte und kam so auch nicht in den Roman hinein. Im weiteren Verlauf legte sich das zwar, aber die Geschichte hatte für mich weder genug Substanz noch Tiefe. Das Familiengeheimnis um das "perfekte Parfüm" tauchte bis knapp zur Hälfte nur am Rande auf. Dafür gab es eine eher krude und für mich unglaubwürdige Anbahnung einer Liebesgeschichte, viele Duftbeschreibungen, die mir zu abgehoben waren und kaum etwas, was mich zum Weiterlesen animieren sollte. Daher klappte ich es enttäuscht zu.

Der Stil von Cristina Caboni ist nicht so leicht zu lesen, wie es die Aufmachung suggeriert. Verworren, unterbrochen von dauernden Duftwahrnehmungen und mit komischen Sprüngen behaftet, schaffte ich es kaum ihr zu folgen. Was im Italienischen vielleicht noch Charme hatte, verpufft bei der Übersetzung.


Fazit: die Rosenfrauen welkten mir unter der Hand weg. Kein Buch für mich!

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