Dienstag, 21. Juli 2015

Toller Auftakt zu einer finnischen Trilogie


Lauras letzte Party
(Palokaski - Trilogie Band 1)
von J. K. Johansson

Eine Leseprobe findet ihr hier

Miia hat ihren Job bei der Polizei als Spezialstin fürs Internet an den Nagel gehängt. Zu sehr lebte sie in der virtuellen Welt. Jetzt kehrt sie als Sonderpädagogin an ihre alte Schule zurück und unterstützt somit den Schulpsychologen Nikke, der auch ihr älterer Bruder ist. Direkt am ersten Tag wird sie mit einem traurigen Fall konfrontiert: Laura Anderson ist verschwunden. Niemand weiß, wo sie ist. Doch im Internet tauchen erste Gerüchte auf und die sind beschämend, erschreckend und bringen Miia dazu, selbst Nachforschungen anzustellen. Wo ist Laura?

"Lauras letzte Party" ist Part 1 der Palokaski – Trilogie und hat mir, bis auf einige Abstriche, sehr gut gefallen. Hinter dem Pseudonym J. K. Johansson verbirgt sich eine Gruppe finnischer Autoren und Drehbuchschreibern. Umso überraschter war ich, dass ich gerade mit einem skandinavischen Roman so gut klar komme.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben, jedoch folgt man zum Großteil Miia und ihren Gehversuchen als Sonderpädagogin an ihrer alten Schule in Palokaski. Hier offenbart sich schnell, dass die junge Frau selbst große Probleme mit ihrer Abhängigkeit vom Internet hat und sich strenge Regeln auferlegen muss, damit sie nicht wieder vollkommen abdriftet. Das war interessant, auch wenn ich es schade fand, dass hier nicht weiter ins Detail gegangen wurde. So blieb die Sucht oberflächlich.

Dennoch ist mir Miia sympathisch geworden, zumal man beim Lesen auch einen Einblick in ihr Privatleben bekommt, samt Mädelsabend, One Night Stands und dem Versuch, sich wieder im Polizeijob zu verdingen. Die Mischung ist J. K. Johansson sehr gut gelungen und hat mich einige Male sogar fies lächeln lassen. Besonders dann, wenn Miia und ihre beste Freundin Suski über die anderen Mädels ihrer Clique lästerten.

Auch die Story an sich konnte mich fesseln. Ein Mädchen verschwindet von heut auf morgen und im Internet machen sich Gerüchte breit. Das ist zwar in so fern keine neue Idee, aber die Autoren haben das Thema für mich ansprechend in Szene gesetzt. Denn sie haben sich vor allem auf die Suche und das Drumherum konzentriert und das Opfer nicht schon nach 50 Seiten niedergemetzelt. Toll!

Und hier komme ich auch schon zu den Schwachpunkten: das Ende war mich eilig, so als ob eine bestimmte Seitenzahl nicht überschritten werden darf. Das fand ich schade, 100 Seiten mehr hätten dem Roman gut getan. Auch bleiben alle Figuren skandinavisch kühl, was mich zwar nicht sehr gestört hat, aber gerade bei emotionalen Szenen wie im Schlafzimmer oder Unfruchtbarkeit hätte es dann doch etwas mehr Gefühl sein dürfen. J.K. Johansson bleibt auch bei einigen Dingen oberflächlich, wo ich mir mehr Tiefe gewünscht hätte, wie z.B. bei Miikas Internetsucht, Nikkes Job oder auch dem Zusammenspiel aller Jugendlichen.

Obwohl das Ende holprig war, bin ich gespannt, wie die Trilogie fortgesetzt wird, denn es wird mehr als deutlich, dass man es hier mit dem ersten Band einer Reihe zu tun hat.

Der Stil von J. K. Johansson ist sehr gut und flüssig zu lesen. Die Erzählweise ist direkt, ehrlich und ohne große Umschweife. Ab und an kühl und mit wenig Detail macht die Gruppe es zwar dem Leser etwas schwieriger, aber alles in allem habe ich den Roman verschlungen.


Fazit: ein toller Auftakt zu einer Trilogie, die ich auf jeden Fall weiterlesen werde. Eine klare Leseempfehlung trotz der Schwächen!

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