Mittwoch, 15. Juli 2015

Ruhiger Krimi aus dem Nachkriegsengland

Totengedenken
(John-Madden-Reihe Band 3)
von  Rennie Airth

Eine Leseprobe findet ihr hier

England 1947: Ozzie ist gerade beim Angeln und ist einigermaßen mit seinem Leben zufrieden, als er mit einem Schuss hingerichtet wird. Die Polizei ist zunächst ratlos. Wer wollte schon einen ehemaligen Bankdirektor töten? In den Unterlagen des Toten finden die Beamten einen angefangenen Brief. Darin wird der ehemalige Inspector John Madden erwähnt. Doch warum? Madden wird informiert und muss bald erfahren, dass es einen ähnlichen Mord schon in Schottland gab. Wie hängen die Delikte zusammen?

"Totengedenken" war mein erster Roman von Rennie Airth. Erst beim Lesen habe ich erfahren, dass dieses Werk bereits der 3. Teil der John-Madden-Reihe ist. Dies hat mich schon geärgert, denn ich lese Reihen gern chronologisch. Vielleicht war das auch mit ein Grund, warum mich das gesamte Buch nicht überzeugen konnte.

Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler geschildert. Man verfolgt sowohl die Ermittlungen der Polizei, als auch dem Privatleben von John Madden und anderen Nebenfiguren. Dadurch werden eine Menge Personen eingeführt, die es mir nicht leicht gemacht haben, der Geschichte selbst zu folgen. Rennie Airth mischt die Ermittlungen mit Einblicken in das normale Leben von John Madden. Diese Mischung ist ihr in meinen Augen nicht wirklich gelungen. Denn durch die Einschübe wirkt das Werk in die Länge gezogen und zeitweise habe ich mich auch gelangweilt.

Auch die Story an sich konnte mich nicht überzeugen. Sehr ruhig, ja fast still gehen die Ermittlungen vonstatten. Auf den ersten 100 Seiten war ich drauf und dran, den Roman beiseite zu legen, da so gut wie nichts passierte. Erst zur Mitte hin kam sowas wie Spannung auf, wobei auch diese für mich schnell verpuffte. Der Grund: nachdem die Untersuchungen erst gar nicht vorangingen, genügte ein Hinweis, um in John Madden eine mehr als wichtige und bahnbrechende Erinnerung hervorzurufen. Das war für mich zu schnell, zu unglaubwürdig, zu wenig durchdacht.

Auch zu den Figuren selbst konnte ich keinen Zugang finden. Vielleicht lag es daran, dass sie, da es bereits Band 3 der Reihe ist, nicht eingeführt oder charakterisiert wurden. Zudem sind die handelnden Personen typisch britisch zurückhaltend und geben wenig von sich preis. Dieses Konzept kann funktionieren, für mich blieben John Madden und Co. aber farblos und ungenau.

Ich war vor allem auf die Art der Ermittlungen kurz nach dem 2. Weltkrieg gespannt. Doch bis auf ein paar Hinweise wie Benzinrationierung und Verknappung der Lebensmittel hätte der Roman auch durchaus in den 90er Jahren spielen können. Hier hätte ich mir etwas mehr Einblick in die damalige Zeit gewünscht.

Der Stil von Rennie Airth ist durchaus gut zu lesen. Ihre Erzählweise ist leise, bedacht und schweift auch gern mal ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diesen Roman bei Kaminfeuer mit einem Glas Cherry genießen kann.


Fazit: für mich war England kein Gedenken wert. Schade!

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