Samstag, 11. Juli 2015

Mein Interview mit Martin Krist bei Totsicher



Hallo Ihr Lieben,

je älter man wird, desto weniger erste Male gibt es im Leben. Anfang Juli hatte ich jedoch eines, was für mich mehr als spannend war: ich durfte das erste Mal ein Live-Interview führen. Und weil ich keine halben Sachen mache, habe ich mir direkt einen Thriller-Autor ausgesucht. Gut, ich hatte zwar gehofft, dass er zusagt, aber dass Martin Krist es auch tatsächlich getan hat, war für mich eine Überraschung. Denn wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, jemanden zu treffen, dessen Bücher im eigenen Regal stehen oder liegen?

Getroffen habe ich Martin in der kleinen, gemütlichen Buchhandlung Totsicher. Während ich noch stöberte, kam der Autor gut gelaunt mit seiner wuschligen Begleiterin Bjella zur Tür herein. Bei kalten Getränken (es war aber auch heiß draußen) haben wir zwei es uns in der Leseecke gemütlich gemacht und angefangen uns  zu unterhalten. Da ich nur mit Papier und Stift bewaffnet war, gibt es keine wortwörtlichen  Aussagen. Ich zitiere aus dem Gedächtnis- und Papierprotokoll.

Meine erste Frage dreht sich immer um die aktuelle Lektüre. Martin liest gerade, obwohl er selbst im Schreibprozess steckt, Vaterland von Robert Harris. Ein  Buch, das ich kenne und sehr gemocht habe. Auch für Martin ist das Buch bisher spannend, wenngleich er noch nicht weit gekommen ist. "Ich habe so wahnsinnig viel zu tun, dass mir im Augenblick einfach die Zeit zum Lesen fehlt", so Martin.

Wie vielleicht einige wissen, ist Martin Krist nur ein Pseudonym. Zu Schreiben begonnen hat er unter seinem Klarnamen Marcel Feige. Zudem gibt es noch einen 3. Namen, nämlich Christoph Brandhurst, unter dem Martin (ich belasse es mal bei dem Pseudonym im weiteren Verlauf) Erotikbücher veröffentlicht. Seine Pseudonyme haben eher pragmatische Gründe, nämlich den Wechsel seines Verlages. Nachdem aber der Wechsel vollzogen war, wollte Martin auch gar nicht mehr anders und blieb bei seinem Pseudonymen. Dadurch gibt es eine klare Trennung der Genres, in denen er sich als Autor bewegt: Als Martin Krist schreibt er Thriller, als Marcel Feige Sachbücher und Biografien, als Christoph Brandhurst Erotik.

Entstehung eines Werkes
Martin braucht für seine Arbeit als Autor komplette Stille. Wenn er schreibt, tut er dies in seinem Arbeitszimmer, in dem er die nötige Ruhe findet. Und zwar nur da und nirgendwo anders. Im Café könnte er gar nicht schreiben. Auch hat der Erschaffer von "Engelsgleich" sowas wie feste Arbeitszeiten. "Von 14 bis 23 Uhr habe ich Ruhe im Haus", so der Autor. In der Zeit schreibt er. Dabei ist es egal, ob er viel oder wenig schreibt. Für ihn ist das Erzählen von Geschichten ein Handwerk, an dem man jeden Tag arbeiten sollte. Nur selten überfällt ihn die Kreativität aus dem Stegreif. Das Schreiben ist für ihn eben ein Handwerk.


Daher sitzt Martin Krist auch, bevor er überhaupt anfängt zu schreiben, 2 bis 3 Monate am Aufbau seines nächsten Werkes. "Dort plane ich bereits Dialoge, Figuren und die Kapitel". Und erst, wenn das alles bis ins Detail ausgearbeitet ist, beginnt er die Geschichte zu schreiben. Handwerk eben.
Natürlich halten sich auch bei ihm seine Gedanken nicht an Zeit- oder Terminpläne. So notiert er neue Ideen direkt auf dem Smartphone, einem Notizblock, manchmal hält er sie auch mit dem Diktiergerät fest, damit sie nicht verloren gehen.

Und wenn er schreibt, kann es passieren, dass er Termine nicht halten kann. "Meine Freunde kennen das bereits und wissen damit umzugehen", so Martin ernsthaft. Für ihn selbst ist es nicht immer einfach, lang feststehende Termine abzusagen. Aber so ein Autorenleben ist ja auch nicht wie der eines Angestellten.

"Ich selbst bin mein eigener Held"
Diese Aussage bekam ich von ihm auf die Frage nach seinem Helden der Kindheit. Gut, bis zum Alter von 10 war das Old Shatterhand. Danach hat sich Martin aber keinen spezifischen Helden mehr ausgesucht.
Da passt es auch gut, dass es für ihn als Autor keine No-Gos für seine Bücher gibt. Ob er nun geliebte Figuren sterben lässt, Tiere meuchelt oder Kinder literarisch tötet, für ihn ist alles erlaubt, was zur Story passt und den Leser packt.
Inspiriert fühlte sich Martin Krist von "ES" von Stephen King. "Dieses Werk hat mich geflasht", gibt er zu und erzählte mir, dass er sich zu Beginn ebenfalls an Horror versucht hat.





Für den literarischen Vater von Kommissar Kalkbrenner gibt es 2 Träume als Autor:
Martin würde gern eines seiner Bücher verfilmt sehen.

Und er würde zu gern als Autor für 2 bis 3 Jahre in New York leben. Nach seinem Besuch im Big       Apple im September 2014 lässt ihn die Stadt nicht mehr los. "Eine Stadt wie New York, die niemals schläft, muss eine unglaubliche Inspiration für einen Thrillerautor sein", glaubt Martin.







Ich war von dem gesamten Interview und der Zeit, die ich mit ihm verbringen durfte, begeistert. Martin erzählt direkt, lebhaft und ehrlich, was er denkt und was ihm wichtig ist. Da war es auch nicht verwunderlich, dass wir zwischendrin immer mal wieder zu Büchern und Buchempfehlungen abgeschweift sind, uns über Kritik und wie sie sein sollte unterhalten haben und zum Schluss beide an der Kasse mit neuen Büchern in der Hand standen.

Danke Martin Krist/Marcel Feige/Christoph Brandhurst für das spannende und mehr als unterhaltende Interview!



Kommentare:

  1. Hallo Denise,

    das klingt nach einem wirklich tollen und gelungenen Tag. Deine Art des Interviews finde ich klasse und zeigt die Sympathie für den Autor. Ich muss gestehen, das ich noch keines seiner Thriller gelesen habe, obwohl alle auf meiner WuLi stehen - schande über mein Haupt. Es wird glaube ich wirklich mal Zeit dafür.

    Liebe Grüße und ein schönes WE,
    Uwe

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    1. Hi Uwe,

      danke für dein Kommentar. Ich hab mich echt gefreut :) Man ist ja beim ersten Mal doch sehr aufgeregt :)
      LG
      Denise

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