18. Juli 2015

Eine Geschichte über das Leben, wie es spielen kann


Das zufällige Leben der Azalea Lewis
von J. W. Ironmonger

Eine Leseprobe findet ihr hier

Thomas Post ist Herr der Zufälle. Für ihn gibt es für jeden Zufall eine logische und mathematische Erklärung. Bis Azalea Lewis in sein Leben tritt. Die 33-jährige berichtet ihm von ihrem Leben und zwingt ihn, sich mit der Möglichkeit auseinanderzusetzen, dass nicht alles logisch erklärbar ist, selbst wenn man es versucht. Kann Thomas da mithalten? Oder wird er Azalea beweisen, dass ihre scheinbaren Vorhersehungen nur Humbug sind?

"Das zufällige Leben der Azalea Lewis" ist das Debüt von J. W. Ironmonger und hat mir sehr gut gefallen. Obwohl als Jugendbuch ab 14 Jahren eingeordnet, hat es mich durch seine unglaubliche Geschichte und den wundervollen Erzählstil in seinen Bann gezogen.

Obwohl der Roman von einem auktorialen Erzähler berichtet wird, hatte ich die gesamte Zeit das Gefühl, als wenn ich der erzählenden Person gegenüber sitze und sie mir lebhaft von den Begebenheiten erzählt. Dabei springt der Autor gern in Zeit und Ort hin und her. Als Orientierung dienen die genannten Zeiten über den Kapiteln, ansonsten könnte man leicht durcheinander kommen. J. W. Ironmonger verwebt die Gegenwart mit einer weit zurückliegenden Vergangenheit, erzählt von mehreren Leben, wie sie zusammenhängen und warum alles so kam, wie es kommen musste. Obwohl hierbei klar Azalea im Vordergrund steht, habe ich so auch Thomas Post, die Eltern Azaleas und einen Teil Afrikas kennenlernen dürfen. Toll!

Die Story selbst hat mich vom ersten Satz an gefangen genommen. Azaleas Leben hat so viele Kurven wie eine Rennstrecke und dabei hat sie Dinge erlebt, die man keinem Menschen wünscht. Und genau mit so einer Wendung hat der Autor mich endgültig gepackt. Denn so locker-flockig-leicht sein Stil ist, so berührend, traurig und teilweise schockierend ist die Geschichte, die er damit erzählt. Dieser krasse Gegensatz bewirkte, dass ich mit Spannung immer weiterlas und nicht vom Buch lassen konnte. Die Seiten flogen nur so dahin, auch wenn das große Thema Afrika kein leichtes war.

Und auch wenn Azalea die Hauptperson darstellt, ist mir eine andere Figur sehr ans Herz gewachsen: Thomas Post. Der Mann für Zufälle schwadroniert so herrlich über die mathematischen Möglichkeiten, erklärt sein Wissen mit einer Überzeugung, die man selten trifft und tut das in meinen Augen so bildhaft, dass ich einfach weiterlesen konnte. Selbst wer in Quantenphysik und Stochastik nicht bewandert ist, lernt mit Thomas schnell, wie Zufälle wirklich zu sehen sind. Herrlich!

Der Schluss ist passend, wenn auch nicht abschließend. Für mich geht das allerdings in Ordnung, denn so passt er sehr gut zur gesamten Geschichte.

Der Stil von J. W. Ironmonger ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist besonders, denn er erzählt so leicht und immer wieder mit ironischen oder witzigen Seitenhieben. Ich hatte das Gefühl, ich bin die gesamte Zeit dabei und bekomme Details gezeigt, die mir sonst verborgen geblieben wären. Einfach toll!


Fazit: ein für mich großartiges Buch, das Jugendliche zum Innehalten anregen wird. Eine klare Empfehlung von mir!

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