28. Juni 2015

Was geschah wirklich am See?

That Night - Schuldig für immer
von Chevy Stevens

Eine Leseprobe findet ihr hier

Toni Murphy saß seit ihrem 18. Lebensjahr für den Mord an ihrer jüngeren Schwester im Frauengefängnis. Jetzt ist sie auf Bewährung draußen und hat 2 Wünsche: ein normales Leben führen und den wahren Mörder ihrer Schwester Nicole zu überführen. Denn Toni war es nicht, zumindest behauptet sie das immer wieder. Was geschah wirklich in der Nacht am See, als Nicole starb? Sind Toni und ihr damaliger Freund Ryan wirklich unschuldig?

"That Night – Schuldig für immer" ist der mittlerweile 4. Thriller aus der Feder von Chevy Stevens und hat mir wieder sehr gut gefallen. Dieses Mal nimmt sie sich einer jungen Gefängnisinsassin ein, die immer wieder ihre Unschuld beteuert.

Die Geschichte wird von der Insassin Toni selbst erzählt. Dabei folgt man ihr über drei Zeitebenen hinweg: im hier und jetzt, zur Highschool – Zeit und zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung. Alle 3 Ebenen verwebt die Autorin sehr geschickt und spannend miteinander. Während der Schulzeit hat man es mit einer rebellischen Toni zu tun, während sie im Knast abstumpft und bei ihrer Entlassung resigniert und kraftlos wirkt. Und das merkt man auch an der Erzählweise. Denn jeder Zeitabschnitt beinhaltet einen anderen Grundtenor. Das fand ich sehr faszinierend.

Auch die Story an sich hat mich gefesselt. Chevy Stevens hat ein Gespür dafür, auch Menschen, deren Leben weder geradlinig noch wirklich gut verlaufen ist, sympathisch oder zumindest herzerwärmend darzustellen. Toni ist dabei keine heroische Figur, die übertrieben für etwas kämpft oder überzeichnet wurde. Die junge Frau wirkt sehr realitätsnah und ich konnte beim Lesen spüren, dass sie einfach nur Ruhe und ein einigermaßen normales Leben suchte. Das, was Ex-Häftlinge in vielen Fällen wollen. Auch die Wut, die ich in den Kapiteln über die Haftzeit gespürt habe, war großteilig in der Gegenwart verraucht. Das hat mir gut gefallen, da ich das Gefühl hatte, hier einer wirklichen und nicht gewollt kämpferischen Figur zu folgen. Toll!

Obwohl man nur die Sicht einer Figur erfährt, hatte ich das Gefühl, dass Toni beim Erzählen so neutral wie möglich bleibt. Klar, ich habe ihre Wut, Ohnmacht und auch ihre Liebe gespürt, aber dennoch versuchte sie, ein umfassendes Bild der anderen Figuren zu geben. Neben Toni habe ich vor allem Ryan, ihre Highschool – Liebe ins Herz geschlossen. Der junge Mann versucht, ebenso wie Toni, das Beste aus seinem Leben zu machen. Und das, obwohl sein Elternhaus nicht das Beste ist. Dies mag ich generell an den Thrillern von Chevy Stevens: die Figuren haben kein geradliniges, ausgelutschtes, 08/15 – Leben.

Das Ende hat mich überrascht, wurde jedoch logisch herbeigeführt. Die Auflösung fand ich sehr gut und passend gewählt und alle losen Stränge wurden zusammengeführt. Klasse!

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt sehr gut zu einer verbitterten, teilweise resignierten und abgekämpften Mittdreißigern, die nichts als Ruhe will. Daher wirken auch manche Erzählungen unterkühlt und fast teilnahmslos. Mich hat das nicht gestört, denn dadurch wirkte die Geschichte glaubwürdiger.


Fazit: ein toller Thriller von Chevy Stevens. Wer ihre anderen Bücher mochte, sollte zugreifen!

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