Montag, 22. Juni 2015

Der Horror naht! [Hörbuch]

Nachwelt 2018 - Die Ratten von Frankfurt
(Nachwelt Band 1)
von Georg Bruckmann

Eine Hörprobe findet ihr hier

Frankfurt 2018: nach dem 3. Weltkrieg ist die Welt nicht mehr, wie sie war. Die Zivilisation ist tot, die Menschen leben in Stämmen und kämpfen ums Überleben. Die Natur erobert sich ihre Reviere zurück. Während die einen noch versuchen, ein Stück Menschlichkeit zu bewahren, zeigen die anderen, was sie mit der neuen Freiheit gleich setzen: Mord, Vergewaltigung und Folter. Welche Lebensart wird sich durchsetzen?

"Nachwelt 2018" ist mein erstes Hörbuch von Georg Bruckmann und hat mich überzeugen können. Normalerweise lese ich zunächst das Buch, bevor ich mich an die akustische Version wage. Bei "Nachwelt" war das schwierig möglich, jedoch hat mich Bruckmann gefesselt und ich konnte kaum aufhören ihm zu lauschen.

Die Geschichte wird von einem namenlosen Mann erzählt. Mit ihm kämpft man ums Überleben, sucht nach Lebensmitteln und versucht jedem Ärger aus dem Weg zu gehen. Was aber in einer verrohten Welt kaum möglich ist. Und so lauschte ich fast atemlos, wie der Mann sich gegen Degenerierte wehren muss, neue Freunde findet und entdeckt, welch verdrehter Glauben die Welt mittlerweile überzieht. Denn die Degenerierten sind mitnichten Zombies, sie sind verrohte, brutale, morallose Menschen. Und das Ganze sogar mit religiöser Rechtfertigung. Genial!

Zu Beginn hatte ich tatsächlich die Befürchtung,dass ich einem Abklatsch von "The Walking Dead" zuhöre. Immerhin heißen dort die Zombies Beißer und legen ein ähnliches Verhalten an den Tag. Doch schnell wurde mir klar, dass Georg Bruckmann nicht von Zombies berichtet, sondern von etwas, was viel grausamer ist: die Menschen, die vom erzählenden Mann nur Degenerierte genannt werden, haben ihr Schicksal selbst gewählt. Dieser Fakt jagte mir eine Gänsehaut über den Körper.

Und das sollte nicht die einzige bleiben. Georg Bruckmann spricht sein Hörbuch höchstpersönlich und seine Stimme passt perfekt zur Geschichte. Ich habe das Buch abends begonnen und musste mitten in der Nacht aufhören, da ich im Dunkeln saß, müde wurde und ich doch noch irgendwie schlafen wollte, ohne Angst zu haben, dass mir im Schlaf mein Leben genommen wird.

Die Story ist nicht klassischer Horror, sondern in meinen Augen eine Dystopie mit grusligen Einschlägen. Durch die tiefe und ruhige Stimme des Sprechers kommt dieses Grauen noch besser zur Geltung. Zugleich wirkt seine Erzählweise resigniert, was sehr gut zu dem Mann passt, der das Ganze hautnah erlebt. Und die Hauptfigur ist mir sympathisch, denn er wirkt nachdenklich, abgebrüht und zeigt wenig Aufregung. Perfekt für solch eine Welt!


Fazit: ein Hörbuch nicht unbedingt für entspannte, aber für spannende Stunden. Wer Grusel und Grauen mag, sollte zugreifen!

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