15. Juni 2015

Auch Zugfahren birgt Gefahren

Girl on the Train
von Paula Hawkins

Eine Leseprobe findet ihr hier

Rachel pendelt jeden Tag mit dem Zug nach London. Und jeden Tag hält der Zug an einem Signal. Dadurch kann Rachel die Menschen einer Wohnsiedlung beobachten. Besonders ein Paar hat es ihr angetan. Sie tauft die beiden Jess und Jason und denkt sich ein Leben für die beiden aus. Bis eines Tages Jess verschwindet und Rachel mit der Realität konfrontiert wird. Jess heißt Megan und die junge Bahnfahrerin könnte helfen, das Geheimnis ihres Verschwindens zu lüften.

"Girl on the Train" ist das Debüt von Paula Hawkins und hat mir gut gefallen. Der Roman birgt viel Spannung, eine mehr als schwankende Hauptfigur und dazu ein passendes, furioses Ende. Lediglich im Mittelteil verliert das Werk an Schwung.

Die Geschichte wird von 3 unterschiedlichen Personen erzählt: zum Einen von Rachel, die geschieden, alkoholabhängig und trauernd jeden Tag Zug fährt und sich dabei in ihre Fantasie flüchtet. Zum Anderen ist da Megan, die aus ihrem Leben vor ihrem Verschwinden erzählt. Zum Dritten kommt noch Anna, die neue Frau an der Seite von Rachels Ex-Mann Tom hinzu. Und obwohl 3 Erzählerinnen schon eine Menge sind, hat es mich beim Lesen gar nicht gestört oder durcheinandergebracht.

Der Großteil des Romans wird von Rachel bestritten. Die junge Frau ist am Tiefpunkt ihres Lebens angelangt und das spürt man auch in ihren Erzählungen. Ihre Alkoholsucht kommt in ihren Sätzen ebenso heraus wie ihr Drang, wichtig zu sein. Mal empfand ich Mitleid mit ihr, ab und an fand ich sie sogar abstoßend aufgrund ihres Verhaltens, jedoch war ich immer mit Feuereifer dabei, wenn sie erzählt hat. Denn ich konnte meinen Blick nicht von ihr, ihrer Fantasie und ihrem recht kurvigen Weg durchs Leben abwenden. Ab dem Verschwinden von Megan entwickelt Rachel eine Dynamik, die mich erschrocken und zugleich fasziniert hat. Toll!

Auch Megans Sicht der Dinge hat mich angezogen. Die Ehefrau von Scott alias Jason ist nicht so glücklich, wie es Rachel aus dem Zug zu beobachten meint. Mit jedem Kapitel, in dem Megan aus ihrem Leben erzählt, wird klar, wie schnell man sich von einer strahlenden Fassade täuschen lassen kann. Denn unter dem glänzenden Lack kommt so manches schmutzige Geheimnis zum Vorschein. Hier hat Paula Hawkins ganze Arbeit geleistet. Grandios!

Die Story selbst ist spannend und sehr gut erzählt. Lediglich in der Mitte kommt es zu einem kleinen Tief, wo selbst Rachel nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Und das habe ich als Leserin sehr stark gespürt. Hier wäre eine Kürzung von Vorteil gewesen. Insgesamt konnte mich der Roman aber überzeugen, vor allem der Schluss, der für mich sehr gut ins Geschehen und zum gesamten Werk passt.

Der Stil von Paula Hawkins ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu ihren Figuren und ist mal traumwandlerisch, mal kühl distanziert und mal hochemotional. Das hat mir sehr gut gefallen.

Fazit: ein Buch, das nicht nur für Pendler interessant ist. Wer Drama und Wendungen liebt, sollte zugreifen.

ACHTUNG! Dieses Buch kann LESEN verursachen!

Kommentare:

  1. Hallöchen Denise my Dear,

    eine sehr schöne Rezension, das Buch fällt mir immer häufiger auf.
    Ich werde es auf jeden Fall mal im Auge behalten!
    Lasse dir gaaaanz liebe Grüße da.

    Nadine ♥

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  2. Schöne Rezension. War von dem Buch auch restlos begeistert. So macht Bahnfahren Spaß.

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  3. Das Buch war damals total "in", aber.. ich habs nicht gelesen. Deine Rezi klingt aber sehr interessant!

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