4. Mai 2015

Den Löwen gesucht, nur Nichtssagendes gefunden

Der Löwensucher
von Kenneth Bonert

Eine Leseprobe findet ihr hier

Südafrika, kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges: der jüdische Junge Isaac wächst in einem eher armen Viertel zusammen mit farbigen Kindern auf. Je älter er wird, desto größer werden die Ansprüche seiner Mutter an ihn und desto mehr muss er sich auch von seinen alten Freunden distanzieren. Denn die Welt befindet sich in Aufruhr und da hat Isaac es als Jude schon nicht leicht. Daher versucht er auf vielen, manchmal illegalen Wegen, sein Glück zu machen. Kann er es schaffen?

"Der Löwensucher" ist das Debüt von Kenneht Bonert und international gerühmt und ausgezeichnet. Mich konnte der Roman um den jüdischen Jungen Isaac nur zu Beginn mitreißen. Ab der Hälfte habe ich dann vollkommen den Faden und Mut verloren.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben und folgt zu Beginn Isaacs Mutter, bevor sie sich vollkommen auf den Jungen selbst konzentriert. Und Isaac hat wahrlich kein leichtes Leben. Er wächst in einer Welt auf, in der die Diskriminierung von Schwarzen Gang und Gebe und auch die Unterdrückung der Juden normal ist. Seine Mutter stellt an ihn sehr hohe Ansprüche und möchte, dass er Erfolg in seinem Leben hat. Wo er dabei bleibt, ist ihr fast egal.

Zu Beginn konnten mich diese Konflikte um die jüdische Familie auch mitziehen. Ich wollte wissen, was der Mutter zugestoßen ist, warum der Vater so zurückhaltend und sein Sohn so ein Mamakind ist. Und vor allem war ich neugierig auf die Schwester, die zwar Karriere macht wie keine zweite, aber kaum Erwähnung fand. Doch so sehr mich der Anfang mitgerissen hat, so sehr ist die Begeisterung dann auch abgeflacht. Ab circa einem Viertel wurde der Roman nichtssagend, alltäglich, flach und die Probleme, die dort gewälzt wurden, waren für mich so weit weg und verwirrend geschrieben, dass ich ab und an nicht mal mehr wusste, was Kenneth Bonert nun von mir möchte.

Zudem habe ich gemerkt, dass ich in die Geschichte nach einer Pause von nur wenigen Stunden nicht mehr beziehungsweise nur schwer hinein fand. Ich wusste nicht mehr, wie die Gefühlslage von Isaac, seinem Vater und anderen Figuren war noch konnte durch das Lesen der ersten Sätze meine Erinnerung geweckt werden. Das ist bei mir ein Todesurteil für ein Buch. Und so habe ich den Roman bei der Hälfte entnervt und traurig zur Seite gelegt. Denn die Story klang super, aber was nützt eine gute Geschichte, wenn der Autor sich in seiner Sprache verliert?

Der Stil von Kenneth Bonert ist gut zu lesen, auch wenn man sich in seine Sprache hineinfinden muss. Dennoch ließ er zu Beginn Bilder vor meinen Augen erscheinen. Doch je weiter sein Roman fortschritt, desto abgehobener wurde er. Für mich passte es einfach nicht mehr!


Fazit: es hätte was werden können mit dem Löwen und mir. Doch leider entpuppte er sich als Kätzchen. Schade!


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