Samstag, 25. April 2015

Leben ist zäh!

Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt
(Kyria & Reb - Reihe Band 1)
von Andrea Schacht

Eine Leseprobe findet ihr hier

Kyria, Tochter einer angesehenen Ministerin, wird auf ihrer eigenen Geburtstagsfeier von Hornissen angegriffen. Im Krankenhaus erfährt sie, dass sie aufgrund ihrer tötlichen Krankheit, die durch die Hornissen freigesetzt wurde, nur noch 3 Wochen zu leben hat. Und Kyria ist sich sicher: diese 3 Wochen will sie nicht überwacht und verhätschelt werden. Wie gut, dass sie dem Rebellen Reb begegnet, der sie aus dem Überwachungsstaat rausschaffen kann. Doch kann die gut behütete Tochter überhaupt in der wirklichen Welt überleben?

"Kyria & Reb – Bis ans Ende der Welt" war mein erster Jugendroman von Andrea Schacht. Die Autorin habe ich bisher eher mit historischen Büchern in Verbindung gebracht, jedoch hat mir ihr Ausflug in das Jugendgenre gut gefallen.

Die Geschichte wird von der 18-jährigen Kyria selbst erzählt. Die junge Frau hat mich von Seite 1 überrascht. Ich hatte mit einem für Dystopien üblichen gehorsamen Mädchen gerechnet, das das herrschende System nicht in Frage stellt. Kyria hingegen zweifelt von Beginn an die Staatsform an, in der sie lebt. Sie erkennt, dass sie belogen wird und das geht ihr gehörig gegen den Strich. Das fand ich erfrischend anders und hat mich sofort für die Figur eingenommen.

Ihr Begegnung mit Reb und ihre Flucht verlief in meinen Augen etwas zu glatt. Ich hätte mir hier mehr Widerstände gewünscht. Auf der anderen Seite bot Andrea Schacht mir somit die Chance zu erkennen, dass nicht jedes Überwachungssystem direkt mit Verfolgung und Morden arbeitet. Das war mal was anderes.

Auch Reb, der das rebellische Gegenstück zu Kyria darstellt, hat sich direkt in mein Herz geschlichen. Der junge Subcultura ist zwar frech, unerzogen, aber eben nicht so typisch Macho, wie es in vielen Dystopien der Fall ist. Auch damit hebt sich die Autorin von anderen Werken ab. Zudem weiß Reb genau, wann er sich anpassen muss und wann er seine Meinung kundtun kann. Dadurch wirkt er echter und menschlicher. Toll!

Die Story an sich hätte ich mir an manchen Stellen tiefer gewünscht. Über das herrschende System, wie es dazu kam und wie es ist, ein Teil davon zu sein, erfährt man als Leser zwar im Laufe des Romans so einiges, aber in meinen Augen nicht genug. Auch die Entwicklung von Kyria hätte gern genauer beschrieben werden dürfen. Es gibt einen größeren Zeitsprung, in dem sie eine für mich deutliche Entwicklung durchläuft, die aber dann als gegeben hinzunehmen ist. Schade!

Der Schluss lässt genug Anknüpfungspunkte für den zweiten Teil und ich bin neugierig, wie es mit den beiden Flüchtlingen weitergeht.

Der Stil von Andrea Schacht ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist ruhig, für Kyria angemessen und besticht auch durch den Blick fürs Wesentliche. Gefühlsausbrüche kommen überraschend wenige vor, was mich aber kaum gestört hat.


Fazit: ein toller Jugendroman, der durch seine ruhigen Klänge zu begeistern weiß. Ich kann ihn, trotz der Abstriche, empfehlen.

Kommentare:

  1. Huhu, bisher hab ich von dem Buch noch gar nichts gehört, aber der Inhalt und deine Rezi haben mich neugierig gemacht. Werde es mal im Hinterkopf behalten. Allerdings hat mich ein wenig skeptisch gemacht, dass alles so glatt lief.... sowas mag ich ja gar nicht.

    Viele liebe Grüße
    Nelly von Nellys Leseecke

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    1. Hi Nelly,

      danke für dein Kommentar! Ja, das es so glatt lief, ist auch mein größter Kritikpunkt. Dennoch hatte es was...

      LG
      Denise

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