Dienstag, 14. April 2015

Kämpfe für deine Träume

Als der Himmel uns gehörte
von Charlotte Roth

Eine Leseprobe findet ihr hier

Vor den olympischen Spielen in London 2012: Jennifer trainiert verbissen auf ihre Teilnahme. Doch sie hat ein Problem und das sind ihre Nerven. Vor großen Menschenmassen ereilt sie immer wieder ein Zusammenbruch, der ihr den Sieg unmöglich macht. Ihr Trainer sieht daher keine Chance, dass sie teilnehmen kann. Jennifer auch nicht, bis sie Gregory begegnet...
Berlin, Ende der 20er Jahre: die Zwillinge Alberta und Auguste leben gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Tante in für damalige Zeit guten Verhältnissen. Während Auguste zurückhaltend und fast schüchtern ist, will Alberta, genannt Albi, die Welt erobern. Und das am besten bei Olympia. Als ihr Vater, ein begnadeter Radioreporter sie dann auch noch mit nach Los Angeles nimmt, scheint der Traum wieder ein Stück näher....

"Als der Himmel uns gehörte" ist der neuste Roman von Charlotte Roth und hat mich von Beginn an begeistert. Die Autorin verknüpft den Geist von Olympia mit zwei bewegenden Familiengeschichten und zeigt auf, dass auch Sportler nie nur Sportler, sondern immer auch Menschen und manchmal auch Marionetten sind.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum Einen begleitet man in der Gegenwart die Läuferin Jennifer und ihren Kampf um die Teilnahme an den olympischen Spielen. Zum Anderen reist man nach Berlin der 20er und 30er Jahre und erlebt hautnah mit, wie die damaligen Spiele in Berlin zur propaganistischen Farce gerieten. Mittendrin befindet sich Albi, die nicht nur für ihren Traum kämpft, sondern sich auch zwischen ihrem besten Freund James, einem adligen Engländer und ihrer Liebe Hannes, einen hochgewachsenen, fast schüchternen Reiter, stehen sieht.

Und obwohl diese Konstellation nach einer typischen Dreiecksgeschichte aussehen mag, macht Charlotte Roth nicht den Fehler in dieses Klischee zu fallen. Die Autorin erschafft mit Albi und ihren Weggefährten ein Quartett, dem man eigentlich nur Zufriedenheit und Glück wünschen möchte und bei dem man doch weiß, dass es zu der Zeit einfach nicht sein kann, dass Menschen nur glücklich sind.

Das Hauptaugenmerk des Romans liegt klar auf den Geschehnissen in den 20er und 30er Jahren. Jennifers Geschichte ist lediglich der Brückenkopf in der Gegenwart, der den Halt und die Sicherheit gibt, dass sich alles irgendwie zum Guten wendet. Hätte die Geschichte auch ohne diesen Brückenkopf funktioniert? Wahrscheinlich. Wäre sie dann genauso berührend und wundervoll gewesen? Im Leben nicht. Charlotte Roth vermag es, wie auch in ihrem Roman "Als wir unsterblich waren", das Familienleben mehrere Generationen so toll zu verbinden, dass ich als Leserin einfach nur abtauchen und genießen konnte.

Die Autorin berichtet über die Geschehnisse der damaligen Zeit mit Fingerspitzengefühl, ohne Moralkeule und einem Blick für Details. Durch die Gedankenwelt der Figuren lässt sie uns erleben, wie es war, als Hitler an die Macht kam, was die Menschen gedacht haben und wie einfach man es sich unter Umständen doch machen wollte. Durch die Sportler bekamen die Beschreibungen nochmal einen anderen Blickwinkel, denn diese haben sich fast schon schmerzhaft unschuldig vor den Karren spannen lassen und das nur, weil sie ihren Traum leben wollten.

Der Stil von Charlotte Roth ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise hat etwas poetisches, ohne gestelzt zu wirken. Dennoch kann sie auch richtig deutlich werden, wenn es nötig ist. Durch diese Mischung hat mich der Roman in seinen Fängen gehalten und erst wieder losgelassen, als ich die letzte Seite gelesen hatte.


Fazit: Olympia damals und heute. Ich kann das Buch nur empfehlen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen