11. April 2015

Ehebruch aus Sicht des Brechers

Der Preis der Treue
von Diane Brasseur

Eine Leseprobe findet ihr hier

Ein Anwalt in den Fünfzigern, bodenständig, verheiratet und Vater betrügt seit einem Jahr seine Frau mit einer Jüngeren. Die Affäre gefällt ihm, seine Geliebte hängt an ihm und er weiß nicht, wie er es beenden soll. Oder will er es vielleicht auch gar nicht?

"Der Preis der Treue" ist das Debüt von Diane Brasseur und dreht sich um ein mittlerweile schon fast profanes Thema: Ehebruch. Dabei lässt sie den Mann selbst zu Wort kommen und ihn seine Gedanken und Gefühle schildern. Das Buch hat mich festgehalten, doch am Ende blieb doch eine Frage: Und nun?

Der Anwalt, der im Roman nicht mal mit Namen angesprochen wird, entführt den Leser in seine Welt. Seit einem Jahr betrügt er seine Frau mit der jüngeren Alix. Und auch nur ihr erweist er die Ehre, mit dem Namen angesprochen zu werden. Alle anderen Personen werden mit Bezeichnungen wie "meine Frau" oder "meine Tochter" abgespeist. Ein Hinweis darauf, wie er fühlt?

Seine Erzählungen sind nicht zwingend chronologisch noch fanden sie teilweise wirklich statt. Der Ehemann gibt sich Gedankenspielen ebenso hin wie den Erinnerungen an das erste Date mit Alix. Auch sein Sexleben kommt nicht zu kurz, wobei ich mich bei den Szenen nicht wohlgefühlt habe. Dabei habe ich kein Problem mit Erotik in Büchern, aber hier wirkte das Ganze mechanisch, steril, so als ob der Erzähler einfach nur noch zeigen wollte, dass er es noch kann. Das war mir dann zu wenig und zu protzig.

Ansonsten berichtet und schildert der Anwalt, Gefühle wie Reue, wirkliche Liebe oder ähnliches finden kaum bis gar keinen Anklang. Sein Monolog wirkt eher wie eine Rechtfertigung vor sich selbst und ein Plädoyer, dass er doch alles richtig gemacht hat, als ein wirkliches Resumee über das, was er tut. Das mutet zwar kaltherzig an, doch ich fand, dass es zu der Figur gepasst hat. Ich hätte mir keinen rührseligen Mann vorstellen können. Der Ehemann ist knallhart und zeigt einfach, wie es ist. Punkt! Das hat mich fasziniert.

Das Ende ist offen, sehr offen. Und das finde ich schade. Ich hätte mir einen Abschluss gewünscht, einen Schlussstrich, irgendeine Reaktion von ihm auf sein aktuelles Leben. Doch er bleibt das, was er seit einem Jahr schon war: untätig. Das war mir zu wenig!


Fazit: eine Novelle aus der Sicht des Ehebrechers. Kann man lesen, muss man aber nicht.

1 Kommentar:

  1. Das Wort "Rechtfertigung" kam mir auch in den Sinn. Ich fand den Text nicht erotisch und finde es sogar schade, dass dieser Aspekt nicht weiter ausgeführt wurde. Denn vermutlich macht das Körperliche einen Teil aus - die Figur will sich beweisen, dass sie noch leistungsfähig ist - aber die Frau macht nicht mit :-) Die Figur reagierte fast trotzig, wütend, als die beiden scheiterten....

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