Freitag, 10. April 2015

Die Todgeweihten grüßen dich!

Das Institut der letzten Wünsche
von Antonia Michaelis

Eine Leseprobe findet ihr hier

Mathilda arbeitet im Institut der letzten Wünsche. Dort erfüllen sie und ihre Chefin Ingeborg sterbenskranken Menschen den letzten Herzenswunsch, sei es nun Weihnachten im August, eine Ballonfahrt oder Schnee mitten im April. Eines Tages beehrt Birger Raavenstein das kleine Büro. Sein letzter Wunsch: seine Jugendliebe und ihr gemeinsames Kind finden. Mathilda macht sich auf die Suche nach der Frau....und nach der Erkenntnis, dass sie sich gerade in einen Todgeweihten verliebt.

"Das Institut der letzten Wünsche" ist der neuste Roman von Antonia Michaelis und hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin greift ein für viele tabuisiertes Thema auf, nämlich das Sterben, und zeigt mit Humor und Einfühlungsvermögen, dass kein Mensch traurig aus dieser Welt scheiden muss.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man allerdings nur Mathilda, einer jungen Frau, die fast Ärztin geworden wäre, sich dann aber für ein Leben entschieden hat, in dem sie mit ihrem Hund Eddie glücklich auf ihrem fusselnden Sofa sitzt und sterbenden Leuten ihre letzten Wünsche erfüllt. Dabei wirkt Mathilda so glücklich, so herrlich verschroben und liebenswert, dass ich ihr einfach nur von Seite 1 an die Daumen gedrückt habe, ihr möge nie etwas trauriges passieren.

Auch die anderen Figuren, die Michaelis in ihrem Roman erschafft, sind mir zu Herzen gegangen. Seien es nun Birger, der Anwalt aus London, der nach seiner Jugendliebe sucht; Ewa, die noch einmal die Callas live erleben möchte oder Daniel, Mathildas Ex-Freund, er als Arzt eine eher nüchterne Sicht auf die Welt hat. Sie alle haben ihre liebenswerten, tiefgründigen und komischen Seiten. Und jede einzelne Person ist mit so viel Herzblut und Liebe beschrieben, dass ich selbst Doreen, die verschollene Jugendliebe Birgers, nicht unsympathisch finden konnte. Auch sie hatte ihre Gründe, auch sie hat ein Leben und so konnte ich auch sie und ihre Entscheidungen verstehen.

Der Roman an sich hat mich unterhalten und trotz des traurigen Themas habe ich viel gelacht. Die Autorin hat so abgefahrene und humorvolle Ideen, um ihren Figuren die letzten Wünsche zu erfüllen, dass ich über die Kreativität gestaunt und mit den Patienten geseufzt habe, weil alles geklappt hat. Ich habe innerhalb weniger Sätze schallend gelacht und mit Tränen in den Augen gelesen. Denn Antonia Michaelis zieht das Thema Sterben nie ins Lächerliche, sondern zeigt gefühlvoll, dass auch Todgeweihte Humor haben, Wünsche und Sehnsüchte sich ihrer bemächtigen und sie sehr wohl wissen, dass ihr Ende naht.

Zugegeben, ich hatte ein wenig Angst vor dem Schluss. Denn ich befürchtete, dass sich die Autorin zum Überkitsch schlechthin hinreißen lässt. Doch das tat sie nicht. Sie hat ein würdevolles und für das Buch mehr als passendes Ende geschaffen, das mich erstaunt und berührt zurücklässt.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist poetisch, manchmal chaotisch, aber so kreativ und voller Herz, dass ich so manchen Satz nochmals gelesen habe, einfach weil er so schön war.


Fazit: ein wundervolles, ja sogar wichtiges Buch zum Thema letzte Wünsche. Ich kann es rundherum empfehlen.

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