5. März 2015

Sein Kampfeswille überlebte alles

True Crime 
von Sam Millar

Eine Leseprobe findet ihr hier

Sam Millar war an einem der größten Raubüberfälle der USA beteiligt. Dafür wurde er verurteilt und saß seine Strafe ab. Nachdem er in seine Heimat Nordirland zurückdurfte, schrieb er in erster Linie Krimis. Mit seiner Autobiographie "True Crime" gewährt uns der Ire nun Einblick in sein Leben und wie er es trotz mehrjähriger Haftstrafen und Folterungen schaffte, er selbst zu bleiben.

Bevor ich "True Crime" in den Händen hielt und gelesen habe, hatte ich von Sam Millar noch nichts gehört. Er war mir ebenso unbekannt, wie mir auch die Geschichte der katholischen Iren in Belfast nicht wirklich geläufig ist. Ich kenne zwar einige Bilder, habe mich aber nie näher damit befasst. Nach der Lektüre des Buches ist mein Interesse an den blutigen Kämpfen gestiegen und ich werde mich damit nun intensiver beschäftigen.

Doch der Autor will keineswegs zu einem Geschichtslehrer werden oder den Zeigefinger erheben. In seiner Biographie erzählt Millar von seinem Leben. Aufgewachsen in Belfast als Katholik unter Protestanten war sein Leben von Beginn an nicht einfach. Schon früh musste er ohne Mutter aufwachsen und lernen, dass er mit seinem Glauben, den er selbst nicht viel abgewinnen kann, ein Mensch zweiter Klasse ist.

Aus fadenscheinigen Gründen wird er das erste Mal im Alter von 17 verhaftet und damit beginnt seine mehr als unwürdige Knastlaufbahn. Ohne Anklage wird er gefangen gehalten, gefoltert und gedemütigt. Der Grund: er wird verdächtigt, der Organisation IRA anzugehören. Der Gag an der Sache: er schließt sich dieser Gruppe erst im Laufe seines Knastlebens an, getreu dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert..."

Später wandert Millar in die USA aus, kann aber auch dort nicht die Finger von illegalen Geschäften lassen. Der Raubüberfall, bei dem er und seine Komplizen 8 Millionen Dollar erbeuten, ist der Höhepunkt seiner "Karriere". Bis heute fehlt vom Großteil des Geldes jede Spur.

Sam Millar hat mich mit seiner Biographie durchaus beeindruckt. Ich wusste nicht, wie menschenunwürdig die britische Regierung noch in den 70ern und 80ern des 20. Jahrhunderts mit unliebsamen politischen Gefangenen umgegangen ist. Dass der Ire dabei seinen Verstand und seinen Mut behielt, ist bewundernswert. Auch wenn man es mit einem schweren Jungen zu tun hat.

Dies habe ich beim Lesen oftmals aus dem Blick verloren. Ich hatte Mitgefühl mit Sam, war wütend, wenn er unfair behandelt wurde und drückte ihm sogar die Daumen bei dem Überfall. Erst nach der Lektüre ist mir wieder bewusst geworden, dass ich hier einem verurteilten Verbrecher mental die Hand gehalten habe. Dieser Fakt hat mich erschrocken, aber auch umso mehr für Millar eingenommen.

Der Stil des Autor ist gut zu lesen. Seine Erzählweise ist geprägt von Ehrlichkeit (soweit ich dies beurteilen kann), Offenheit und einem Hang zum Sarkasmus. Selbst seine schlimmsten Folterungen beschreibt der Ire mit einem Zwinkern und dem Humor des Verzweifelten. Wer allerdings auf Emotionen und Tränen hofft, wird enttäuscht werden. Sam Millar erzählt sehr abgeklärt von seinem Schicksal.

Fazit: eine Autobiographie, die sich zu lesen lohnt. Ich kann sie empfehlen.


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