Sonntag, 18. Januar 2015

Träume, die zerplatzen; Wege, die nie gegangen werden

Allee der Kosmonauten
von Anne Krüger


Mathilda ist Ende 20, sitzt an der Kasse und weiß mit ihrem Leben nicht so wirklich etwas anzufangen. Ihr großer Traum als Kind in der DDR war es, Kosmonautin zu werden. Doch ihr schwacher Magen hat ihr da einen Strich durch die Rechnung gemacht. So bleibt ihr nur das Träumen vom Weltraum und die Erkenntnis, dass sie bisher nichts erreicht hat. Ihre Beziehung zerbricht und eine neue Liebe zu finden ist gar nicht so einfach. Mathilda gibt jedoch nicht auf....

"Allee der Kosmonauten" ist das Debüt von Anne Krüger und es hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin zeichnet ein realistisches und eher düsteres Bild einer Generation, deren Heimat verschwunden ist und die sich nun mit anderen Standards im Leben zurecht finden muss.

Mathilda erzählt selbst aus ihrem Leben und lässt den Leser so an den wenigen Höhen und recht vielen Tiefen teilhaben. Ihre Gedankengänge wirken ab und an abgehackt, jedoch verbirgt sich hinter fast jedem eine Tiefe, die man der Figur zunächst nicht zutraut.

Denn Mathilda ist keine Sympathieträgerin. Ich wusste bis zum Schluss nicht, ob ich mehr als Interesse für sie empfinden soll. Und ich denke, dass dies auch von der Autorin beabsichtigt ist. Denn es zeigt, dass man nicht zwingend mit Mathilda warm werden muss um ihre Geschichte spannend finden zu können.

Obwohl die Erzählungen selbst großteilig den Alltag in Berlin wiedergeben, hat mich das melancholische und unmotivierte Dasein Mathildas in seinen Bann geschlagen. Die junge Frau erlebt das Ende ihrer Beziehung, schlägt sich in einem Job rum, den sie nie wollte und weiß auch sonst nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll. Sie raucht, trinkt gern Alkohol und verzieht sich, wenn sie nicht zwingend mit Menschen in Kontakt treten muss, in ihr Schneckenhaus.

Für mich ist sie damit eines der vielen Gesichter jener Generation, die in der DDR aufgewachsen ist und sich dann mitten in ihrer Jugend in einem neuen Wertesystem zurecht finden musste.

Während des Lesens konnte ich mit der Berlinerin mitfühlen, mitdenken und verstand sie sogar in ihrer Lethargie. Allerdings finde ich, dass man für das Buch in der richtigen Stimmung sein muss, da es schon resignierend und traurig auf einen wirkt. Daher ist das Werk von Anne Krüger nichts für zwischendurch oder nebenbei. Man sollte sich schon voll und ganz auf den Roman einlassen können.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist schnörkellos, manchmal verwirrend, aber in sich logisch und ich konnte Mathildas Gedanken gerade durch das ab und an verworrende sehr gut nachvollziehen.


Fazit: ein melancholisches, nachdenkliches Buch, das mir in Erinnerung bleiben wird. Ich kann es empfehlen.

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