25. Januar 2015

Eine Überfahrt, die schwerer hätte sein können

Das Hurenschiff
von Martina Sahler

Eine Leseprobe findet ihr hier

London, 1788: die junge Dirne Molly Monday beboachtet aus ihrem Versteck ein furchtbares Verbrechen an ihrer "Kollegin" Rachel. Der Täter erkennt Molly und kurze Zeit später wird die 13-Jährige verhaftet. Nach einigen Monaten im Gefängnis wird das Urteil gefällt: Molly und ihre Mitgefangenen, darunter die Chefin des Puffs Dorothy, werden auf dem Schiff "Lady Juliana" nach Australien verschifft. Wie viele werden in der Kolonie ankommen, wenn unterwegs Sturm, Hunger und andere Gefahren lauern?

"Das Hurenschiff" ist ein historischer Roman von Martina Sahler. Von der Autorin kenne ich bereits die ersten 2 Bände der Wolga-Deutschen-Saga, die mir sehr gut gefallen hatten. Der Roman um Molly und ihre Leidensgenossinnen kann damit leider nicht mithalten.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet. Dabei folgt man neben Molly auch der jungen Claire, die zu Unrecht verurteilt wurde, und Dorothy. Allen Frauen ist eins gemein: sie teilen ihr Schicksal auf der Lady Juliana. Während Claire eher ein verhuschtes Wesen aus gutem Hause ist, kämpft Molly sich schon seit Jahren auf den Straßen Londons durchs Leben und verdient als leichtes Mädchen ihr Geld. Auf dem Schiff nutzt ihr das, denn auch dort herrscht, wie überall, ein Konkurrenzkampf sondergleichen.

Und dennoch halten die Frauen zusammen, wenn es darauf ankommt. Denn wenn eine männliche Crew mit weiblichen Gefangenen Monate lang auf offener See unterwegs ist, bleibt Nachwuchs nicht aus. Und auch sonst müssen die Frauen auf dem Schiff helfen und erarbeiten sich so den Respekt der Crew.

Obwohl mir die Figuren ans Herz gewachsen sind und ich durch den tollen Stil Martina Sahlers auch schnell im Roman drin war, fehlte mir der letzte Funken Spannung bei der Geschichte selbst. Konflikte werden sehr schnell aus der Welt geschaffen oder lösen sich durch ein paar Worte direkt in Luft auf. Egal, welche Figuren involviert sind, Streitigkeiten werden mit Worten, nicht mit Taten gelöst und jeder zeigt sich einsichtig. In meinen Augen passt das nicht zu einer Zeit, in der sich jeder selbst der nächste war. Und es passt auch nicht zu dem Milieu, aus dem die Charaktere kommen. Denn auf der Straße galt das Gesetz des Stärkeren und vertrauen konnte man nur sich selbst.

Die Überfahrt hält zwar manche Unwägbarkeit bereit, aber auch hier gibt es kaum etwas zu beklagen. Und so and ich es auch schade, dass der letzte Reiseabschnitt von Kapstadt nach Australien selbst innerhalb weniger Seiten abgehandelt wurde. Hier hätte mich mir mehr Zeit und Details gewünscht. Zudem hält das Finale noch etwas bereit, was mir persönlich zu dick aufgetragen war. Es passte einfach zu gut um wahr zu ein.

Der Stil von Martina Sahler ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise hat mich sofort gefangen genommen und der Roman flog nur an mir vorbei, so schnell wollte ich wissen, wie es weitergeht.


Fazit: ein leichtes Buch mit zu wenig Konflikten. Für einen sonnigen Nachmittag geeignet.

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