7. Dezember 2014

Quo vadis, Männer?

Betamännchen
Sind die Männer noch zu retten?
von Stefan Bonner und Anne Weiss

Eine Leseprobe findet ihr hier

Jahrzehnte lang haben wir uns auf ein Thema konzentriert: die Gleichberechtigung der Frau. Und so wichtig und richtig das Thema auch ist, hat man doch die Kehrseite aus den Augen verloren. Was wird eigentlich aus einem Mann, der sich selbstständigen, erfolgreichen Frauen gegenüber sieht? Darf er überhaupt noch Mann sein? Oder ist das nur noch bäh? Diesen Fragen versucht das Autorenduo aus Stefan Bonner und Anne Weiss auf den Grund zu gehen.

Ich kenne von den beiden Autoren schon das Werk "Heilige Scheiße" und habe damals herzhaft über die Ausführungen zum Thema Religion gelacht. Nun machen sich die beiden auf um zu erforschen, ob ein Mann noch ein Mann sein darf. Und das tun sie auf humorvolle und doch nachdenklich stimmende Weise.

Weiss und Bonner wechseln sich kapitelweise ab und erzählen dabei von ihren Erfahrungen mit dem vermeintlich schwachen Geschlecht, von Datingkatastrophen und wie sehr ein Mann ins Schwimmen kommt, wenn die Freundin mit den Worten "Ich bin schwanger" durch die Tür stapft. Ihre Beschreibungen sind dabei witzig, humorvoll und nicht überzogen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass das Duo gezwungen lustig sein will. Ihr Humor wirkt natürlich und direkt.

Stefan muss sich dem Thema Nachwuchs und den daraus wachsenden Herausforderungen stellen. Dabei muss er erkennen, dass nicht mal wir Frauen wissen, was wir eigentlich von einem Mann wollen. Aber wir wissen, was wir nicht wollen. Und genau in diese No-Gos tapst er mit einer Zielsicherheit, wie sie nur Wilhelm Tell zu eigen war. Seine Gedankengänge sind dabei auch für Frauen sehr gut nachvollziehbar und so manches Mal musste ich mir an die eigene Nase packen, denn so manches verzweifelte Aufstöhnen Stefans hätte auch ich hervorrufen können. Einfach nur, weil ich selbst ab und an unentschieden bin und von meinem männlichen Gegenpart erwarte, dass er genau weiß, was ich will.

Anne entführte mich in die Welt von Dating, Pannen und Katastrophen. Ja, ich habe oft schallend gelacht, wenn sie wieder von einem sehr üblen Rendevous erzählt hat. Und auch als alles super und rosa erscheint, zeigt die Autorin, dass selbst das sie nicht zufrieden stellen kann. Ärgerlich und ziemlich egoistisch, diese Einstellung, meint ihr? Tja, wer die Gedanken liest, wird merken, dass man selbst schon mal genau SO gedacht und es als völlig normal und nachvollziehbar angesehen hat.

Und genau solche Situationen haben mich, trotz allen Witzes, zum Nachdenken gebracht. Was will die Gesellschaft von den Männern? Was wollen wir Frauen? Und wie machen wir das verständlich, so dass ein Mann sich nicht als softiger Naturbursche mit Familiensinn und Beschützerinstinkt fühlen muss? Diese Fragen bleiben offen und die beiden Autoren überlassen es dem Leser, eine Antwort zu finden. Das finde ich sehr gut.

Der Stil von Stefan Bonner und Anne Weiss ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise wirkt natürlich und ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass die beiden mir gegenüber sitzen und wir bei einem Kaffee oder Tee über das Leben plaudern. So machen auch Sachbücher Spaß!


Fazit: wohin es mit den Männern geht, wissen die beiden Autoren auch nicht. Aber ihre Gedankenspiele dazu sind allemal lesenswert. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

1 Kommentar:

  1. Männer haben es nicht leicht. Aber solange wir sie als Menschen mit Gefühlen betrachten, ist alles in Ordnung :-)

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