22. Dezember 2014

Der schwächste Strobel

Das Dorf
von Arno Strobel

Eine Leseprobe findet ihr hier

Bastian bekommt einen panischen Anruf seiner Ex-Freundin. Anna stammelt etwas von Entführung, einem kleinen Dorf in der Müritz und dass Bastian sie retten müsse. Noch bevor er begreifen kann, was los ist, ist Anna weg. Kurze Zeit später klingelt sein Handy wieder und eine männliche Stimme teilt ihm mit, dass er Anna vergessen soll. Das kann Bastian nicht und verständigt die Polizei. Diese kann aber nichts weiter finden. Und so macht sich Bastian mit seinem besten Freund Safi selbst auf die Suche nach Anna. Dabei geraten die beiden in ein Dorf, das in der Zeit stehen geblieben zu sein schien. Und auch die Bewohner sind mehr als merkwürdig...

"Das Dorf" ist der neuste Thriller von Arno Strobel. Einige seiner Werke liegen noch auf meinem Zu-Lesen-Stapel. Und "Das Skript" fand ich toll. Doch mit seinem neusten Buch konnte er mich so gar nicht begeistern. Vielleicht waren aber auch nur meine Erwartungen zu hoch?!

Die Geschichte wird zwar aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, jedoch folgt man nur der Hauptfigur Bastian. Dieser macht sich nach dem panischen Anruf seiner Ex, mit der er 4 Wochen zusammen war, auf die Suche nach ihr und landet dabei in einem Dorf, das ihn das Fürchten lehrt. Abgeschnitten von der Außenwelt passieren dort Dinge, die sich Bastian nicht erklären kann. Und er trifft dort auf Ablehnung, Angst und eine geheimnisvolle Sekte, die Rituale vollzieht.

Diese Grundideen klingen durchaus interessant, sind aber von Arno Strobel nicht gut umgesetzt.

Zum Einen mochte bei mir nicht die unheimliche und gruselige Stimmung aufkommen, die der Autor mit seinen Erzählungen durchaus beabsichtigt hatte. Zwar lief es mir ab und an schon kalt den Rücken runter, aber eine durchgängige Gruselatmosphäre wollte nicht aufkommen. Das mag auch daran liegen, dass mir die Figur von Bastian den gesamten Roman über fremd blieb. Ich konnte keine Bindung zu dem Mann aufbauen. Und dadurch war mir sein Schicksal auch gleichgültig.

Zum Anderen gab es mir in der Geschichte selbst zu viele Ungereimtheiten. Ich möchte nicht alle aufzählen, da manche erst im Laufe der Story relevant werden. Dennoch hier eine kleine Auswahl:

  • Bastian erreicht die Polizei nicht, da er kein Netz hat. In einem dünn besiedelten Gebiet nicht ungewöhnlich. Allerdings funktioniert der Notruf auch ohne Netzabdeckung.
  • Die Hauptfigur will seine Ex-Freundin retten, obwohl er mit ihr nur 4 Wochen zusammen war und sie ihn verlassen hat. Dadurch, dass ich Bastian nicht nahe kommen konnte, wirkte dieses Verhalten auf mich unlogisch.
  • Als Bastian merkt, dass er die Polizei nicht erreichen kann, macht er sich zu Fuß auf dem Weg zur nächsten Hauptverkehrsstraße, sondern bleibt im Dorf und vertraut fast blind einer Bewohnerin. Und das, obwohl er dem gesamten Dorf skeptisch gegenüber steht.
  • Im Verlauf der Geschichte gibt es immer wieder Dinge, die sich Bastian nicht erklären kann. Und er akzeptiert dann die Lösung, die ihm präsentiert wird, obwohl diese doch abstrus klingt. Da hätte ich etwas anderes von ihm erwartet.

Das Ende hat mich überrascht und reißt somit meinen Gesamteindruck ein wenig heraus. Allerdings gibt es auch dort Erklärungen, die mir zu einfach erscheinen. Hier hätten mehr Details nicht nur Sinn ergeben, sondern wären in meinen Augen auch dringend notwendig gewesen. Denn so bleibe ich ratlos und enttäuscht zurück.

Der Stil von Arno Strobel ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ruhig und unaufgeregt. Und obwohl ich zwischendrin das Interesse verloren hatte, wollte ich doch wissen, wie es mit Bastian zu Ende geht.


Fazit: "Das Dorf" ist der für mich schwächste Strobel. Aus der Geschichte hätte man so viel machen können. Schade!

1 Kommentar:

  1. Ohje, ohje..

    dabei war ich doch sooo neugierig auf den neusten Strobel :/ Lesen werd ich ihn wohl trotzdem...aber vllt landet er doch eher ein wenig weiter unten in der Prio-Liste :/

    LG
    Eva

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