Mittwoch, 26. November 2014

Wie überlebt man im Mittelalter der Zukunft?

28 Jahre danach
von Skara Daniell

Eine Leseprobe findet ihr hier

Deutschland in der Zukunft: ein Großteil der Menschheit existiert nicht mehr. Eine Krankheit hat die Möglichkeit der Fortpflanzung stark eingeschränkt. Die Überlebenden sprechen nur noch von der Seuche. Franziska lebt mit ihrem Bruder Leo 28 Jahre danach in einem Haus, weit entfernt von jeglicher Zivilisation. So hat es ihnen ihr Vater beigebracht. Auf einem Erkundungsrundgang entdecken die beiden 2 Wanderer. Während Leo so gern Kontakt schließen möchte, ist Franziska skeptisch. Dennoch folgen sie den beiden und kommen schließlich sogar ins Gespräch. Die beiden Kundschafter bieten dem Geschwisterpaar an, ihnen zu ihrer Gemeinschaft zu folgen. Leo ist Feuer und Flamme, Franziska eher zurückhaltend. Traue niemanden, hat ihr Vater immer gesagt. Wird er Recht behalten?

"28 Jahre danach" ist das Debüt der Indie-Autorin Skara Daniell. Ihren Roman hat sie im Selfpublishing veröffentlicht. Gerade Selfpublishern gegenüber bin ich erstmal skeptisch, da auch vieles erscheint, was lieber in der Schublade geblieben wäre, doch Skara Daniell hat mit ihrer dystopischen Zukunftsvision eine wahre Perle erschaffen.

Die Geschichte wird von der Hauptfigur Franziska erzählt. Sie kennt die Welt nur so, wie sie 28 Jahre nach der Seuche ist. Elektrizität, fließendes Wasser und ähnlichen Luxus kennt sie nur aus den Erzählungen ihrer verstorbenen Eltern. Sie und ihr jüngerer Bruder kämpfen sich zu zweit durchs Leben. Bis sie eben auf 2 Kundschafter treffen. Und damit ändert sich alles.

Diese Veränderungen merkt man auch den Erzählungen Franziskas an. Während ihr Bruder so gar kein Problem hat sich anzupassen, fällt es ihr mehr als schwer. Selbstzweifel plagen sie jedoch nicht, im Gegenteil, sie gibt den Veränderungen die Schuld. Was auf mich normalerweise einfach nur störrisch gewirkt hätte, passt hier perfekt ins Bild. Die junge Frau kennt nur das Leben mit ihrem Bruder, da machen sie Veränderungen einfach skeptisch. Und das bringt sie als Erzählerin auch sehr gut rüber. Ich habe mit ihr gegrübelt, geforscht und war mit ihr gemeinsam misstrauisch.

Emotionen scheint die Hauptfigur kaum zu besitzen. Das mutet zu Beginn seltsam an, wird aber im Laufe des Buches immer normaler. Wer nie Kontakt zu anderen Menschen hatte, kann auch kaum sowas wie Empathie oder ähnliches aufbringen geschweige denn fühlen. Dabei wirkt Franziska keineswegs kaltherzig, sondern fast hilflos. Und das macht sie für mich umso menschlicher.

Auch die Story selbst ist spannend. Wie überlebt man in einer Welt, in der es so gut wie nichts mehr gibt? Wie überlebt man, wenn das ganze Land quasi ins Mittelalter zurückversetzt wurde? Und was macht man, wenn man erfährt, dass Jagd gemacht wird; Jagd auf bestimmte Frauen? Genau diese Fragen stellten sich mir während des Lesens und Skara Daniell hat auf diese und weitere Gedankengänge teilweise beängstigende, aber durchaus realistische Antworten gefunden.

Das Ende bietet genug Potenzial für eine Fortsetzung und da ich Franziska, Leo und Tom ins Herz geschlossen habe, hoffe ich, dass die Autorin sich bald an den 2. Teil macht.

Der Stil von Skara Daniell ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist nüchtern, beobachtend und sehr ruhig. Sie passt sehr gut zu ihrer unaufgeregten und starken Hauptfigur.


Fazit: ein für mich sehr gelungenes Debüt, von dem ich gern eine Fortsetzung lesen möchte. Wer Zukunftsvisionen mag, sollte zugreifen.

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