4. November 2014

Nicht locker-leicht, sondern eher traurig

Willkommen Zuhause!
von Katja Altenhoven

Eine Leseprobe findet ihr hier

Renée trauert um ihren Mann Martin, der bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. In der viel zu großen Wohnung in Kreuzberg kommt sich Renée verloren und einsam vor. Da reift in ihr eine Idee: warum nicht mit den guten Freunden zusammenziehen? Mit Michael, ihrem besten Freund und Hausarzt; mit Anne und Pavel, sie Bundestagsabgeordnete, er Leiter eines Pflegeheims; mit Judith und Frank, beide am Existenszminimum lebend. Sofort unterbreitet sie ihre Idee ihren Freunden. Die Begeisterung ist da, dennoch einigt man sich auf ein Probewohnen in der Uckermark. Doch kann das gut gehen, wenn Menschen jenseits der 30 eine WG gründen?

"Willkommen Zuhause!" war mein erster Roman von Katja Altenhoven und er lässt mich zwiegespalten zurück. Von der Beschreibung her hatte ich einen locker-leichten, amüsanten Roman erwartet. Aber die Autorin hat sich für eine gediegene, fast schon melanchonische Variante entschieden.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man nicht nur einer Person, sondern darf am Leben aller 6 WG-Bewohner und Freunde teilhaben. Das hat mir gut gefallen, da ich somit jeden ein wenig kennenlernen und einschätzen konnte. Auch gewährt Katja Altenhoven, bevor die WG gegründet wird, kapitelweise einen Einblick in die bisherigen Leben der Freunde. Auch das hat mir gefallen, denn so konnte ich den Freundeskreis kennenlernen, als sie noch nicht zusammengelebt haben.

Als es dann ans Zusammenziehen geht, verliert der Roman für mich an Schwung und auch an Tiefe. Zwar versucht die Autorin, jede Person mal in den Mittelpunkt zu stellen, doch genau das wird ihr zum Verhängnis. Denn wie will man bei 6 Personen jedem gebührend Platz einräumen, ohne dass der Roman übermäßig lang wird? Nun umfasst "Willkommen Zuhause" gerade mal 340 Seiten und hätte somit noch länger werden können. Und das hätte ich mir auch gewünscht. Denn die Geschichte endet für mich an einer sehr offenen Stelle und ich habe doch noch so einige offene Fragen, die nicht geklärt werden.

Die Figuren, die die Autorin erschaffen hat, wirken menschlich, blieben für mich aber während des Lesens auf Distanz. Ich konnte zu keiner eine wirkliche Beziehung aufbauen, was eventuell auch an der unterschwelligen Melancholie liegen könnte, die diesem Roman innewohnt. Jeder der Freunde trägt sein eigenes Päckchen, was sehr realitätsnah ist, aber der Inhalt der Päckchen wurde nur kurz und nicht tiefgehend gezeigt. Schade!

Der Stil von Katja Altenhoven ist gut zu lesen. Ihr Stil ist nicht geradlinig, sondern schweift immer mal wieder aus, was aber sehr gut zum Roman gepasst hat.


Fazit: kein lockerer Roman, sondern eine traurig angehauchte Geschichte. Ich kann das Werk nur eingeschränkt weiterempfehlen.

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