Sonntag, 5. Oktober 2014

Es spukt im Herrenhaus

Haus der Geister
von John Boyne

Eine Leseprobe findet ihr hier

England, ausgehendes 19. Jahrhundert: Eliza Caine lebt mit ihrem Vater in London. Die junge Frau arbeitet als Lehrerin und ist mit ihrem Leben recht zufrieden. Doch dann ereilt eine schwere Krankheit ihren Vater, von der er sich auch nicht mehr erholt. Schweren Herzens verlässt Eliza London und geht als Gouvernante nach Norfolk. Als sie dort ankommt, wird sie nicht, wie üblich, vom Hausherrn begrüßt, sondern von den beiden Kindern Isabella und Eustace. Ein Erwachsener ist nicht zugegen. Und das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit...

"Das Haus der Geister" ist bereits der 10. Roman von John Boyne, für mich war es aber das erste Werk des Autoren. Vielen Lesern dürfte Boyne als Verfasser des erfolgreichen Romans "Der Junge im gestreiften Pyjama" bekannt sein. Sein 10. Roman beschäftigt sich nun mit Geistern und konnte mich überzeugen.

Die Geschichte wird von Eliza aus der Ich-Perspektive erzählt. Ihr Bericht beginnt vor ihrer Zeit in Norfolk und dadurch lernt man sie besser kennen. Eliza ist keine gewöhnliche Frau des 19. Jahrhunderts. Sie ist überzeugt, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen haben sollten und das man sich auch als Frau nicht einer eigenen Meinung schämen muss. Das fand ich erfrischend, da sie sich nicht unterbuttern ließ.

Als die Erzählung sich dann ihrer Zeit als Gouvernante zuwandt, habe ich direkt eine Veränderung bemerkt. Es wirkte, als ob Eliza sich zu Beginn selbst nicht glaubte, was sie erlebt hat. Und je mehr unheimliche Ereignisse hinzukamen, desto wütender wurde sie. Das hat mir gefallen, denn es zeigte, dass sie eine charakterstarke Figur ist. Diese Beständigkeit fand ich sehr gut.

Die Geschichte selbst hat mich gefesselt und kam in einem Gewand einer klassischen Geistergeschichte daher. Es gibt keinerlei Horrorelemente, sondern lediglich Beschreibungen von kalten Luftzügen, klammernden Händen oder unerklärlich verschlossenen Türen. John Boyne konzentriert sich auf die alte Art des Gruselns. Toll!

Zudem erfährt man auch eine Menge Hintergründe und Details zu der Familie, für die Eliza arbeitet. So erforscht man gemeinsam mit ihr mehr und mehr, was es mit dem Spuk im Herrenhaus auf sich hat. Leider bleiben dadurch die beiden Kinder Isabella und Eustace blass. Hier hätte ich mir mehr Raum für die beiden gewünscht.

Der Stil von John Boyne ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise passt zu einer jungen Frau und er lässt sich auch mal heftig für ihre Meinung eintreten. Zudem bedient er sich einer eher modernen Sprache, so dass Eliza verständlich bleibt. Diese Entscheidung des Autors fand ich sehr gut.


Fazit: wer sich ein wenig gruseln möchte, sollte "Haus der Geister" lesen. Und keine Bange, man kann danach noch beruhigt im Dunkeln schlafen.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches!

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