Mittwoch, 3. September 2014

Nicht mal dein Körper gehört dir!

Vollendet
(Vollendet-Reihe Band 1)
von Neal Shusterman

Connor ist 16 und hat eine Menge Probleme. Risa lebt in einem Waisenhaus und kann Klavier spielen. Levi ist das jüngste von 10 Geschwistern und glaubt an Gott. Sie alle haben eines gemeinsam: sie sollen umgewandelt werden. Während Levi dieses Schicksal herbeisehnt, wollen Risa und Connor sich nicht einfach so in ihres fügen. Und so beginnt eine Flucht voller Gefahren, Verrat und Schrecken...

"Vollendet" war mein erstes Buch von Neal Shusterman und es hat mich begeistert und entsetzt. Der Autor zeichnet eine düstere Zukunft, in der Jugendliche von 13 bis 18 Jahren kaum Rechte haben und nur eine wertvolle Sache besitzen: ihren Körper. Und über diesen dürfen sie nicht mal selbst bestimmen.

Die Geschichte um die 3 Jugendlichen hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. Neal Shusterman fackelt nicht lang mit einem Leser und wirft ihn mit seiner "Charta des Lebens" direkt ins kalte Wasser. Diese Charta legt fest, dass Jugendliche rückwirkend abgetrieben werden können und ihre Körper vollständig umgewandelt, sprich gespendet, werden sollen. Diese Realität, die der Autor erschafft, ist so erschreckend und wird doch vollkommen von seinen Figuren akzeptiert. Dass etwas so lebensfeindliches und abstoßendes einen Krieg beendet hat, konnte ich fast nicht glauben. Aber auf der anderen Seite, wenn ich mir die ganzen Debatten um das Thema Abtreibung und Leben anschaue, kann ich sehr gut nachvollziehen, warum Shusterman genau diese Lösung gewählt hat. Er legt damit den Finger in eine große Wunde unserere Zeit.

Connor, Risa und Levi agieren in ihrer Welt realitätsnah und nachvollziehbar. Mir sind alle 3 ans Herz gewachsen, wobei ich bei allen zwischendrin ins Schwanken geraten bin. Und das hat mir sehr gut gefallen, denn jeder der Drei ist menschlich und nicht einfach nur ein Held beziehungsweise Antiheld. Endlich hat mal ein Autor Protagonisten erschaffen, die nicht alles können oder wissen. Toll!

Das Ende von "Vollendet" ist rund, aber offen. Neal Shusterman beendet genug Stränge, lässt aber auch so manchen unvollendet, so dass ich mich schon jetzt auf Band 2 freue.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt und teilweise schonungslos, wobei er nie blutig oder grausam wird. Er beschreibt Tatsachen, wie sie sind und beschönigt nichts. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: ein grandioser Auftakt zu einer dunklen Trilogie. Für Dystopie-Fans eine klare Leseempfehlung.

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