19. September 2014

Mein Interview mit Michael Thode


Der Thriller "Das stumme Kind" konnte mich begeistern und so habe ich es mir nicht nehmen lassen, mal dem Autor Michael Thode auf den Zahn zu fühlen. Und Michael hat sich gern meinen Fragen gestellt. Viel Spaß beim Lesen!


F: Meine erste und zugleich auch liebste Frage: welches Buch liest du aktuell?

A: Im Moment lese ich "Still" von Zoran Drvenkar. Ich mag seinen Schreibstil sehr und habe dem Erscheinen von "Still" regelrecht entgegengefiebert.


F: "Das stumme Kind" ist nun dein erster Thriller. Wie ging es dir damit, als du von Kurzgeschichten auf ein vollständiges Buch umgestiegen bist?

A: Der größte Unterschied ist der Zeitaufwand und die Energie, die ich in eine Kurzgeschichte beziehungsweise in ein vollständiges Buch investiere. An einer Kurzgeschichte arbeite ich etwa vier Wochen. An meinem Debüt "Das stumme Kind" habe ich dagegen zwei Jahre lang geschrieben.
Bei der Arbeit an einem vollständigen Buch ist für mich die größte Herausforderung, die Motivation während der gesamten Zeit auf einem hohen Niveau zu halten. Sobald ich das Gefühl habe, dass die Motivaton nachlässt, unterbreche ich die Arbeit und schreibe eine Kurzgeschichte. Dann habe ich vergleichsweise schnell ein Ergebnis in der Hand, und das motiviert mich dann wiederum für das Buchprojekt.


F: In Mittelpunkt deines Buches steht unter anderem das komplette Ermittlerteam und nicht nur 2 oder 3 Hauptpersonen. Wie kam es dazu?

A: Ich interessiere mich sehr für Polizeiarbeit. Für "Das stumme Kind" hatte ich mir von Beginn an als Ziel gesetzt, diese Arbeit so realistisch wie möglich darzustellen. Daher habe ich mit Hauptkommissar Rolf Degenhardt und der Kommissaranwärterin Jana Liebisch nicht nur zwei Hauptakteure in die Handlung eingeführt, sondern auch dem gesamten Team einen realistischen Umfang für die Ermittlungsarbeit gegeben.


F: Hast du selbst Erfahrungen mit autistischen Kindern bzw. Autismus im Allgemeinen?

A: In der Vergangenheit ist mir das Thema Autismus immer wieder begegnet: zum einen durch persönliche Kontakte, zum anderen durch Bücher, die ich gelesen habe. 
Die Recherchearbeit zu dem autistischen Mädchen hat den weitaus größten Umfang eingenommen. Ich habe viel Fachliteratur und persönliche Erfahrungsberichte über diese Thematik gelesen, und ich habe mich mit Angehörigen, Psychologen, Bezugsbetreuern sowie Schulleitern von Förderschulen unterhalten. Auch hier war mein Anspruch, das autistische Mädchen Anna so realitätsnah wie möglich zu beschreiben.


F: Wird es weitere Bände mit den Ermittlern aus der Lüneburger Heide geben?

A: Ja, es wird weitere Bände geben. Derzeit arbeite ich an dem zweiten Fall, den Rolf Degenhardt und Jana Liebisch gemeinsam lösen müssen.


F: Wenn du schreibst, wie und wo tust du das?

A: Beim Schreiben ist es für mich sehr wichtig, vollständig in die Handlung und die Dialoge einzutauchen. Das gelingt mir nur, wenn es um mich herum still ist und ich nicht abgelenkt werde. Daher schreibe ich in meinem Arbeitszimmer: ohne Musik, ohne Telefon und ohne Zugang zum Internet.


F: Woher kommen deine Ideen?

A: Seitdem ich denken kann, habe ich eine ausgeprägte Phantasie. Schon als Kind konnte ich mich herrlich in Tagträumen verlieren. Für meine Umwelt ist das häufig anstrengend - für mich und meine Leidenschaft für das Schreiben ist das dagegen wie ein Geschenk.
Grundsätzlich mache ich keine Notizen: gute Ideen kehren immer wieder zurück und ich entwickle sie weiter. Abwegige Ideen verschwinden schnell wieder aus meinem Kopf, und das ist gut so.


F: Deine Biographie ist sehr abwechslungsreich. Wie kam es, dass du dich bei der Bundeswehr hast ausbilden lassen?

A: Nach dem Abitur 1994 war es Pflicht, Wehr- oder Zivildienst zu leisten. Zunächst war die Entscheidung für die Bundeswehr eine rein praktische, denn der Wehrdienst dauerte damals (im Gegensatz zum fünfzehnmonatigen Zivildienst) nur 12 Monate. Während der Grundausbildung habe ich dann von der Möglichkeit gehört, dass man sich bei der Bundeswehr innerhalb von zwei Jahren zum Reserveoffizier ausbilden lassen kann.
Ich habe mich darüber informiert - und die fachlichen und sportlichen Herausforderungen haben meinen Ehrgeiz geweckt. Damit war die Entscheidung gefallen. 


F: Deine Einsätze führten dich in den Kosovo und nach Afghanistan. Gab es für dich dort prägende Erlebnisse?

A: Ich erinnere mich vor allem an zwei prägende Erfahrungen:

Zum einen werde ich den Zusammenhalt der Soldaten während der Auslandseinsätze nicht vergessen. Etwas Vergleichbares habe ich weder vorher noch nachher erlebt. Ich denke, dass dies mit der besonderen Situation der Soldaten in den Auslandseinsätzen zusammenhängt: die Trennung von Freunden und Familien, das fremde kulturelle Umfeld sowie die angespannte Sicherheitslage in den Krisengebieten.

Zum anderen haben mich die Aufenthalte im Kosovo sowie in Afghanistan mit der enormen Armut der dortigen Bevölkerung konfrontiert. Selbst wenn diese Bilder in den Medien täglich präsent sind - ich konnte es erst "fühlen", als ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Das war eine Erfahrung, die mich bis heute beschäftigt.

  
F: Was wolltest du eigentlich als Kind unbedingt werden?

A: Ich wollte als Kind unbedingt Pilot werden. Aufgrund meiner Farbenblindheit musste ich diesen Traum allerdings recht früh aufgeben. Zum Glück, muss man wohl sagen, denn mein Orientierungssinn lässt sehr zu wünschen übrig (Fragt meine Frau bloß nicht danach!). Wahrscheinlich hätte ich den Zielflughafen nie gefunden.


F: Werden dich deine Leser auch mal live irgendwo erleben können?

A: Ich habe großen Spaß an Lesungen und ähnlichen Veranstaltungen. Eine aktuelle Übersicht gibt es auf meinen Internetseiten:  http://www.michael-thode.de/termine.html


Vielen, vielen Dank Michael für deine ausführlichen Antworten. Ich freue mich schon auf dein nächstes Buch.

Kommentare:

  1. Das Interview ist klasse! :D Habe das Buch auch mit viel Freude gelesen und bin doch sehr froh, dass Michael Thode Autor und nicht Pilot geworden ist! ;D

    Liebe Grüße, WortGestalt

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    1. Wäre ja nicht auszudenken, wenn man statt in die Karibik in die Antarktis geflogen wird, weil Pilot Thode sich nicht orientieren kann ;)

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