Sonntag, 21. September 2014

Leben ist das, was passiert, während du andere Pläne hast

Die Wahrscheinlichkeit des Glücks
von Gisa Klönne

Eine Leseprobe findet ihr hier

Frieda Telling, Astrophysikerin und eine Koryphäe auf ihrem Gebiet, ist auf dem Sprung nach Chile. Doch bevor sie abreist, begibt sie sich auf einen Abstecher nach Berlin um ihre Tochter Aline tanzen zu sehen. Die Premiere ist ein voller Erfolg und voller Stolz überreicht Frieda ihrer Tochter ein Geschenk von Großmutter Henny. Dieses Geschenk verändert das Leben von allen. Aline ist so geschockt, dass sie vor ein Auto rennt; Frieda weiß nicht, warum das Geschenk ihre Tochter so aufgeregt hat und Hennys Demenz schreitet sehr stark voran. Kann das Gehemnis gelüftet werden?

"Die Wahrscheinlichkeit des Glücks" ist mein erster Roman von Gisa Klönne gewesen, obwohl die Autorin schon länger in der Branche etabliert ist. Der Klappentext hatte es mir jedoch bei diesem Buch angetan und nach dem Lesen kann ich nur sagen: ich bin begeistert und gerührt.

Die Geschichte wird komplett aus der Erzählerperspektive berichtet, jedoch wechselt das Augenmerk zwischen Frieda, Arno, Henny und Aline. Arno bekommt im Laufe des Buches eine immer größere Rolle zugewiesen, jedoch möchte ich darüber nicht zu viel verraten. Denn warum und wie Frieda und Arno zusammenhängen, macht einen Teil des Zaubers des Romans aus.

Besonders überrascht hat mich die Geschichtsträchtigkeit des Romans. Frieda weiß von Anfang an, dass sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater in Sachsenhausen saßen und das nicht vor, sondern nach Kriegsende. Diesem fast vergessenen Kapitel deutscher und auch europäischer Geschichte haucht Gisa Klönne wieder Leben ein, ohne dabei mahnend oder urteilend vorzugehen. Sie erschafft eine Story um Liebe, Flucht und die Erkenntnis, das sehr wenig im Leben planbar ist. Genau diese Mischung hat mich gerührt und mich teilweise staunend lesen lassen.

Die Figuren wirken auf mich wie aus dem Leben gegriffen, auch wenn die Autorin sich nicht scheut, mal ein Klischee einzustreuen. Aber auch diese Einwürfe fügen sich passend in das Bild der handelnen Menschen ein. Zu Frieda konnte ich zunächst nur schwer eine Verbindung aufbauen, da sie analytisch und abgeklärt vorgeht. Erst als sie erkennt, was ihrer Tochter zugestoßen ist und dass sie dagegen nichts ausrichten kann, bekommt sie eine menschliche Seite. Dieser Wandel hat mich gefesselt.

Über das Ende möchte ich nicht allzu viele Worte verlieren, aber es passt wunderbar und ist doch überraschend.

Der Stil von Gisa Klönne ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist mal abgeklärt und mal fast poetisch, aber nie gestelzt oder abgehoben. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: ein berührendes Buch, das mich gefesselt hat und mich auch noch nach der letzten Seite nicht loslässt. Eine klare Leseempfehlung!

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