Mittwoch, 24. September 2014

Ein Jugendcamp der anderen Art

Stigmata - Nichts bleibt verborgen
von Beatrix Gurian

Eine Leseprobe findet ihr hier

Emma hat ihre Mutter durch einen Unfall verloren. Sie trauert, geht nicht außer Haus und will auch niemanden sehen. Dennoch muss sie ein Päckchen entgegennehmen, sonst nervt die Nachbarin. Und in diesem Päckchen stecken ein Fotoalbum und eine Nachricht: FINDE DIE MÖRDER DEINER MUTTER!! Emma ist wie elektrisiert. Ist ihre Mutter umgebracht worden? Um dem auf den Grund zu gehen, meldet sie sich in einem Jugendcamp an. Doch schon bald bereut sie diese Entscheidung!

"Stigmata – Nichts bleibt verborgen" war mein erstes Jugendbuch von Beatrix Gurian, obwohl die Autorin schon so einige Bücher verfasst hat. "Stigmata" hat mich begeistert und in seinen Bann gezogen, ist aber in meinen Augen eher was für ältere Jugendliche.

Die Geschichte wird von Emma aus der Ich-Perspektive erzählt. Zwischendrin gibt es auch Rückblicke in eine Vergangenheit voller Schmerz, Gewalt und Gläubigkeit. Wie diese Rückblicke mit Emmas Gegenwart zusammenhängen, erfährt man im Laufe des Buches, daher möchte ich nicht zu viel verraten.

Zu Emma konnte ich sehr schnell einen Draht aufbauen, auch wenn ich zu Beginn eher verwirrt als gefesselt war. Denn sie erzählt ihre Geschichte auch nicht chronologisch, sondern springt in den Wochen hin und her. Durch Ankündigungen an jedem Kapitelanfang konnte ich damit aber sehr gut umgehen. Die anderen 3 Jugendlichen, die mit Emma zusammen das Camp besuchen, bleiben eher blass und im Hintergrund. Ich denke aber, dass dies der Perspektive geschuldet ist.

Die Story ist spannend, ja geradezu hypnothisch. Durch die Ich-Perspektive erlebt man jedes Rätsel, jede Aufgabe, jede Nachforschung hautnah mit. Beatrix Gurian schafft es durch ihre Erzählweise eine geisterhafte, gruselige und furchterregende Stimmung aufzubauen. Ich habe mich teilweise wie in einem Horrorfilm gefühlt und mit Emma gezittert, geschrien und auch gerätselt. Je mehr die Geschichte fortschritt, desto rätselhafter wurde alles und ich konnte die Auflösung kaum noch erwarten.

Die Auflösung hat mich dann auch überzeugt und passt in meinen Augen sehr gut zum Gesamtwerk. Das Tolle ist, dass der Roman nicht einfach nach dem großen Finale endet, sondern dass man noch etwas über die Figuren erfährt. Und auch die Hintergründe werden beleuchtet. Das hat mir gefallen.

Allerdings, und das möchte ich auch nicht verschweigen, muss man einige Dinge als gegeben hinnehmen. So scheint Emma, obwohl sie einen Vormund hat und somit noch nicht volljährig ist, weder zur Schule zu gehen noch eine Ausbildung zu machen. Auch das sie alleine wohnt, war für mich verwunderlich. Aber das sind eher Randnotizen, die mich zum Grübeln gebracht haben.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise lockte mich immer tiefer in das Camp und zwischendrin konnte ich keiner der Figuren mehr trauen. Beatrix Gurian schafft es perfekt, Zwietracht und Missgunst zu säen. Und zwar so gut, dass selbst ich jedem misstraut habe.


Fazit: ein Jugendbuch, das mich auch nach dem Beenden nicht loslassen wird. Eine klare Leseempfehlung für jeden, der sich gern gruselt.

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