30. September 2014

Das Dorf schweigt!

Das Dorf der Mörder
(Sanela-Beara-Reihe Band 1)
von Elisabeth Herrmann

Eine Leseprobe findet ihr hier

Im Berliner Tierpark werden in einem Gehege Teile einer Leiche gefunden. Die Streifenpolizistin Sanela Beara ist mit ihrem Kollegen zuerst am Tatort. Doch statt Dienst nach Vorschrift zu tun, ermittelt Sanela auf eigene Faust. Kurze Zeit später wird die Mitarbeiterin des Tierparks Charlotte "Charlie" Rubin verhaftet. Sie ist geständig. Und dennoch lässt der Fall Sanela keine Ruhe. Auch dem angehenden Psychotherapeuten Jeremy Saaler, der zusammen mit seinem Chef Dr. Dr. Brock das Gutachten über Charlie erstellen soll, kommen Zweifel an der Täterschaft. Doch wie soll er das beweisen, wo doch selbst die Täterin alles zugibt?

"Das Dorf der Mörder" ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe von Elisabeth Herrmann. Ich habe von der Autorin bisher fast alle Werke gelesen und auch ihr neuster Krimi konnte mich überzeugen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zum Einen der Polizistin Sanela, deren Neugierde nicht immer förderlich ist, zum Anderen den angehenden Psychotherapeuten Jeremy Saaler, der für seinen Beruf noch viel lernen muss. In manchen Kapiteln begleitet man auch Sanelas Chef, doch in der Hauptsache konzentriert sich der Roman auf die beiden erstgenannten Figuren.

Sanela und Jeremy sind dabei keine reinen Sympathieträger. Vor allem mit der engagierten Polizistin hatte ich lange Zeit Probleme. Für mich war sie an vielen Stellen übermotiviert, dickköpfig und einfach stur. Erst spät, fast zu spät, wird ihr Vorgehen schlüssig erklärt und so konnte ich einen Draht zu ihr finden.

Auch Jeremy macht es einem nicht einfach, aber zu ihm konnte ich schneller einen Zugang finden als zu Sanela. Elisabeth Herrmann hat mit den beiden Trägern ihrer Geschichte keine einfachen oder glatten Figuren erschaffen, sondern sich bewusst für Menschen entschieden, deren Leben keine gerade Linie war und ist. Das hat mir gefallen.

Der Krimi selbst ist fesselnd und spannend. Die Ermittlungen stehen klar im Vordergrund, wobei es in erster Linie um die eigenmächtigen Ermittlungen von Beara geht. Dabei habe ich mir so manches Mal an den Kopf gefasst und gestaunt, was sie sich alles rausnimmt und was ihr ihr Chef alles durchgehen lässt. Der Grat zwischen Glaubwürdigkeit und Übertreibung war dabei sehr schmal in meinen Augen. Je weiter jedoch diese Ermittlungen voranschritten, desto mehr wollte ich einfach wissen, was es mit Charlie, ihrer Schwester Cara und dem Heimatdorf der beiden auf sich hat. Und diese Geheimnisse haben mich gefangen genommen und erst nach der letzten Seite wieder losgelassen.

Der Stil von Elisabeth Herrmann ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, detailliert, wo es sich anbietet und dabei so verschlungen, dass man bis zum Schluss ratlos bleibt, wie alles zusammenhängt. Toll!

Fazit: ein gelungener Auftakt mit einer spröden Ermittlerin. Wer auch mal mit einer nicht sofort sympathischen Hauptfigur klar kommt, sollte zugreifen.



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