25. September 2014

Als der Krieg noch schlief...

Der Krieg und das Mädchen
von Jürgen Seidel


Eine Leseprobe findet ihr hier

Berlin, 1914: Mila und Fritz sind ein Paar, zumindest in den seltenen gemeinsamen Stunden. Ansonsten sind die beiden mit Fritz' Freunden unterwegs, schwadronieren über die Welt und reden über den Krieg, der angeblich bevorsteht. Während die Jungs schon scharf darauf sind, sich an der Front zu beweisen, hält Mila nicht viel davon. Doch laut sagen darf sie das nicht. Denn wer nicht für den Krieg ist, ist gegen den Kaiser und risikiert Kopf und Kragen. Zudem war Milas Vater Franzose, was die Sache für sie noch schwieriger macht. Daher verhält sie sich auch meist zurückhaltend. Aber als der Lehrer von Fritz und den Jungs sie beleidigt, platzt ihr der Kragen. Unter 4 Augen sagt sie dem Lehrer die Meinung und da passiert das Unglück: der Lehrer verstirbt in ihrem Beisein! Von nun an muss Mila sich gegen Anfeindungen und schlimmeres wehren...

"Der Krieg und das Mädchen" ist mein erster Roman von Jürgen Seidel und nach dem Lesen frage ich mich, warum eigentlich. Das Buch ist zwar für Jugendliche geschrieben und doch fühlte ich mich angesprochen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, dabei folgt man aber zumeist Mila und ihren Erlebnissen. Zu Beginn ist man auch häufiger an der Seite von Fritz, dies legt sich jedoch im Verlaufe des Romans. Durch diese beiden Jugendlichen gibt der Autor einen Einblick in die Gedankenwelt von Abiturienten kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. Ich habe schon einige Romane gelesen, die sich dem 1. Weltkrieg gewidmet haben, dennoch hat mir Jürgen Seidel nochmal eine ganz andere Welt eröffnet. Und das hat mich begeistert.

Der Autor konzentriert sich vor allem auf die Wochen kurz vor Ausbruch des Krieges. Denn schon in der Zeit davor gab es so viel Hass, Neid, Anfeindungen und ähnliches, was mich persönlich schon überrascht hat. Vor allem die Halbfranzösin Mila muss sich so gegen manche abstruse Anschuldigung wehren und kann doch nichts gegen die Staatsmacht tun, die sich 1914 alles heraus nimmt, was ihrer Ansicht nach dem Kaiserreich gut tut.

Auch die Kriegsfreude unter den jungen Männern kommt bei Seidel nicht zu kurz. Ich habe so manches Mal erschrocken Luft geholt, wie naiv und freudig die Jugendlichen den Krieg erwartet und wie sehr die Erwachsenen sie eingepeitscht haben.

Die Gedankenwelt seiner beiden Hauptfiguren widmet der Autor viel Zeit und auch fast philosophische Ansätze. Fritz hat viel tiefere Probleme, die er hofft an der Front loszuwerden. Mila hingegen wünscht sich einfach nur Ruhe und Frieden für sich und ihre Mutter und versteht die Welt nicht mehr.

Der Stil von Jürgen Seidel ist sehr gut zu lesen. Allerdings schreibt er nicht, wie für viele Jugendbücher typisch, simpel, sondern holt so manches Mal aus und gibt den Gedanken seiner Figuren sehr viel Raum. Dabei wirken manche Äußerung durchaus prophetisch. Mir hat das sehr gut gefallen, denn der Stil passt sehr gut zu diesem traurigen und so wichtigen Thema.


Fazit: ein grandioses Jugendbuch zum 1. Weltkrieg, das mich begeistert hat. Eine klare Leseempfehlung!

1 Kommentar:

  1. Das ist auch genau meine Meinung! Es handelt sich bei dem Buch um ein trauriges, aber auch wichtiges Thema und auch mich hat es begeistert. Deshalb auch von mir eine klare Leseempfehlung!

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