Montag, 25. August 2014

Erschreckend, aber witzig

Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus
von Martin Wehrle

Eine Leseprobe findet ihr hier

Jeder von uns hat doch bestimmt während der Arbeit mal gedacht "Die Welt ist ein Irrenhaus und hier ist die Zentrale!". Martin Wehrle zeigt mit seinem zweiten Band "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", wie irre die Unternehmen in Deutschland wirklich sind.

Dabei geht der Autor sehr stark auf die Arbeitnehmerseite ein. Die Ansichten des Arbeitgebers werden nicht wiedergegeben. Aber wer will auch die Argumente hören, wenn man liest, wie der Leiter eines Discounters versucht 2 seiner Angestellten per Auto zu überfahren, wie Mitarbeiter zum gegenseitigen Mobbing aufgerufen und wo Bewerbungen wahlweise nach Namen, Schädelgröße oder Sternzeichen aussortiert werden?

Während ich beim ersten Buch noch von Herzen gelacht und mit dem Kopf genickt habe, blieb mir hier so manches Mal der Mund offen stehen. Denn ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Schmerzfreiheit in den Unternehmen gibt. Und doch musste ich auch hier bei der Lektüre so manches Mal nicken. Leider, möchte ich sagen, denn so sollte mit keinem Mitarbeiter umgegangen werden.

Toll fand ich, dass Martin Wehrle in jedem Kapitel auch die Arbeitnehmer direkt zu Wort kommen lässt. In seiner "Sprechstunde" hat er Zuschriften von Lesern veröffentlicht und zeigt damit, dass seine Fälle, so traurig bis schreiend komisch sie anmuten, leider keine Einzelfälle sind.

Wer sich noch tiefer mit der Materie beschäftigen möchte, kann sich im Literaturverzeichnis vertiefen. Dort hat der Autor Bücher und Artikel zu den einzelnen Themen aufgelistet. Das hat mir sehr gut gefallen.

Im Gegensatz zu Band 1 zeigt Wehrle diesmal keinen Ausweg aus solch einem Irrenhaus. Klar, der Weg der Kündigung steht jedem offen, doch im Vorgänger wurden auch erfolgreiche Wechsel gezeigt, was mich mehr angesprochen hat.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Martin Wehrle spricht die Missstände klar an und zeigt auch, was er davon hält. Das Buch ist also keinesfalls objektiv, macht aber umso mehr Spaß.


Fazit: Wer Band 1 mochte, wird auch Band 2 mögen. Ich kann es nur empfehlen.

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