Mittwoch, 9. Juli 2014

Mein Interview mit Michael Kibler



Ich entdecke immer wieder gern für mich neue Autoren. Über den Piper-Verlag habe ich Michael Kibler und seine Darmstadt-Krimis kennengelernt. Dabei ist es ja schon fast peinlich, dass ich erst vor einigen Wochen auf den Autoren gestoßen bin, denn Herr Kibler ist schon lange im Geschäft. Und weil ich immer wieder gern mit Menschen und im Besonderen mit Krimiautoren plaudere, habe ich es mir nicht nehmen lassen, Michael Kibler mit Fragen zu bombardieren. Und er hat sogar geantwortet!

Viel Spaß mit dem Interview!


F: Zuerst meine Lieblingsfrage: welches Buch lesen Sie zur Zeit?

A: „Germania“ von Harald Gilbers. Er hat in diesem Jahr den Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Debut-Krimi bekommen - wie ich finde, nachdem ich nun zwei Drittel gelesen habe, absolut zu Recht.


F: Seit 2005 dürfen Ihre Leser nun schon das Ermittlerduo Hesgart/Horndeich in Darmstadt begleiten. Sehen Sie sich selbst als Regionalkrimi-Schreiber?

A: Ach, das ist immer so eine Sache mit diesem Regio-Etikett. In erster Linie möchte ich gute Krimis schreiben, die spannend sind, gut unterhalten und vielleicht auch die eine oder andere Frage zum Nachdenken aufwerfen. Natürlich spielt jeder Krimi irgendwo, mehr oder weniger verwurzelt. Ich kann in meinen Krimis sehr detailverliebt sein, und das natürlich auch in Bezug auf die Stadt in der ich lebe, sehr gern lebe, wie ich nicht müde werden zu betonen. Insofern können die Darmstädter die Bücher auch als verkappte Reiseführer interpretieren - ich möchte es eher so sehen, dass die Hamburger einen guten Krimi lesen können und für die Darmstädter ein paar Sahnehäubchen als Bonus dabei sind.


F: Mit "Sterbenszeit" kommt nun ein Krimi mit BKA-Kommissar auf den Markt. Werden Sie Ihrem Ermittlerduo untreu oder dürfen Fans auf weitere Bücher mit Hesgart und Horndeich hoffen?

A: Lorenz Rasper ermittelt für das BKA und damit bundesweit. Aber keine Angst, bereits der kommende Krimi, an dem ich schon arbeite, ist wieder ein echter Horndeich/Hesgart.


F: Was inspiriert Sie zu neuen Büchern?

A: Das Leben. Das ist so trivial wie wahr. Dazu gehört, dass man Dinge und Ereignisse sehr bewusst wahrnimmt, die schönen wie auch die nicht so schönen. Und es gehört dazu, dass man nicht aufhört, Fragen zu stellen. Besonders die Frage „Was wäre, wenn …?“ war bei mir der Startschuss für einige Geschichten.


F: Wenn Sie schreiben, wo und wie schreiben Sie?

A: Meistens schreibe ich an meinem Schreibtisch. Da sitzt die Tastatur in der richtigen Höhe, der Monitor hat die entsprechende Größe, mit dem auch meine Augen sich anfreunden können. Schließlich ist auf dem dortigen Rechner auch eine Diktiersoftware installiert und eine gute Kanne Tee ist immer in Reichweite. Manchmal, besonders wenn der Abgabetermin anfängt, richtig zu drücken, fahre ich für eine Woche zu meinem Vater ins so genannte „Schreibasyl“.


F: Ich habe gelesen, dass Sie Germanistik mit den Nebenfächern Filmwissenschaft und Psychologie studiert haben. Das ist eine interessante Kombination. War es für Sie schon immer klar, dass Sie Autor werden möchten?

A: Nein, durchaus nicht. Meine ersten Geschichten habe ich - abgesehen von Aufsätzen in der Schule - erst während des Zivildienstes geschrieben. Besonders das Studium der Filmwissenschaft hat sich im Nachhinein als sehr nützlich für den Beruf des Autors erwiesen: hier habe ich gelernt wie man Geschichten erzählt, verschiedene Strukturen verwenden kann, Personen lebendig gestaltet usw. Nun ja, Psychologie hat nun auch nicht wirklich geschadet, ebenso wenig wie Germanistik. Während des Studiums habe ich mich aber mehr auf die Sprachwissenschaft konzentriert, als auf Goethe und Co.


F: Was war Ihre bisher witzigste oder bizarrste Lesung?

A: Es gibt tatsächlich eine Lesung, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Ein Handy klingelte, während ich las. Das allein ist noch nichts Ungewöhnliches, kann immer mal passieren, ich habe dann meist einen lockeren Spruch auf den Lippen wie: „Das war jetzt die Werbeunterbrechung für Nokia“, meist mit dem Effekt, dass der oder die Betreffende etwas rot wird (dürfen sie ruhig…). Und das Handy ausmachen. Eine Dame hingegen hatte dazu keine Lust, sie nahm den Anruf an und fühlte sich bemüßigt, der Freundin am anderen Ende lautstark mitzuteilen, dass sie gerade in einer Lesung säße, und ja, es wäre ganz gut … Ich muss gestehen, wenige Dinge in meinem Leben habe mir die Sprache verschlagen, dieser Moment hingegen schon. Die Dame beendete das Gespräch auch erst, nachdem einige Zuhörer ihr - formulieren wir es einmal sehr freundlich - nahe legten, das Gespräch zu beenden.


F. Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht gerade schreiben oder Stadtführungen durchführen?

A: Ich gehe sehr gern spazieren, im Sommer auch im Woog schwimmen und außerdem bin ich bekennender Serien-Junkie.


F: Und zu guter Letzt: gibt es etwas, was Sie Ihren Lesern noch sagen möchten?

A: Aber klar doch: Liebe Leser, gebt Lorenz Rasper vom BKA eine Chance ;-)



Ich danke Michael Kibler vielmals für das aufschlußreiche und sehr interessante Interview. Ich selbst werde sowohl Lorenz Rasper eine Chance geben, als auch seinem Ermittler-Duo aus Darmstadt treu bleiben.

Kommentare:

  1. Hi Denise! Du hast mit "unserem Darmstadt-Autor" ein sehr schönes Interview geführt. Meine Frau hat bereits alle seine Bücher gelesen und bei YT rezensiert (rosesandivy77). Allerdings muß ich zu meiner Schande gestehen, ich noch nicht, aber ich muß es unbedingt nachholen. Kennen Michael Kibler auch und waren schon auf mehreren Lesungen hier bei uns im Hugendubel in Darmstadt. Ist ein sehr lieber und netter Mensch und Autor, ohne jegliche Allüren. GLG Uwe

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    1. Hi Uwe,
      also Sachen gibt's ;) Vielen Dank für das Lob. Und die Videos deiner Angetrauten muss ich mir mal angucken, ich will ja auch noch die anderen Krimis lesen. Das solltest du im Übrigen auch ;)

      Liebe Grüße Denise

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