Samstag, 12. Juli 2014

Eine Romanze zu Zeiten des Krieges

Der Sommer der Freiheit
von Heidi Rehn

Eine Leseprobe findet ihr hier

Sommer 1913: Selma, eine Tochter aus gutem Hause, verlebt ihren Sommer wie jedes Jahr in Baden-Baden. Bei einem Ausflug lernt sie nicht nur ihre spätere beste Freundin Constanze, sondern auch den Franzosen Robert kennen. Und in diesen verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch Selma ist mit Gero, einem Anwalt aus Ostpreußen, verlobt! Dennoch tobt ein Kampf der Gefühle in ihr. Und der wird noch härter, als 1914 der Krieg ausbricht...

"Der Sommer der Freiheit" war mein erster historischer Roman von Heidi Rehn und er hat mir recht gut gefallen. Allerdings lässt die Autorin viele Chancen der Geschichte ungenutzt, so dass ich am Ende zwiegespalten zurückbleibe.

Der Roman beschäftigt sich hauptsächlich mit Selma und ihrem Leben von 1913 bis ca. 1920. Die anderen Figuren, allen voran Constanze und Robert, bekommen nur ganz kleine, eigene Auftritte und werden ansonsten nur durch die Augen von Selma begutachtet und erwähnt. Das fand ich schade, denn gerade die beiden boten sehr viel Potenzial zum Erzählen, ist doch Constanze eine der ersten Frauen, die Ingenieurswesen studiert und Robert ein Fotograf. Vieles, was bei den anderen Figuren passiert und was mich neugierig gemacht hat, wird dann in einer kurzen Rückblende erzählt, die meist nicht mehr als 2 oder 3 Sätze umfasst. Schade!

Die Kriegsgeschehnisse bleiben sehr weit im Hintergrund. Selbst als Selma dem Krieg verdammt nah kommt, erfährt man kaum etwas über den Schrecken und die Grausamkeiten. Wer also auf einen Roman mit Kriegsberichten gesetzt hat, ist hier leider falsch.

Dafür kommt die Romantik und die damit verbundene Dramatik nicht zu kurz. Selmas Gefühle für Gero und Robert machen sie zu einem Spielball der beiden, was von Heidi Rehn sehr gut und sehr ausführlich dargestellt wird. Zudem ist ihr die Charakterisierung ihrer Hauptfigur sehr gut gelungen. Ich konnte Selma stellenweise aus tiefstem Herzen hassen. Und das bekommen nur wenige Schriftsteller hin.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Beschreibungen, gerade diejenigen aus der Vorkriegszeit, sind so detailreich und nachvollziehbar, dass ich mir ihre Figuren sehr gut vorstellen konnte und mit ihnen durch Baden-Baden flaniert bin.

Fazit: eine romantische Geschichte fürs Herz, bei der der Krieg nur als Kulisse geht. Wer vergnügliche Stunden verbringen möchte, kann beruhigt zugreifen.


Ein großes Dankeschön geht an die Büchereule, bei der ich das Buch gewonnen habe.

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