1. Juni 2014

Verstörend und realitätsnah, aber belanglos

Elisabeth wird vermisst
von Emma Healey

Maud ist alt und lässt sich dennoch die Freude am Leben nicht nehmen. Vor allem mit ihrer besten Freundin Elizabeth ist sie gern unterwegs. Doch nun ist Elizabeth verschwunden und Maud weiß nicht, wo sie ist. Überhaupt vergisst sie in letzter Zeit sehr viel und bringt vieles durcheinander. Ist ihre beste Freundin wirklich weg oder hat Maud einfach nur vergessen, wohin sie gegangen ist?

"Elizabeth wird vermisst" ist das Debüt von Emma Healey und ich habe im Vorfeld sehr viel positives über diesen Roman gehört. Beim Lesen wollte mir allerdings nicht so recht klar werden, woher diese überschwänglichen Meinungen rühren.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Maud erzählt und so erlebt man als Leser hautnah mit, was es heißt, wenn das Hirn nicht mehr so will, wie man es gern hätte. Das war für mich verstörend, aber auch hochinteressant. Denn Emma Healey zeigt die Welt der Demenz wie sie ist: launisch, katastrophal und zerstörend. Und dafür hat sie so eine liebe und herzensgute Figur ausgewählt, dass ich zwischen Wut über die Krankheit und tiefes Mitleid für Maud geschwankt habe. In diesem Punkt verdient die Autorin meinen vollen Respekt.

Allerdings war die gesamte Geschichte, wenn man mal vom Schicksal Mauds absieht, für mich belanglos. Ja, Maud vermisst ihre Freundin und begibt sich auf die Suche. Und dabei wird sie noch von Flashbacks, die sie in ihre Kindheit führen, heimgesucht. Dennoch war das ganze für mich nach dem dritten Mal fast langweilig, denn die Situation konnte sich verständlicherweise nicht verbessern. So dümpelt die Geschichte vor sich hin, bis sie mit einem Paukenschlag in einem Finale endet, das für mich nicht nachvollziehbar war.

Somit bleibt das Buch zwar eine Glanzleistung, was die Gefühle und Gedanken einer Demenzkranken angehen, aber was das Geschichtenerzählen an sich angeht, hinkt Emma Healey hinter anderen Autoren hinterher.

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