1. Juni 2014

Ruhiger Krimi mit Tiefe

Das Krokodil
von Maurizio de Giovanni

Inspektor Lojacono ist strafversetzt worden, wegen einer Tat, die er nach eigener Aussage nicht begangen hat. Er darf sich nicht mehr an Ermittlungen beteiligen. Und doch ist er der erste Polizist am Tatort eines Mordes: ein Jugendlicher wurde mit einem Schuss hingerichtet. Der Inspektor erkennt schnell, dass nicht die Mafia dahinterstecken kann. Doch wer dann?

"Das Krokodil" war mein erster Krimi von Maurizio de Giovanni und er hat mir sehr gut gefallen. Mit Ruhe und einem Auge für Details erzählt er einen Krimi, die schmerzhafter und wahrer nicht sein könnte.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Die Kapitel sind kurz und befassen sich immer wieder mit einer anderen Figur. So fiel es mir zu Beginn schwierig, dem Autor zu folgen. Nach ein paar Seiten hatte sich dies aber gelegt und ich konnte voll und ganz in den italienischen Krimi eintauchen.

De Giovanni legt keinen Wert auf blutige Details oder besondere Beschreibungen des Tathergangs. Das hat mir gut gefallen. Auch schleppen seine Ermittler zwar ein eigenes Päckchen aus der Vergangenheit mit sich rum, sind aber nicht, wie mittlerweile sehr häufig, selbstzerstörerisch oder zynisch. Die Hauptfigur Lojacono war mir direkt sympathisch und zeigte sehr schnell, was die drauf hat. Anstatt mit seiner Versetzung zu hadern, stürzt er sich, sobald er auch offiziell dazu aufgefordert wurde, auf den Fall.

Der Stil von Maurizio de Giovanni ist sehr gut und flüssig zu lesen. Hat man sich erstmal an die schnellen Figurenwechsel gewöhnt, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit: ein toller Krimi mit einem sympathischen Ermittler, von dem ich gern mehr lesen würde. Eine klare Leseempfehlung.

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