1. Juni 2014

kein Thriller, sondern ein Familiendrama

Visby
von Barbara Slawig

Dhanavati lebt mit einer Ungewissheit: warum hat sich ihre Mutter vor 20 Jahren umgebracht? Und wer ist ihr Vater? Diesen Fragen geht sie nach. Annika hat da ganz andere Probleme: von einen Tag auf den anderen verschwindet ihr Lebensgefährte Adrian. Zu den Sorgen um ihn gesellen sich immer mehr Leute, die wissen wollen, wo er ist. Was hat er verborgen?

"Visby" war mein erstes Buch von Barbara Slawig und ich fühlte mich nur mäßig unterhalten. Der Anfang des Buches verspricht etwas anderes, als das Ende hält. Und so musste ich mich zum Schluss hin damit abfinden, dass die Autorin andere Handlungsstränge als wichtiger erachtet hat, als ich mir erhofft hatte.

Die Geschichte wird von verschiedenen Personen und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Ich kam damit recht gut klar, bis ich feststellen musste, dass die Personen auch unterschiedliche Kenntnisstände und zu unterschiedlichen Zeiten erzählten. Dies fand ich im Laufe des Lesens heraus und kam dadurch völlig aus dem Tritt. Hier hätte ich zumindest Datumsangaben sinnvoll gefunden.

Die Figuren, die Barbara Slawig erschafft, agieren bemerkenswert verantwortungslos. Die eine lässt ihr Kind allein um auf blauen Dunst ihren Partner zu suchen. Die andere begibt sich scheinbar blind in eine lebensgefährliche Situation und wundert sich dann, warum sie nicht mit offenen Armen empfangen wird.

Die Autorin erschafft zu Beginn ein spannendes und auch bedrohliches Szenario, was aber im Laufe des Buches immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, bis es völlig verschwindet. Offene Fragen werden nicht geklärt, Figuren, die nicht mehr ins Bild passen, kommen einfach nicht mehr zu Wort und die gesamte Geschichte bekommt einen Drall, den ich zu Beginn nun gar nicht vermutet hätte. Das hat mich schon enttäuscht, denn auch die "vergessenen" Stränge boten sehr viel Potenzial zum Erzählen.

Der Stil von Barbara Slawig ist nach einer gewissen Gewöhnungszeit gut zu lesen. Sie passt ihre Erzählweise ihren einzelnen Figuren an, was ich sehr gut und auch passend fand.

Fazit: leider konnte mich das Werk nicht überzeugen. Thriller ist hier aber auch das falsche Wort für diesen Roman.

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