16. Juni 2014

Kein leichte Unterhaltung, dafür viel Tiefe

Zertrennlich
von Saskia Sarginson

Viola und Isolte sind eineiige Zwillinge, die zusammen mit ihrer Mutter in einem Haus im Wald aufwachsen. Ihre Kindheit ist geprägt von Natur und Freiheit. Jahre später verfolgt Isolte hartnäckig ihre Karriere als Journalistin bei einem Modemagazin. Viola hingegen verfolgt ein komplett anderes Ziel: den Hunger und ihren Körper zu besiegen. Warum will die eine so unbedingt leben, während die andere unbedingt sterben will??

"Zertrennlich" ist das Debüt von Saskia Sarginson und es hat mich zum Großteil beeindruckt. Leider verdirbt mir der Schluss den gesamten Leseeindruck.

Die Geschichte von Viola und Isolte ist keine Geschichte für zwischendurch oder für fröhliche Stunden. Der Roman ist geprägt von Traurigkeit, Geheimnissen und Kampf. Dabei darf man allerdings keinen wirklichen Fortgang der Story erwarten. Der Roman besticht durch seine Tiefe und nicht durch den Fortschritt der Handlung.

Viola erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive und somit erfährt man hautnah, wie abhängig sie von ihrer Schwester Isolte, genannt Issy, ist. Auch ihre Gedankengänge sind eher naiv und leichtgläubig. 
Issys Sicht der Dinge wird aus der Erzählerperspektive geschildert. Isolte wirkt unnahbar, zielgerichtet und dominant. Und das merkt man in allem, was sie tut: im Umgang mit ihrem Freund, in den Rückblicken in ihre Kindheit und einfach auch an den Worten, die Saskia Sarginson gewählt hat.
Ich konnte mit beiden Frauen nicht warm werden, was allerdings meinen Lesespaß nicht trüben konnte.

Die Autorin macht es ihren Lesern nicht allzu einfach, was ihren Roman angeht. Ohne Ankündigung wechselt sie Perspektiven und Zeitebenen. Das verlangte von mir Konzentration beim Lesen. Nach einer kurzen Eingewöhnung las sich das Debüt aber sehr flüssig.

Der Schluss macht in meinen Augen den gesamten Aufbau, den ich bemerkens- und lesenswert finde, zu nichte. Sarginson beschränkt sich auf ein Ende, was zu viele Fragen offen lässt und auf der anderen Seite zu einfach für diese Art der Geschichte ist. Schade!

Fazit: eine schwere, wenn zugleich auch tolle Geschichte. Wer mit einem zu leichten Ende leben kann, sollte zugreifen.

Ein großes Dankeschön geht an die Büchereule und den script5 - Verlag für das Leseexemplar.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen