Sonntag, 1. Juni 2014

2 Frauen, eine Geschichte

Als wir unsterblich waren
von Charlotte Roth

Berlin 1989: die Mauer fällt. Die Menschen auf der Strasse jubeln, doch Alexandra, meist Alex gerufen, kann sich der Freude nicht anschließen. Sie hat Angst und wird von ihrer Freundin Meike mit in den Jubel gezogen. Und in diesem Jubel trifft sie die Liebe ihres Lebens...
Berlin kurz vor dem ersten Weltkrieg: Paula will die Welt verändern. Sie und ihre Freunde haben Großes vor. Und werden doch von der Realität eingeholt...

"Als wir unsterblich waren" war mein erster Roman von Charlotte Roth und er hat mir insgesamt gut gefallen. Mich hat die Geschichte von Paula allerdings mehr mitgerissen als Alex' Schicksal.

Der Roman ist in zwei Generationen aufgeteilt: zum Einen begleitet man Alex in der turbulenten Zeit der Wende, zum Anderen die kämpferische Paula vor und während des 1. Weltkrieges. Während ich mit Alex gar nicht warm geworden bin, ist mir Paula direkt ans Herz gewachsen. Und deshalb war ich auch froh drum, dass auch die Autorin hier Hauptaugenmerk auf die Zeit des 1. Weltkrieges gelegt hat.

Die Figuren sind toll ausgearbeitet, jede hat ihre positiven wie negativen Seiten. Auch die Veränderungen, die ein Krieg mit sich bringt, hat Charlotte Roth sehr toll herausgestellt. Ich konnte mit den Männern im Feld ebenso mitfühlen wie mit den Frauen, die daheim um ihre Männer, Söhne oder Brüder bangten. Dabei trieft die Geschichte nicht vor Pathos, sondern bleibt einfach menschlich. Das hat mich so fasziniert und in den Bann gezogen.

Alex' Erlebnisse hingegen berührten mich fast gar nicht und ihre Erfahrungen mit ihrer Großmutter waren für mich nur schmückendes Beiwerk. Gern hätte ich mehr über das Schicksal ihrer Eltern erfahren, doch das bleibt bis auf ein paar Andeutungen im Dunkeln. Schade!

Dennoch: Charlotte Roth macht Geschichte erleb- und greifbar. Ich wäre nicht böse gewesen, wenn sie nochmal 500 Seiten ran gehangen hätte. So sehr habe ich mit Paula und ihren Freunden mitgefiebert.

Fazit: wer sich für die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts interessiert, sollte unbedingt zugreifen. "Als wir unsterblich waren" lässt einen eintauchen und erst wieder los, wenn man die letzte Seite gelesen hat. Eine klare Leseempfehlung.

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