Sonntag, 25. September 2016

Ein Traum wird wahr - ein Abend mit Chris Carter




Hallo Ihr Lieben,

am 22.September ging für mich einer meiner Träume in Erfüllung: ich durfte bei der Lesung von Chris Carter, Erschaffer des Profilers Robert Hunter, dabei sein. Dass ich dafür extra nach Hannover düsen musste, war es mir einfach wert.

Ich hatte Glück: denn trotz Beginn der IAA war der ICE pünktlich und ich konnte schnellen Schrittes in die Buchhandlung Hugendubel eilen. Dort habe ich mir dann einen Platz reserviert und hibbelte 45 Minuten auf meinem Sitz herum. An Ruhe war einfach nicht zu denken. Um 20.15 Uhr war der Moment gekommen: Chris Carter betrat in Begleitung von Margarete von Schwarzkopf und Dietmar Wunder (die deutsche Stimme von Daniel Craig) die kleine Bühne. Schlagartig war ich ruhig, mein Puls ging runter und ich war gebannt. 


Margarete von Schwarzkopf führte mit Witz und Charme durch den Abend. Sie übersetzte ihre Fragen gekonnt und ließ Chris Carter genug Raum zum Antworten. Und der Autor nahm kein Blatt vor den Mund.

So berichtete er, dass er NIE einen Schreibkurs oder ähnliches besucht hat, sich beim Schreiben an keine irgendwie geartete Regeln hält und lieber Filme schaut anstatt liest. Spätestens hier wäre jeder Literaturkritiker mit Herzanfall vom Stuhl gekippt.

Die ersten 3 Kapitel seines Erstlings "Der Kruzifix-Killer" schickte er 2007 vorab an 40 Menschen überall auf der Welt. Denn Chris Carter wollte einfach ehrliches Feedback, das er sich von seiner Freundin und seinem besten Freund nicht erwartete. 

Spannend fand ich, dass der Erschaffer von Robert Hunter jeden Tag das liest, was er am Vortrag geschrieben hat. Dabei kommt es öfter vor, dass er die gesamte Arbeit des Vortages löscht und von vorn beginnt. Er selbst ist nach eigenen Worten sein größter Kritiker und lektoriert seine Thriller fast komplett selbst. Natürlich hat er eine Lektorin, die jedoch am fertigen Werk kaum noch Änderungen vornimmt.

Chris Carter erzählte frei von der Leber weg, gestikulierte und hatte dabei immer ein Grinsen auf den Lippen. Wenn ich ihn nicht schon für seine Bücher geliebt hätte, spätestens jetzt wäre ich schockverliebt gewesen ;)


Die Auszüge aus "I am Death" las dann Dietmar Wunder, dessen Stimme Gänsehaut verursacht. Anders als viele Vorleser brachte er nicht nur die Stimmung der Kapitel herüber, sondern formte mit seiner Interpretation auch jeden einzelnen Charakter. Es war einfach großartig ihm zu zuhören. Denn er las nicht einfach nur, sondern setzte Mimik und Gestik ein. Wundervoll!

Nach der Lesung ging es dann zum Signieren. Dicht gedrängt warteten die Zuhörer. Und Chris Carter nahm sich für Jeden Zeit, gab Autogramme, stand für Fotos parat und ein paar persönliche Worte. Je näher ich ihm kam, desto nervöser wurde ich. Und normalerweise habe ich bei solchen Aktionen null Hemmungen. Doch wer seinem Idol mal gegenüber steht, weiß, wie das Gefühl ist.


Meine nervöse Körperhaltung zeigt, was in mir vorging. So müssen sich 15-jährige Mädels fühlen, wenn sie vor Justin Bieber stehen ;) Im Normalfall ist meine Zunge recht locker, doch hier klebte sie fest. Aber die Signaturen haben geklappt.

Foto?


FOTO!

Mein Glück konnte ich kaum fassen. Er und ich auf einem Bild. Hach! Ich bin mit weichen Knien und hüpfend in die Nacht entschwunden und weiß eins mit Sicherheit: selbst wenn er irgendwann mal nur ein Telefonbuch von Hongkong verfasst, ich werde es lesen!






Freitag, 23. September 2016

Nimm dich in Acht, der Angstmann geht um!

(Quelle: dtv Verlag)

Der Angstmann
(Max-Heller-Reihe Band 1)
von Frank Goldammer
(336 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Dresden 1944: der Polizist Max Heller wird zu einer Frauenleiche gerufen. Eine Leiche an sich ist im Krieg nichts ungewöhnliches, jedoch wurde dieses Opfer grausam zugerichtet. Der Kommissar steht vor einem Rätsel. Und es wird noch verrückter, als die Menschen anfangen von einem wunderlichen Wesen zu reden, das des Nachts gackernd durch die Straßen zieht. Der Angstmann macht die Runde. Kann Max Heller den Fall lösen, ohne dabei selbst dem Wahnsinn zu verfallen?

„Der Angstmann“ ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe um Max Heller von Frank Goldammer und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Der Autor schafft es, seine Leser in die Zeit der letzten Kriegsjahre zu entführen und gleichzeitig in einen spannenden Mordfall zu verwickeln. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man jedoch Max Heller auf Schritt und Tritt, begibt sich mit ihm in die Ruinen Dresdens und erlebt so den Schrecken von fallenden Bomben, Hunger und Angst hautnah. Dabei hält sich Frank Goldammer mit starken Detailbeschreibungen zurück, deutet das Schrecken teilweise nur an. Doch das genügt schon, um eine Atmosphäre der Unsicherheit und Anspannung heraufzubeschwören.

Das Hauptaugenmerk liegt klar auf den Ermittlungen und nicht auf den Verbrechen des 2. Weltkrieges, was ich sehr gut fand. Wer jedoch glaubt, dem Schrecken gar nicht gegenübertreten zu müssen, irrt. Denn Max Heller mag zwar kein linientreuer NS-Scherge sein, er muss aber ebenso mit den Entbehrungen und Kämpfen in Dresden zurecht kommen. Und das lässt der Autor auch seine Leser spüren. Grandios!

Die Figur Max Heller finde ich sehr gut gelungen. Er ist kein überzeugter Nationalsozialist, ja nicht im in der Partei oder SS, darf jedoch aufgrund seiner Erfahrungen im 1. Weltkrieg bei der Polizei arbeiten. Der Kommissar schert sich wenig um die Politik, setzt in seinem Beruf auf Menschlichkeit und muss bald erkennen, dass dies in den Wirren des 2. Weltkrieges nicht immer genügt. Frank Goldammer erschafft hier einen starken, bodenständigen und glaubwürdigen Charakter, den ich direkt ins Herz geschlossen habe.

Die Story ist von Beginn an spannend, aber nicht reißerisch. Der Autor setzt auf einen ruhigen Verlauf. Dadurch werden die Bedingungen im Krieg jedoch deutlicher und spürbarer, als wenn er mit großem Knalleffekt seinen Krimi erzählt hätte. Besonders die Kapitel über den Bombenangriff auf Dresden haben mich mitgenommen, denn so persönlich und nah konnte mir bisher keine Dokumentation den Schrecken dieser einen Nacht vermitteln.

Das Finale ist unaufgeregt, logisch und in sich schlüssig. Der Autor lässt hier eine Tür für weitere Romane offen, was mich sehr freuen würde.

Der Stil von Frank Goldammer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist ruhig, detailgetreu, wo es sein muss und persönlich. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, neben Max Heller zu stehen und zu ermitteln.

Fazit: der Angstmann geht um. Fangt ihn!

Mittwoch, 21. September 2016

Göttliche Kraft oder doch nur Schwindel?

Revival
von Stephen King
(528 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jamie lebt in einer us-amerikanischen Kleinstadt und führt in den 60er Jahren ein gottesfürchtiges, wenngleich fast langweiliges Leben. Das ändert sich, als der Reverend Charles Jacobs in die Stadt zieht. Seine Predigten sind lebhaft, doch wirklich spannend ist seine Beziehung zur Elektrizität. Denn diese fasziniert nicht nur ihn, sondern bald auch die Jungs der Gemeinde. Mit komischen Folgen...

Ich hatte mich sehr auf "Revival" von Stephen King gefreut, mag ich doch den Schauer, den religiöse Überzeugungen auslösen können. Bekommen habe ich allerdings eine Familiengeschichte mit kleinen Überraschungsmomenten, aber DER King-Moment fehlte mir schlichtweg.

Die Geschichte wird von Jamie selbst als Rückblick erzählt. So lernt man nicht nur den Rentner kennen, sondern erlebt mit ihm seine Kindheit, seine ersten Begegnungen mit Charles Jacobs und seine Drogenabhängigkeit. Das fand ich spannend und auch interessant, da ich gerne Figuren über einen längeren Lebenszeitraum begleite. 

Jamie erzählt dabei nicht zwingend chronologisch, sondern fügt immer wieder Begebenheiten aus verschiedenen Lebensabschnitten hinein. Eines wird aber schnell klar: Charles Jacobs spielt eine gewichtige Rolle für ihn.

Wer King kennt, weiß, dass der Meister des Horrors kein Freund von kurzen Beschreibungen ist. So ist es auch hier. Der Autor baut die Stimmung über detaillierte Beschreibungen der Familiensituation oder einzelnen Begebenheiten auf. Dabei ist es nicht mal von Belang, ob diese Situationen einen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte haben. Das muss man mögen. Ich habe es bei diesem Roman genossen, denn Jamie ist eine sympathische, wenn gleich nicht einfache Figur, die dennoch viele Facetten zeigte. 

Und obwohl mir der Stil gefallen hat und Jamie mich lange bei der Stange halten konnte, habe ich das Buch dennoch nach gut 2/3 zur Seite gelegt. Denn mehr als nett wurden die Erzählungen nicht. Das ist mir für einen King viel zu wenig. Eine große Familiengeschichte mit wenig eingestreuten Rätseln erwarte ich von anderen Autoren, aber nicht von dem Horrormeister schlechthin.
Daher zählt "Revival" für mich zu den schwächeren Werken von Stephen King. 

Fazit: Wer es mal ruhiger angehen lassen möchte, die Geschichte eines Jungen bis ins hohe Alter verfolgen will und ein wenig mitraten mag, ist hier gut aufgehoben. Für mich war es nur nett...

Freitag, 16. September 2016

Die Führung durch den Märchenwald - ein Abend mit Martin Krist



Lesungen sind an sich schon ein wundervolles Erlebnis. Aber wenn der wahrhaft böse Bube des Thrillergenres ins Kriminaltheater Berlin einlädt, wird aus wundervoll schnell blutig, spannend und auch ein wenig brrr.

Martin Krist entführte seine Hörerschaft in den Märchenwald, seinen neusten Thriller mit Paul Kalkbrenner. Bevor es jedoch in die Geschichte ging, wurde der Autor von Karla Paul von Buchkolumne mit Fragen gelöchert. Und diese hatten es in sich, denn Karla fragte nicht nur nach der Ideenfindung und Leichenbeseitigung, sondern wollte auch die anderen Seiten von Martin Krist kennenlernen. Schließlich ist der gute Mann auch im Bereich Erotik unterwegs. Als der Autor dann von seinen Interviews mit Luden im Rotlichtmilieu berichtete und dabei meinte, dass er als Unbefleckter nie solch einen Einblick bekommen hätte, war das Kichern im Publikum groß.

Karla führte durch den Abend

Neben Karla gab es weitere, weibliche Unterstützung, damit die vielen Ebenen, die Martin Krist in seine Bücher einbaut, auch beim Hören gut zur Geltung kommen.


Zum Einen gab sich Anne Forman die Ehre. Sie synchronisiert im wahren Leben Animationsfilme und versetzte das Publikum direkt in den Märchenwald.


Zum Anderen war Nina Hohlfeld zu Gast. Neben Musicals lieh sie unter anderem dem kleinen Mädchen in Martin Krists Thriller ihre Stimme.

Während das Gespann aus Autor und Damen vorlas, konnte man eine Stecknadel fallen hören. Martin Krist wählte die vorgetragenen Stellen mit Bedacht, bearbeitete sogar extra für die Lesung sein Werk, damit die einzelnen Handlungsstränge nachvollziehbar blieben. Eine grandiose Leistung, denn das Publikum war gebannt.

trotz Anzug blieb die Coolness nicht aussen vor ;)

Zwischen den einzelnen Kapiteln plauderten Karla und Martin über den Alltag als Autor, über die Möglichkeiten einen Roman aufzubauen und was es bedeutet, wenn einen eine Figur schon über 11 Jahre begleitet. Dabei machte der böse Bube eins klar: Schreiben ist Handwerk. Es gibt für ihn einen klaren Plan beim Schreiben, seine Geschichten stehen von Beginn an und er will sie nur noch erzählen. Plötzliche Storyveränderungen? Alles Planung.

Zum Abschluss stellte sich Martin Krist noch seinen Lesern, gab Autogramme, posierte für Fotos und verlor dabei nie sein freches Grinsen. Auch ich habe mir eine Widmung abgeholt :) Warum es diesmal kein gemeinsames Foto gibt? Nun ja...der Autor und ich haben noch etwas für Euch in Planung. Und da will man doch nicht vorgreifen.

Seid gespannt und geht in den Märchenwald!