Dienstag, 17. Januar 2017

Ein neues Team, eine neue Mordserie

Schwarzes Netz
(Jordan - Hill - Reihe Band 9)
von Val McDermid
(464 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Carol Jordan genießt ihr Leben ohne Polizei auf dem Land. Nur sie, ihr Hund und die Scheune ihres verstorbenen Bruders. Doch es gibt noch einen Gefährten in ihren einsamen Stunden: den Alkohol. Und das kann Dr. Tony Hill, der sich immer noch um seine nicht ganz so heimliche Liebe sorgt, nicht zulassen. Ein zäher Kampf beginnt. Und er muss schnell ausgefochten werden, denn in Bradfield geschehen seltsame Selbstmorde...

"Schwarzes Netz" ist der 9. Fall für Carol Jordan und Tony Hill und er hat mir gut gefallen. Val McDermid legt in diesem Thriller das Hauptaugenmerk auf die menschliche Seite ihrer beiden Hauptfiguren. Die Ermittlungen geraten dadurch stark, in manchen Szenen zu stark, in den Hintergrund.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Zu einem großen Teil folgt man Tony Hill und Carol Jordan bei ihren privaten Auseinandersetzungen und späteren Ermittlungen. Einige Kapitel sind dem Täter und seiner Denkweise gewidmet. Diese Mischung fand ich toll, denn so konnte ich bei den einzelnen Ermittlungserfolgen erkennen, wie nah das Team dem Täter wirklich ist. Toll!

Für mich war der 9. Fall ein großes Wiedersehensfest. Endlich kamen alle Figuren wieder zusammen um gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Dabei ließ die Autorin jedoch keine Schwäche außer Acht. So formte sich eine Gemeinschaft, die durchaus realitätsnah und menschlich wirkt. Val McDermid erschafft keine übergroßen Starermittler, sondern präsentiert jedes Teammitglied, besonders aber Carol Jordan, mit menschlichen Schwächen und Fehlern. Dies alles beschreibt sie aber unaufdringlich und ohne moralischen Zeigefinger. So macht das Lesen Spaß.

Die Story war von Beginn an spannend, wenn auch nicht thrillerartig. Ich würde diesen Band eher einen Roman mit Krimielementen nennen. Denn gut 2/3 des Buches geht es um Carol, ihre Alkoholsucht und die Folgen. Erst im letzten Drittel findet so etwas wie eine Ermittlung statt, die dann aber teilweise zu glatt und reibungslos verläuft. Hier hätte ich mir eine Kürzung im ersten Teil zugunsten der Spannung im letzten Teil des Buches gewünscht. Die Lektüre hat mir dennoch Freude bereitet, keine Frage. Aber es ist eben nicht der gewohnte McDermid-Thrill, sondern einfach ein aufrüttelnder Roman, der sich gut als Zwischenstück zwischen 2 Fällen beschreiben lässt.

Das Finale ist gewohnt bodenständig, logisch herbeigeführt und großartig in Szene gesetzt. Die Ermittlungen laufen zusammen und lassen nur einen Schluss zu. Ich persönlich habe mich sehr gefreut, dass hier Tony Hill sein Können unter Beweis stellen durfte.

Der Stil von Val McDermid ist einfach und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, detailreich, wo es nötig ist und in keinem Punkt überladen. Klasse!
Fazit: Tony und Carol sind zurück. Und sie können es noch. Für Fans eine klare Leseempfehlung.

Freitag, 13. Januar 2017

wahrhaftiger Verrat am Lesespaß

Verraten
(Luk-Krieger-Reihe Band 1)
von Florian Schwiecker
(288 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mitten auf dem Kurfürstendamm in Berlin explodieren in einem Café zwei Bomben. Agent Luk Krieger, der sich im Café mit einem Informanten treffen wollte, kommt knapp mit dem Leben davon. Hatte es der Attentäter auf ihn abgesehen oder ist doch alles nur großer Zufall? Wer steckt hinter dem Anschlag? 

"Verraten" war mein erster Thriller von Florian Schwiecker und wird auch mein letzter sein. Denn der Autor hat so viel Leidenschaft beim Erzählen wie ich beim Mandarinen schälen. Da kann auch die Story um einen Agenten in Deutschland nichts retten.

Die Geschichte beginnt im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Paukenschlag. Florian Schwiecker wirft seine Leser mitten in einen Bombenanschlag und lässt sie, wie seine Hauptfigur Luk Krieger, verwirrt und desorientiert zurück. Die Idee zum Einstieg hat mir super gefallen und ich hatte mich schon im Vorfeld sehr auf die Lektüre gefreut. Doch mit jeder Seite mehr merkte ich, dass der Autor bestimmt vieles super kann, nur eines nicht: erzählen.

Denn obwohl der Anschlag mitten in der Hauptstadt stattfindet, es massig Opfer gibt, empfand ich bei den Beschreibungen gar nichts. Florian Schwiecker schaffte es nicht, Atmosphäre aufzubauen und mich mit den Opfern gemeinsam leiden zu lassen. Noch bevor ich wusste, wo ich bin, war auch schon die Action da. Ich mag es rasant, doch das war für mich eher mit dem Holzhammer und dem gesamten Zaun erschlagen. Das wäre noch nicht so schlimm gewesen, wenn es danach wenigstens spannend weitergegangen wäre.

Doch da wurde ich ebenso enttäuscht. Luk Krieger wird als DER Über-Agent dargestellt. Das ist okay und würde passen, wenn eben das Gesamtwerk stimmig wäre. Doch das ist es nicht. Die Erzählweise von Schwiecker erinnerte mich großteilig an einen Schulaufsatz: hölzern, statisch, nicht packend. Er beschrieb die Handlungen exakt so, wie man sie durchführen würde. Emotionen, Spannung, Abwechslung? Leider Fehlanzeige.

Und so flog dieses Buch nach gut 50 Seiten in die Ecke. Ich konnte es einfach nicht lesen. Echt schade, denn es hätte so viel aus der Geschichte gemacht werden können.

Fazit: ich fühle mich verraten! Keine Empfehlung.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Lass dich verzaubern!

(Quelle: Amazon)

Die Magie der Bücher
von Nadja Losbohm
(54 Seiten)



Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mit Geschichten über Bücher verbinde ich immer ein wenig Magie. Denn Bücher lassen uns an Orte reisen, zu denen wir sonst keinen Zutritt hätten. Und Nadja Losbohm entführt ihre Leser an wahrhaft zauberhafte Orte.

"Die Magie der Bücher" ist eine Anthologie, die 3 Kurzgeschichten beinhaltet. Alle 3 Geschichten befassen sich mit Wundern, die durch das geschriebene Wort oder Bücher allgemein entstehen. Mich hat die Sammlung überzeugt, auch wenn sie sprachlich einfach und kindgerecht gehalten ist.

Die Kurzgeschichten spielen sich in einer märchenhaften Umgebung ab. Während man in der ersten Geschichte 2 Königreiche und deren Verbindung zueinander kennenlernt, warten die anderen beiden mit besonders innigen Beziehungen zu Büchern auf. Jede Story für sich ist magisch geschrieben und beinhaltet den Glauben an Mut, das Gute und die Kraft aus einem Selbst. Das hat mir sehr gut gefallen. 

Von der Länge und vom Inhalt her eignen sich die kleinen Erzählungen hervorragend zum Vorlesen vor dem Schlafengehen. Sie sind weder gruselig noch grausam, sondern bieten Abenteuer und auch kleine Rätsel. Dabei spricht die Autorin ihre Leser direkt an und bezieht sie sofort in die Geschichten ein. Das fand ich im Hinblick auf ein junges Publikum schön gelöst. 

Die Sprache ist einfach und kindgerecht gehalten. Nadja Losbohm erzählt direkt und ohne leere Füllphrasen. Durch ihre spritzige Erzählweise konnte ich mir die verwunschenen Orte, die sie in ihren Geschichten zum Leben erweckt, sehr gut vorstellen.

Fazit: eine feine Sammlung zum Vorlesen und Träumen. Ich kann sie für Familien empfehlen.


Mittwoch, 11. Januar 2017

Nenn mir dein Zeichen!

Im Zeichen des Todes
von Sam Wilson
(480 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jerome Burton ist Detective in San Celeste, einer Stadt,  in der dein Sternzeichen bestimmt, wer du bist und wo du gesellschaftlich stehst. Doch das zählt alles nicht mehr, wenn dich der Tod ereilt. So erschüttert eine brutale Mordserie die Stadt. Und Burton soll gemeinsam mit der Astroprofilerin Lindi herausfinden, wer der Täter ist. Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto mehr geraten die beiden in das Fadenkreuz des Mörders...

"Im Zeichen des Todes" ist das Debüt von Sam Wilson und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor erschafft eine Welt, in der das eigene Sternzeichen das gesamte Schicksal bestimmt und wirft seine Leser damit in eine Welt, in der keine vernünftigen Argumente mehr greifen. Für mich war das ein tolles Leseerlebnis.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Burton und seinen Ermittlungen in verschiedenen Kreisen, sondern lernt auch den reichen Erben Daniel kennen, der mit seinem Schicksal hadert und erkennen muss, dass man mit Geld nicht alles kaufen kann. Diese beiden Erzählebenen haben mir sehr gut gefallen, denn sie zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven, wie wenig der Mensch benötigt, um auf andere herabzusehen. In diesem Fall sind es die Sterne, unter denen man geboren wurde. 

Zu Beginn musste ich immer wieder lächeln, als die Charaktere sich auf die Sternzeichen beriefen. Doch je länger ich las, desto weniger konnte ich mich der Dynamik dieser Gesellschaft entziehen. Die Morde, die passiert sind, geraten dadurch zwar ab und an in den Hintergrund, jedoch störte mich wenig. Ich war fasziniert von dem Aufbau der Gesellschaft, den Schulen und auch den festgefahrenen Strukturen der Stadt. Und mit jedem Kapitel wurde deutlicher, dass hinter den Morden viel mehr steckte als die bloße Lust am Töten.

Die Hauptfiguren Burton und Lindi sind von Sam Wilson bewusst gegensätzlich angelegt. Während der Detective rein auf die Logik und den Verstand setzt, lässt sich die Profilerin von den Sternen leiten und erstellt für Situationen Horoskope, in denen ich nicht mal einen Gedanken daran verschwendet hätte. Und obwohl die Charaktere so gegensätzlich angelegt wurden, wirkten sie weder gewollt auf Krawall gebürstet noch gezwungen. Sam Wilson hat ein glaubwürdiges Ensemble erschaffen, in dem es sowohl sympathische als auch hassenswerte Figuren gibt. Toll!

Die Story hat mich von Beginn an gefangen genommen. Die ersten Morde geschehen recht zügig. Und obwohl ich ein großer Fan von Blut, Gewalt und Co in Büchern bin, war ich dem Autor nicht böse, als er von den Ermittlungen weg- und zu den gesellschaftlichen Strukturen hinschwenkte. Er hat mich mit seinem Gedankenspiel "Was, wenn Sternzeichen unser Leben bestimmen?" fasziniert und ich bin tief eingetaucht in eine Welt aus Sternen, Hass und Vorurteilen. Und mir ist beim Lesen öfter bewusst geworden, dass es starke Parallelen zwischen San Celeste und jeder x-beliebigen Stadt auf der Welt gibt.

Das Finale war passend zum gesamten Buch und überraschend actiongeladen. Die letzten Kapitel flogen nur so dahin und der Autor lässt am Schluss offen, ob es nicht noch einen weiteren Fall mit Burton und Lindi geben wird. Klasse!
Der Stil von Sam Wilson ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt und löste bei mir Kopfkino aus. So muss es sein.

Fazit: nenn mir dein Zeichen und ich sag dir, ob du stirbst. Eine klare Leseempfehlung.