24. Juli 2017

Unter der Erde liegt die Wahrheit







Titel:
 Spectrum
Autor: Ethan Cross
Übersetzer: Rainer Schumacher
Seiten: 512
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404175550










In Las Vegas wird eine GoBox-Filiale überfallen. Die Täter verschanzen sich im Gebäude und zwingen die Polizei von Nevada zu einem Nervenkrieg. Doch nicht nur das: Sie verlangen auch, dass das FBI hinzugezogen wird. Agent Carter ist sofort zur Stelle. Im Schlepptau hat er Dr. August Burke. Das junge Genie soll den Ermittlern helfen. Und es erkennt, dass die Täter mitnichten auf den Inhalt des Tresors scharf sind...

"Spectrum" war mein erster Thriller von Ethan Cross und ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen. Sein Erstling "Ich bin die Nacht" liegt bei mir noch ungelesen im Regal, wofür ich mich nach der Lektüre seines neusten Werkes schon fast schäme. Denn Cross schafft es gekonnt, Gewalt, Psychologie und Verbrechen spannend und mitreißend zu verbinden.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl dem Polizisten Nic Juliano, als auch Special Agent Carter und Dr. Burke sowie kapitelweise auch einer Polizistin in Südafrika sowie den Geiselnehmern. Obwohl die Anzahl der Protagonisten überwältigend anmutet, fand ich mich beim Lesen sehr schnell zurecht und konnte sowohl Figuren als auch Schauplätze perfekt auseinander halten. Das lag unter anderem auch an Ethan Cross' direktem Erzählstil, bei dem er sich auf das Wesentliche konzentriert.

Der Autor führt mit Dr. August Burke einen sehr speziellen Charakter ein. Denn Burke ist nicht nur unglaublich jung und intelligent, er leidet auch an dem Asperger-Syndrom. Wer nun aber eine Art Sheldon mit Ticks und wenig Alltagsroutine erwartet, der ist vollkommen falsch gewickelt. Das junge Genie hat zwar seine Probleme im Umgang mit anderen Menschen, ist jedoch erfrischend realitätsnah beschrieben und sehr schlagfertig. Burke verschleiert seine Probleme nicht, sondern zeigt einfach, wie er sich im Alltag mit neurotypischen Menschen zurecht findet. Das war für mich ganz großes Kino. Denn zugegebenermaßen hatte ich leichte Bedenken, ob Cross mit dem Asperger-Syndrom Schindluder treiben wird oder es sogar überspitzt darstellt. Dies war zum Glück nicht der Fall.

Die Story selbst ist von Seite 1 an spannend, fesselnd und hat mich sofort mitgerissen. Ethan Cross versteht es, den Spannungsbogen zu halten und seine Leser von Schauplatz zu Schauplatz zu treiben, ohne dass man dabei ins Stolpern gerät. Ich konnte zu jeder Figur, egal ob sie mir sympathisch war oder nicht, eine Verbindung herstellen und habe mit Freuden kombiniert, Türen eingetreten und Pläne geschmiedet. Und der Autor hat das geschafft, was schon lange kein Thriller mehr bei mir auslösen konnte: Er hat mich zum Weinen gebracht. So stark hat mich in letzter Zeit kein Buch gefesselt.

Das Finale passt sehr gut zum Thriller und kommt us-typisch mit einem Knalleffekt und großem Showdown. Das hat mich jedoch wenig gestört, da ich unbedingt wissen wollte, wie Dr. Burke die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Tätern und Vorkommnissen hergestellt hat. Für mich war die Geschichte von vorn bis hinten rund. Und der Autor lässt eine kleine Hintertür zu einer Fortsetzung.

Etahn Cross' Stil ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, blutig und gleichzeitig abgebrüht. Er schmückt seine Szenen nur dann aus, wenn es wirklich notwendig ist, gibt aber genug Futter fürs Kopfkino, so dass die eigene Fantasie perfekt arbeiten kann.

Fazit: endlich mal ein Genie ohne erdrückenden Wahnsinn. Ich kann das Buch nur empfehlen.


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18. Juli 2017

Duell der Psychopathen






Titel: Nummer 25
Autor: Frank Kodiak
Seiten: 384
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426520093










Andreas Zordan ist Deutschlands erfolgreichster Thrillerautor. Seine Bücher und die darin beschriebenen Morde sind grausam, überaus brutal und blutrünstig. Dem Autor macht es unheimlich Spaß, solche Geschichten zu erschaffen, da er sich selbst für einen Psychopathen hält. Das Schreiben ist sein Ventil und er lebt gut damit. Bis ihn ein echter Psychopath mit der Leiche einer jungen Frau direkt herausfordert...

"Nummer 25" von Frank Kodiak ist mir durch das Cover und den anziehenden Klappentext aufgefallen. Endlich traut sich mal ein Autor mit der Frage "Was wäre, wenn der Erschaffer von Psychothrillern ebenso "krank" wäre wie seine Figuren?" zu spielen. Das hat mich neugierig gemacht. Erst kurz vor der Lektüre habe ich erfahren, dass hinter Frank Kodiak der erfolgreiche Autor Andreas Winkelmann steht, von dem ich bisher noch nichts gelesen hatte. Umso gespannter war ich. Und umso mehr wurde ich enttäuscht.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Man begleitet dabei nicht nur Andreas Zordan, der sehr zurückgezogen in einer Hütte mitten im Wald lebt, sondern auch die Journalistin Greta Weiß, die mit dem mehr als arroganten Autoren ein Interview führen soll. Diese Mischung versprach von Beginn an Spannung und Reibereien, denn sowohl Andreas als auch Greta sind große Sturköpfe und weichen keinen Zentimeter von ihren Positionen ab. Frank Kodiak lässt zudem kapitelweise auch den Täter und dessen Gedankenwelt zu Wort kommen. Dieser Mix hat mir super gefallen und ich war von Beginn an fasziniert.

Je weiter ich jedoch mit der Lektüre kam, desto mehr fiel mir auf, dass der Autor zwar auf blutige Details, nicht aber auf Recherche und gekonnte Überleitungen steht. Wer einen Thriller über zwei Psychopathen schreibt, sollte sich der Definition dieser Persönlichkeitsausprägung bewusst sein und sie nicht mit der des Soziopathen vermischen. Doch genau das tut der Autor. Habe ich beim ersten Mal noch darüber hinweggelesen und es als Flüchtigkeitsfehler abgetan, so wird bei der Hälfte des Buches deutlich, dass es Frank Kodiak nicht schert, dass er hier bewusst zwei Persönlichkeitstypen miteinander vermischt, die zwar gewisse Schnittmengen miteinander haben, aber dennoch große Unterschiede aufweisen. Ich weiß nicht, ob Autor UND Lektor beim Korrekturlesen gepennt haben, für mich ist dieser schwerwiegende Recherchefehler jedoch einer der Gründe, warum ich dieses Buch nicht zu Ende gelesen habe.

Ein anderer Grund ist die sehr gestelzte Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge. Während Greta Weiß und Andreas Zordan versuchen, den Psychopathen ausfindig zu machen, ermittelt die Polizei in mehreren Vermisstenfällen. Die Journalistin, die sich mit Feuereifer in die Suche stürzt, fragt stümperhaft bei ihrem Polizeikontakt nach einem ganz bestimmten Mädchen und stößt so eine Kettenreaktion an. Natürlich passiert so etwas im wahren Leben. Und ich hätte mit dieser Art der Zusammenführung auch kein Problem, wenn sie nicht so gewollt und hölzern wirken würde. 

Frank Kodiak macht es sich in meinen Augen zu einfach. Anstatt seine Leser rätseln zu lassen, serviert er alles auf einem Silbertablett. Darunter leidet auch die Glaubwürdigkeit seiner Hauptfigur, was ich sehr schade finde. Denn Andreas Zordan hat das Zeug, ein sympathisches Arschloch zu sein. 

Der Stil des Autors lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Seine Erzählweise ist blutig, auf den Punkt und zieht den Leser mit.

Fazit: Nummer 25 hätte mich begeistern können. Leider war der Autor zu schlampig. Schade!


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16. Juli 2017

Die Totentafel fordert Opfer






Titel: Die Totentafel
Autor: André Milewski
Seiten: 288
Verlag: Selfpublisher
ISBN: 978-1543281651










Im winterlichen New York wird die Leiche eines Archälogen mitten vor dem Metropolitan Museum gefunden. Zunächst deutet alles auf Selbstmord hin, bis der Gerichtsmediziner feststellt, dass der Mann schon seit über 8 Wochen tot ist und ihm zudem das Gehirn entfernt wurde. Detective Heather Rollins beginnt mit der Spurensuche, die sie bald weit in die Vergangenheit führen soll.

"Die Totentafel" war mein erster Thriller von André Milewski und hat mich gut unterhalten. Der Autor entführt seine Leser nach New York und ins alte Ägypten und lässt einem dabei kaum Zeit zum Atem holen. Klasse!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei begleitet man Detective Heather Rollins, die frisch das Revier gewechselt hat und in Trennung lebt, bei ihren Ermittlungen um den toten Archäologen und dessen geheimnisvolle, letzte Arbeit. Heather muss sich dabei nicht nur vor den neuen Kollegen beweisen. Sie lebt auch in latenter Angst vor ihrem Ex-Mann, der als Captain des NYPD Einfluss und Macht hat und die Trennung gar nicht akzeptieren kann. 

André Milewski wirft seine Leser mitten in das Geschehen. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich habe mich sofort mit der Detective und ihrem Partner Rico verbunden gefühlt und habe mit den beiden gerätselt, Verhöre geführt und Spuren ausgewertet. Toll fand ich auch, dass der Autor das Privatleben von Heather geschickt in die Story eingebaut,dass es nicht zu viel Raum in Anspruch genommen hat. So wirkte der Thriller aufgelockert, ohne dass vom Fall abgelenkt wurde.

Die Story ist von Beginn an fesselnd, wenn gleich an manchen Stellen zu einfach zu durchschauen. André Milewski hat durchaus die richtigen Gedankenblitze, die er seinen Figuren in den Mund legt. Den Weg dahin verschweigt er aber. So wunderte ich mich bei manchen Szenen, wie Heather nun auf genau den Schluss kam, der dann zur Lösung führte. Hier hätte ich mir mehr Tiefe und Zeit gewünscht. Dennoch tat dies meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schnörkellos und mit dem richtigen Maß an Detailverliebtheit versehen. Toll!

Fazit: ein Thriller, der unterhält und locker zu lesen ist. Ich kann ihn empfehlen.


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